Olten

Oltner Chefbademeister: «Langeweile – was ist denn das?»

Das trübe Wetter steckt Chefbadmeister Thomas Müller mit seinem positiven Gemüt weg.bruno kissling

Das trübe Wetter steckt Chefbadmeister Thomas Müller mit seinem positiven Gemüt weg.bruno kissling

Olten: Chefbadmeister Thomas Müller lässt sich vom regenreichen und trüben Wetter nicht ins Bockshorn jagen und hofft auf einen heissen Rekordsommer, wie ihn die Schweiz vor zehn Jahren erlebte.

Man müsste sich Thomas Müller zum Vorbild nehmen. Ein Positivdenker sondergleichen: Während die ganze Schweiz übers Wetter jammert, lässt er sich nicht unterkriegen und bleibt guter Dinge. «Das ist doch nichts Aussergewöhnliches», sagt Oltens Chefbadmeister zur aktuellen Wetterlage und den eher trüben Prognosen. «Wir haben in jedem Jahr eine Schlechtwetterperiode.»

Die Eintrittszahlen zeigen das Ausmass des regenreichen Monats Mai dennoch an. Der beste Baditag war bislang der Saisonauftakt am 8. Mai – 991 Gäste strömten ins Freibad und bescherten dem Chefbadmeister und seinem Team einen wünschenswerten Einstand. Seither ist diese Zahl aber unerreicht geblieben. Im Vergleich dazu ist die Saison 2012 schlechter gestartet mit lediglich gut 500 Eintritten am Eröffnungstag. Dafür folgten vor einem Jahr im Mai aber immer wieder Tage, an denen die 1000er-Marke locker überschritten wurde.

Selten zufrieden

Von solchen Zahlenvergleichen lässt sich doch Oltens Chefbadmeister nicht ins Bockshorn jagen. Er setzt seine Hoffnungen nun ganz auf die Sommermonate Juni, Juli und August. Der Positivdenker wünscht sich gar einen Rekordsommer, wie die Schweiz ihn vor genau zehn Jahren erlebte. «2003 war der Frühling auch nicht so toll, danach folgte aber ein sehr heisser Sommer», ruft der aus Bayern stammende Müller die Hitzeperiode in Erinnerung.

Zum allgemein spürbaren Wetterblues meint Müller trocken: «Wir sind in diesen Breitengraden geboren, aufgewachsen und stecken diese Periode nun auch weg. Und sowieso, der Mensch ist selten zufrieden mit dem Wetter.» Für all jene, denen das regenreiche Wetter auf die Moral schlägt, hat Badmeister Müller einen Tipp bereit: Sauna oder Solarium. «Wenn ich die Zeit und Möglichkeit dazu habe, gönne ich mir das – und das tut gut.»

Im Büro statt am Beckenrand

Während des Gesprächs mit Thomas Müller zeigt das Thermometer 12 Grad an und es regnet ununterbrochen. Die Badi ist quasi leer. Kommt denn an solchen Tagen bei ihm und seinem Team Langeweile auf? «Langeweile – was ist denn das?», entgegnet der 54-Jährige prompt, jedoch mit einem Schmunzeln im Gesicht. Ernsthaft ergänzt er: «Solche Tage geben uns Raum, liegen gebliebene Arbeiten zu erledigen.» Wartungs- und Reinigungsarbeiten oder etwa Bürokram stehen an.

Auch die Tagwache beginnt für den diensthabenden Badmeister bei solchem Wetter nicht eben später. «Um 6.30 Uhr stehen schon mal 30 bis 40 Gäste vor der Tür. Das bedeutet für uns, dass wir unseren Dienst um 4.30 Uhr beginnen.» Damit die Badi pünktlich für seine Frühschwimmer bereit ist, muss der Badmeister in aller Herrgottsfrühe das Becken abdecken, den Reinigungsroboter aus dem Wasser nehmen und Kontrollgänge durch WC und Garderoben absolvieren.

Die Frühschwimmer kommen bei jedem Wetter, wie Müller sagt. «Das Wasser ist schliesslich angenehme 24 Grad warm. Zudem geniessen die sportlichen Schwimmer derzeit die Ruhe und den freien Platz im Becken.»

Es ist und bleibt sein Traumjob

Auf die Begegnungen mit den Schwimmern und anderen Gästen freut sich Thomas Müller jeden Tag – auch bei Regen. «Das ist gerade das Schöne an diesem Beruf, der Kontakt zu den Menschen.» In einem früheren Interview hat Müller seinen Job auch schon als Traumberuf bezeichnet – gilt das auch bei diesem Wetter? «Aber natürlich. Besser wäre nur, von Beruf Sohn zu sein», sagt der Badmeister gut gelaunt.

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