Oltner Derniere
«Jede anger wär tot, aber i sägle mit mim Boot» – tosender Applaus für Stiller Has in Olten

Vor einem begeisterten Publikum gab Troubadouren-König Endo Anaconda mit Stiller Has sein letztes Oltner Konzert im Stadttheater.

Denise Donatsch
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Voller Einsatz auf der Bühne: Stiller Has trat am 29. Oktober zum letzten Mal in Olten auf.

Voller Einsatz auf der Bühne: Stiller Has trat am 29. Oktober zum letzten Mal in Olten auf.

Patrick Lüthy

Die wachsende Ungeduld des Publikums im Stadttheater Olten war am Freitagabend regelrecht zu spüren. Die Vorfreude auf Sänger und Geschichtenerzähler Endo Anaconda, der an diesem Abend seine Oltner Derniere mit Stiller Has feierte, war gross. Dementsprechend laut war der Jubel, als der Troubadour zum Pianointro des Oltner Musikers Roman Wyss die Bühne betrat – im Anzug und mit Hut.

Das Musiker-Unikat hatte das Publikum mit seiner Präsenz voller Schalk und Zynismus sogleich im Sack und startete seine Show mit dem Lied «Pirat». «Jede anger wär tot, aber i sägle mit mim Boot», referierte er, während ihm die Zuschauenden an den Lippen hingen und seiner Erzählung vom übel zugerichteten Seeräuber lauschten, der trotz zahlreicher Blessuren noch immer zur See fährt.

In Anzug und Hut und mit viel Leidenschaft auf der Bühne: Endo Anaconda.

In Anzug und Hut und mit viel Leidenschaft auf der Bühne: Endo Anaconda.

Patrick Lüthy

Im Gegensatz zum Piraten wirkte der 66-Jährige sehr vital, was er mit kleineren Tanzeinlagen unterstrich. Von sich selbst scheint er jedoch – selbstironisch wie so oft – ein etwas anderes Bild zu haben.

«Ha im Oltner Tagblatt usgseh als wär i grad usem Senioreheim gflüchtet»,

frotzelte er über sich selbst, was vom Publikum lachend quittiert wurde.

Aber nicht nur Endo Anacondas Sprüche sassen, auch musikalisch ging die Post ab. Süffiger Blues wechselte sich ab mit rockigeren Songs und auch lieblichere Klänge hatten ihren Platz. Der Berner Gitarrist Boris Klecic, der auch das Banjo in Perfektion beherrscht, sorgte mehrfach für atemberaubende Soli.

Das Einzige, was das Konzerterlebnis etwas trübte, waren die zahlreichen Störungen der Tontechnik vor der Pause – Anacondas Mikrofon stieg mehrfach aus oder gab Störgeräusche von sich, was vom Publikum verärgert mit Pfiffen kommentiert wurde. Während der Pause konnte das Problem jedoch behoben werden und nach einem Soundcheck ging das Konzert störungsfrei in die zweite Runde.

Zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer im Stadttheater.

Zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer im Stadttheater.

Patrick Lüthy

Zwischen Ravioli und WC-Papier

Der Sommer 2020 schien für Anaconda nicht der beste seines Lebens gewesen zu sein, was er mit deutlichen Worten zu verstehen gab – jedoch ohne dabei seinen Humor zu verlieren. «Sonä beschissnigä Summer.» Er habe sich fast ausschliesslich von Büchsenfutter aus dem Lockdown ernährt und sei von stapelweise Toilettenpapier umgeben gewesen. «Ha nume no gfrässä, dasi ha chönne schiesse», um möglichst das WC-Papier wieder loszuwerden.

Auch habe er sich aus Angst vor den Freiheitstrychlern zuhause im Emmental verkrochen. Voller Ironie erklärte Anaconda zudem: «Zur Not cheu mir im Ämmitau immer no d’Melchmaschine zum Beatmigsgrät umboue – gäu Ueli! Ueli bou d’Melchmaschine um!»

Wer genau mit Ueli gemeint war, überliess Anaconda den Zuschauenden zu entscheiden. Wer die Vorgeschichte zwischen Freiheitstrychlern und Ueli Maurer jedoch kennt, könnte geneigt sein, den Bundesrat dahinter zu vermuten.

Walliselle, Chräiä und andere Sorgen

Im zweiten Teil des Konzertes sorgte der Troubadour mit dem bekannten Lied «Walliselle» für einen weiteren Höhepunkt des Abends und reiste mit dem Publikum quer durch die Schweiz mit Zwischenhalt in Olten. «Uuh … Olte, früecher hets öpis golte, Olte.»

Des Weiteren lamentierte der extravagante Künstler über Geranien auf dem Balkon, mit denen er sich so gar nicht anzufreunden vermag und sang davon, wie er nackt auf dem Dach die Trompete blase und über Sinn und Zweck der roten Blumen sinniere.

Und auch «Chräiä», die ihm – und nur ihm – aufs Auto scheissen, schienen den König des Schabernacks umzutreiben. Zum Thema Auto meinte er ausserdem mit offen zur Schau gestellter Schadenfreude: «Es git nüt Lächerlichers als en Lamborghini im Stau.»

Gegen Ende des Konzertes lieferte sich der Frontmann mit dem Berner Multiinstrumentalisten Bruno Dietrich ein «Scat-Duell». Die beiden Männer wechselten sich mit ihren lautmalerischen Silbenfolgen ab und heizten dem Publikum nochmals so richtig ein. Zum Schluss erhielt der Meister des Wortklamauks wenig überraschend und mehr als verdient eine Standing Ovation mit tosendem Applaus.

Begeisterung im Saal und auf der Bühne.

Begeisterung im Saal und auf der Bühne.

Patrick Lüthy

Im Anschluss an die Zugabe verabschiedete sich Anaconda mit den Worten, dass, wer noch ein Weihnachtsgeschenk brauche, sich im Foyer das neuste Album kaufen könne, das er gerne persönlich signiere. Passend zum letzten Oltner Konzert meinte er denn auch: «Heute unterschreiben wir alles!»

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