Am vergangenen Samstag war es wieder soweit: Wagemutige stürzten sich auf ihren Boliden – notabene ausgediente Bürostühle oder aber selbstgebaute Gefährte mit Zweierbesetzung, welche nur noch schemenhaft an Bürostühle erinnern –, die abfallende Mühlegasse hinunter. Seit der letzten Austragung waren zehn Jahre vergangen und so hatten sich die Enthusiasten in Geduld üben müssen, bis sich nun wieder die Gelegenheit bot Bürostuhl-reitend von Kirchgasse Richtung Schützi zu schlittern.

Gründer und Organisator Lee Aspinall (li.) mit den alten und neuen Siegern der Kamikaze-Kategorie (Renato Cassati und Bernd Weissenberger) und ihrem modifizierten Top-Boliden.

Gründer und Organisator Lee Aspinall (li.) mit den alten und neuen Siegern der Kamikaze-Kategorie (Renato Cassati und Bernd Weissenberger) und ihrem modifizierten Top-Boliden.

«Es war wieder einmal der Hammer», meint Organisator Lee Aspinall, der beim Event gleich auch als Kommentator und Einpeitscher an der Strecke mitwirkte, zwei Tage danach. Die Stimmung sei unglaublich gut gewesen. Er habe von vielen Seiten freudige Rückmeldungen erhalten, erzählt der personifizierte Mr.-Bürostuhlrennen, so auch vom frisch bestätigten Stadtpräsidenten: «Ich habe kurz mit Martin Wey gesprochen. Er hat den Anlass gelobt und als sehr gelungen bezeichnet», freut sich Aspinall.

Um die etwas geringe Beteiligung – statt der erhofften einhundert Teilnehmern gingen nur knapp fünfzig Verrückte an den Start –, zu kompensieren, hätten mehrere Hoffnungsläufe stattgefunden. So seien alle Teilnehmer in den Genuss von mehreren Versuchen auf dem Bürostuhl oder ihrem persönlichen Gefährt gekommen. Das goutierte auch das Publikum. Es hätten mehrere Tausend Schaulustige das Treiben verfolgt. Schätzungen von drei- bis viertausend Zuschauern seien ihm zu Ohren gekommen, berichtet Aspinall. 

Weltbühne Olten dank Bürostuhlrennen (TeleM1)

Die Bürostuhlrennen WM in Olten sorgte für internationales Aufsehen. Von Frankreich über Grossbritannien bis hin zu den USA wurde berichtet.

Weltweite Beachtung

Nicht nur Wey als höchsten Oltner dürfte es Freude bereiten, dass das Bürostuhlrennen weit über die Grenzen der Dreitannenstadt hinaus wahrgenommen wurde. Neben den Lokalmedien (auch auf diesem Portal fand die Berichterstattung über das Bürostuhlrennen grossen Anklang) berichtete das Schweizer Fernsehen SRF in einem Beitrag über «waghalsige Bürogummis». Damit nicht genug, denn selbst ITV News, der Nachrichtensender des TV-Imperiums aus Grossbritannien berichtete mit einem Kurzbeitrag über die «World Championship in office chair race». Der Beitrag wurde auch auf Facebook publiziert, wo Olten und das Bürostuhlrennen über 1 Million Aufrufe (!) generierte.

Sogar ITV News aus London berichtete in einem kurzen Beitrag über das Bürostuhl-Rennen in Olten und teilte diesen via Facebook.

«Aufwand enorm»

Diese öffentliche Beachtung dürfte Aspinall auch als eine Art Lohn sehen für den «enormen Aufwand», welchen er zusammen mit Gründer- und Organisationspartner Jann Bernhard für das Wiederaufleben des Bürostuhlrennens betrieben hat. Für die Durchführung seien weitere 30 freiwillige Helfer im Einsatz gestanden. Als sichtbarste Elemente seien der Bau einer neuen Startrampe sowie Schanzen auf der Strecke angefallen, im Hintergrund hätten viele Kontakte zu Behörden und Sponsoren neu gesponnen werden müssen, berichtet Aspinall. 

Auch eine Dekade nach der letzten Durchführung und siebzehn Jahre nach der Premiere passt Olten und Bürostuhlrennen also immer noch bestens zusammen. Trotz der durchs Band positiven Rückmeldungen will sich Aspinall noch nicht zu einer Wiederholung nach der Neuauflage bekennen. Zuerst gelte es, fertig aufzuräumen, das Erlebte setzen zu lassen und schliesslich ein Fazit zu ziehen. Er lässt aber durchblicken, dass er einer Austragung nicht abgeneigt ist. Die öffentliche Meinung scheint jedenfalls gemacht: Es soll nicht beim letzten Mal geblieben sein. Wer weiss, vielleicht bringt ja die Publicity aus Britannien neue verrückte Teilnehmer oder aber Geldgeber von der Insel.