Messflüge NAZ
Oltens Radioaktivität liegt im grünen Bereich

Am Montag mass der Super Puma mit einem Aeroradiometrie-Messgerät die Radioaktivitätsbelastung rund um das Kernkraftwerk Gösgen. Laut den Experten bewegen sich die Werte für die Region Olten im normalen Rahmen.

Deborah Onnis
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Der Super Puma der Schweizer Armee ist startklar.
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Unter einer kleiner Öffnung an Bord des Helikopters befindet sich die "Red Box" mit dem Natrium-Jodid-Kristall.
Von aussen ist nur ein schwarzer Deckel zu sehen – das hochsensible Messgerät bleibt im Bauch des Helikopters.
Super Puma misst Radioaktivität
Ein weiteres mobiles Messgerät ist in diesem Auto integriert. Hilfreich ist es beispielsweise bei Bodenanalysen.
Auch hier kann ein Spezialist die Daten mithilfe eines Computers gleich auswerten.
Im Labor Spiez werden die Messdaten detaillierter analysiert.
Cristina Danzi, Leiterin Messteam Aeroradiometrie NAZ und Gerald Scharding, stv. Chef NAZ und Leiter Aeroradiometrie erklären den Ablauf der Messflüge.
Der Super Puma im Flug über Olten

Der Super Puma der Schweizer Armee ist startklar.

Bruno Kissling

Jedes Jahr führt die Nationale Alarmzentrale (NAZ) des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BABS) eine Radioaktivitäts-Messwoche durch, um für den Ernstfall zu trainieren. Mit einem Messhelikopter der Schweizer Luftwaffe wurde diese Woche neben Aarau, Biel und Thun auch die Stadt Olten abgescannt. Mithilfe eines im Super Puma eingebauten Aeroradiometrie-Messgeräts konnte eine Strahlungskarte erstellt werden, welche die Normalbelastung darstellt. Die gesammelten Daten sollen in einem eventuellen Ernstfall als Vergleichswerte fungieren.

Auf 90 Meter Höhe fliegt der Helikopter mit 100 km/h in parallelen Bahnen von 250 Metern über das auszumessende Gebiet und spürt mit dem einem Natrium-Jodid-Kristall die Radioaktivität auf. Beim Auftreffen mit Radioaktivitätsstrahlung erzeugt sie durch den Kristall ein Licht, das von einem Fotosensor in Strahlenwerte umgewandelt wird. Ein Computer an Bord des Helikopters stellt die Daten noch während des Flugs gleich in einer Messkarte dar. «Mit dieser Methode können wir sehr schnell erste Aussagen machen», so Gerald Scharding, Stellvertretender Chef NAZ und Leiter Aeroradiometrie.

Im Ernstfall ist der Zeitfaktor entscheidend. So gilt es, die Bevölkerung so schnell wie möglich aufzuklären und Massnahmen anzuordnen. «Die Sicherheit der Bevölkerung steht an erster Stelle», betont Christian Fuchs, Chef Information NAZ.

Zwischen 80 und 500 nSv/h normal

Jährlich 200 bis 300 Verdachtsfälle werden dem Pikettdienst 24/365 der NAZ gemeldet. Ist ein erhöhtes Vorkommen von Radioaktivität im Spiel, wird unterschieden, ob sie natürlichen oder künstlichen Ursprungs ist. Der natürliche Radioaktivitätswert in der Schweiz schwankt laut der NAZ beträchtlich. Besonders hohe Werte von Uran (500 Nanosievert pro Stunde) wurden beispielsweise am Piz Giuv in Graubünden registriert. Auch ist noch künstliche Radioaktivität von Kernwaffentests und der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in der Schweiz, vor allem im Tessin, messbar (Cäsium, etwa 223 nSv/h).

Unerwartet hohe Werte seien hierzulande aber noch nie verzeichnet worden. Der Normalwert beläuft sich in der Schweiz zwischen 80 und 500 nSv/h. Im Mittelland sind es durchschnittlich zirka 100 nSv/h jährlich. Dadurch nimmt jeder Einwohner jährlich zirka 0,9 Millisievert auf. Dazu kommt die individuelle Strahlenansammlung, zum Beispiel durch Röntgen oder Fliegen. Erst 200 Millisievert jährlich führen zu einem zusätzlichen Krebsrisiko von einem Prozent.

Werte im normalen Rahmen

In der Region Olten wurden diese Woche speziell Gebiete um das Kernkraftwerk Gösgen in Däniken aeroradiometrisch gemessen. Die dabei entstandene Karte (siehe Grafik) zeigt normale Werte unter 150 nSv/h an.

Messergebnisse für die Region Olten Datenauswertung des Messflugs vom Montag (Ortsdosisleistung in nSv/h): alles im normalen Rahmen.

Messergebnisse für die Region Olten Datenauswertung des Messflugs vom Montag (Ortsdosisleistung in nSv/h): alles im normalen Rahmen.

NAZ

Die verzeichneten Variationen gründen laut dem Bericht der NAZ auf «Einflüsse der Geologie und Topografie, der Wasserläufe sowie auf die Vegetation.» Auffallend ist der niedrigere Wert direkt über der Aare. Grund dafür ist «die Abschirmung der terrestrischen Strahlung durch das Wasser». Laut dem Bericht blieben die aktuellen Werte im Vergleich zu allen früheren Messungen, die alle zwei Jahre um das Kernkraftwerk Gösgen durchgeführt werden, unverändert.

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