Olten/Starrkirch-Wil
Kirchgemeindepräsident Theo Ehrsam tritt nach fast drei Jahrzehnten ab: Er hat manches Mal mit Gott gehadert

Nach 28 Jahren im Kirchgemeinderat der katholischen Kirche Olten/Starrkirch-Wil tritt Theo Ehrsam Ende August als Präsident ab. Im Gespräch sagt er, wie er heute zur Kirche steht.

Denise Donatsch
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Der abtretende Kirchgemeindepräsident Theo Ehrsam während seiner Rede in der Oltner St.-Marienkirche im vergangenen September, als die Kirchgemeinde das Umweltlabel Grüner Güggel erhalten hat.

Der abtretende Kirchgemeindepräsident Theo Ehrsam während seiner Rede in der Oltner St.-Marienkirche im vergangenen September, als die Kirchgemeinde das Umweltlabel Grüner Güggel erhalten hat.

Hans Küchlers «Ruhige Fahrt» – ein Bild, welches einen Luftballon mit sanft wehendem Schal zeigt – steht für Theo Ehrsam sinnbildlich für den Lebensabschnitt, in welchem er sich gerade befindet. Nach 28 Jahren im Kirchgemeinderat der Gemeinde Olten/Starrkirch-Wil, wovon er die letzten 20 Jahre als Präsident tätig war, ist für ihn die Zeit gekommen, das Amt weiterzugeben. Der Ballon steht für den 73-jährigen aber auch für kirchliche Werte, welche sich eher gemächlich und nicht im Tempo eines Jumbojets verändern.

Ehrsam, der in Liestal aufgewachsen ist und seit 1975 bis zu seiner Pensionierung 2012 an der Kantonsschule Olten gearbeitet hatte, kam bereits als Kind mit der Kirche in Berührung: Sein Vater war Organist und leitete den Kirchenchor. Die Bereitschaft, sich im Kirchgemeinderat zu engagieren, hatte Ehrsam im Jahr 1993 trotz der familiären Verbundenheit zur Kirche jedoch weniger aus religiösen Gefühlen als vielmehr aus einem sozialen Gedanken heraus.

«Ich durfte in meinem Leben gute Ausbildungen geniessen, welche von der Allgemeinheit getragen wurden. Mit meinem Engagement bei der katholischen Kirche wollte ich etwas davon zurückgeben.»

Mit Gott gehadert – auch aktuell wieder

Ehrsam selbst fühle sich, was den Glauben betrifft, teils wie ein Kleingläubiger. «Manchmal kommt mir Gott vor wie ein Krämer; einer der mich oft auf den Prüfstand stellt und mir Fehler übel nimmt.» Dies entspreche wohl eher einem alttestamentlichen Gott. «Mit einem grosszügigen Glauben, wie andere ihn leben können, hat dies nichts zu tun.» Gehadert habe er mit Gott darum schon so manches Mal. Auch in der aktuellen Zeit sei dies der Fall, da er innerhalb weniger Monate seine geliebte Frau sowie einen nahestehenden Freund verloren hat. Vom grossmütigen Gedanken «Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen» sei er im Moment aus diesem Grund meilenweit weg. Dennoch versuche er immer wieder dankbar zu sein für das, was gelungen ist, und über die eigene Nasenspitze hinauszusehen.

Eine wichtige Figur, die Ehrsam in den vergangenen Jahren immer wieder um Rat anging, war Bruder Klaus, welcher als Einsiedler in Flüeli-Ranft lebte. Gerne pilgerte er in den abgeschiedenen Ort und besuchte die idyllische Kapelle.

Theo Ehrsam in seinem Büro, welches er am 31. August definitiv seinem Nachfolger überlassen wird. Neben ihm das Bild des Pilgerortes Flüeli-Ranft, wo es ihn immer wieder hinzog

Theo Ehrsam in seinem Büro, welches er am 31. August definitiv seinem Nachfolger überlassen wird. Neben ihm das Bild des Pilgerortes Flüeli-Ranft, wo es ihn immer wieder hinzog

Denise Donatsch

Denkt der abtretende Kirchgemeindepräsident zurück an die vergangenen Jahre, dann erinnert er sich besonders gerne an die einmal jährlich stattfindenden Ausflüge mit dem Kirchgemeinderat, welche er stets als persönlich und anregend erfuhr. Auch die im Jahr 2020 in Betrieb genommene Erdsondenwärmepumpe ist für Ehrsam ein Highlight. Er ist stolz, dass die Kirchgemeinde das Label Grüner Güggel für ein ökologisches Kirchenmanagement erhielt. «Wir wussten, dass die Kirche St. Martin eine neue Heizung braucht, und mussten darüber abstimmen, welches Modell eingebaut werden soll.» Die Kirchgemeindeversammlung habe sich einstimmig für die nachhaltige Variante entschieden, obwohl es deutlich günstigere Varianten gegeben hätte. «Wir sagten uns einfach – wenn nicht jetzt, wann dann?»

Es gab auch immer wieder Differenzen

Einstimmig verlief es im Kirchgemeinderat allerdings nicht immer. Gerade in den vergangenen Jahren hat es teils grössere Meinungsverschiedenheiten gegeben, etwa beim Thema Fusion, wo sich Ehrsam nicht nur Freunde gemacht hat. «Meine Zurückhaltung bezüglich eines Zusammen­schlusses unserer Kirchgemeinde mit jener von Trimbach-Wisen und Ifenthal-Hauenstein wurde nicht von allen gutgeheissen.» An der Kirchgemeindeversammlung habe es Stimmen gegeben, die in diesem Bereich gerne schneller vorwärts gegangen wären, während er das Tempo gedrosselt habe. Differenzen habe es aber schon in seiner allerersten Amtsperiode gegeben, dort ging es um den «Aaregraben».

«Die Katholiken der rechten Aareseite und jene der linken haben sich nicht besonders gut vertragen, gerade so, als kämen sie von unterschiedlichen Sternen.»

Für die Zukunft des Kirchengemeinderats, dessen Präsidium ab 1. September der 66-jährige Thomas Laube übernimmt, wünscht sich Ehrsam eine höhere Frauenquote sowie eine Verjüngung. Auch liege es ihm sehr am Herzen, dass dem «anhaltenden Exodus» aus der Kirche entgegengewirkt werde. Er selbst wird sich, im gemütlichen Tempo von Küchlers Ballon, zurück an die Uni Basel – seine Alma Mater – begeben und sich seinem grossen heimischen Büchergestell zuwenden. Theo Ehrsam möchte sich zum Schluss beim Kirchgemeinderat bedanken und auch bei allen anderen, die mit ihm während der letzten fünf Amtsperioden lösungsorientiert zusammengearbeitet haben.

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