Die Idee, sagen die beiden Brüder, sei im Teamwork entstanden, so quasi zum beginnenden Ruhestand des einen. Die Idee nämlich, einmal als Strassenmusikanten aufzutreten. Roland und Jörg Rudolf von Rohr, als Fasnatiker zwei leidenschaftliche Oltner Fasnächtler, sitzen selbst drei Tage nach ihrer Rückkehr aus Südfrankreich noch immer mit schier glänzenden Augen in den Stühlen und sagen: «Wir sind gesund und sehr, sehr zufrieden über das Erlebte zurückgekehrt.»

Mitte Juli weilten die beiden für eine Woche im Süden Frankreichs. Antibes und Juan les Pins waren die Orte, wo der Hotelier, seit Mai im Ruhestand, und der Drogist und Parlamentarier als Strassenmusikanten offiziell und behördlich toleriert, auftreten konnten. Täglich, ausser sonntags. «Wir wollten uns ja nicht widerrechtlich verhalten und mit unserer Musik stören», sagt Roland. In Nizza und Cannes gabs für das Duo dagegen ein behördliches «Njet». Zu viele Strassenmusiker sollen dort schon unterwegs sein.

Anderthalb Stunden täglich

Rund anderthalb Stunden haben die beiden Brüder jeweils musiziert in den Gassen. «Erst haben wirs mit alten internationalen Schlagern versucht, aber die kamen nicht wirklich gut an», sagt Gitarrist und Ruheständler Jörg. Und so hätten sie eben umgestellt; «auf Volksmelodien, wie man sie halt so kennt», ergänzt Bruder Roland an der Handorgel. «S’Ramseyers wei go grase…» etwa. Das hat geklappt. Selbst Jodellieder waren darunter, wozu die T-Shirts der beiden bestens passten. Das heurige eidgenössische Jodlerfest in Davos stand dem Outfit nämlich zu Gevatter.

Aber Jörg gesteht gerne ein, anfänglich auch Überwindung gebraucht zu haben. «Wenn du siehst, wie dich die Leute bei den Vorbereitungen beobachten und nur darauf warten, dass du loslegst, musst du schon innere Barrieren wegräumen», sagt er. Offenbar erfolgreich: «Das Publikum hat sich echt an unsern Melodien gefreut», urteilen beide unisono. Und weil die Sprache des Duos auch weitgehend eine Unbekannte war, wurden die Leute zusätzlich gwundrig und lauschten den Klängen. Und natürlich gabs unzählige Begegnungen mit Touristen, darunter – logischerweise – auch Schweizer. «Da galt es auch mal musikalische Wünsche zu erfüllen», lacht Jörg.

Natürlich waren die beiden nicht Strassenmusikanten im herkömmlichen Sinn. Nichts da vom Übernachten unter Brücken oder in zügigen Winkeln. Ein Zimmer in einem Zweisternehotel musste es schon sein. Für anderes seien sie doch schon zu alt, meinen beide. «Es ist eben schon was anderes, wenn du auf das erspielte Geld angewiesen bis oder du einfach aus Freude musizieren kannst, so wie das bei uns der Fall war», sagt Roland. Rund 15 Euro hat sich das Duo pro Stunde durchschnittlich erspielt. «Das würde für zwei Mal zwei Biere reichen», rechnet das Brüderpaar amüsiert vor. «Kinder haben ihre Eltern oft gedrängt, uns etwas in den Hut zu werfen», erinnert sich Roland.

Warum nicht noch einmal?

Beide schwelgen, sind begeistert von der Freundlichkeit, der Begeisterungsfähigkeit und der Beweglichkeit der Leute im Süden Frankreichs und können sich durchaus eine Zweitauflage ihres musikalischen Abenteuers vorstellen. «Alle reden von Aktivferien, wir machen sie», sagt Jörg. Roland nickt. «Vielleicht», scherzt Jörg, «eröffnen wir eine Akademie für Strassenmusikanten.» Beide lachen. Doch zuvor freuen sich doch alle erst mal auf die nächsten Auftritte der Fasnatiker an der Oltner Fasnacht.