Olten/Niederamt
Das kleine Paradies um die Ecke: Acht Personen erzählen, wo sie sich in der Freizeit gerne erholen

Corona hat gezeigt, dass wir auch die eigene Umgebung wieder schätzen lernen müssen. Diese Zeitung hat zum Ferienstart acht Menschen aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur gefragt, wo sie sich in der Region Olten-Niederamt erholen. Sie liefern so Inspiration für all jene, die in den nächsten Wochen nicht wegfahren.

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Nadine Vögeli: «Mir begegnen ständig neue Wege»

Nadine Vögeli mit ihrer Hündin India unterwegs in der Teufelsschlucht.

Nadine Vögeli mit ihrer Hündin India unterwegs in der Teufelsschlucht.

Bruno Kissling

SP-Kantonsrätin Nadine Vögeli ist gerne in der Region rund um Hägendorf unterwegs. Sie geniesst ihre Zeit in der Natur insbesondere in der Teufelsschlucht oder auf dem Jurasüdfuss. Die Region sei einfach zu überschauen, alle paar Meter befindet man sich in einer neuen Szenerie. «Etwas weiter im Norden gibt es fast alpine Strukturen, weiter unten sieht die Landschaft dann wieder ganz anders aus», beschreibt die neue Co-Kantonalpräsidentin die Vielfalt in der Region.

Auf ihren Spaziergängen geht sie gerne von den breiten Wegen ab, um die Route auf den schmalen Kretenwegen fortzuführen. Dies wurde ihr kürzlich beinahe zum Verhängnis. Auf dem Abstieg von der Gwidemflue musste sie all ihren Mut zusammennehmen, da der Hang sehr steil war. «Meine Hündin hingegen meisterte das wunderbar und rannte den ganzen Hang in einem Stück hinunter», sagt sie lachend. Drei Tage litt sie nach der abenteuerlichen Bergsteigaktion an Muskelkater, weil sie sich derart verkrampft hatte.

Speziell findet sie, dass es bei fast jedem Spaziergang etwas Neues zu entdecken gibt. Seit rund 40 Jahren lebt sie in Hägendorf, trotzdem sagt Vögeli: «Mir begegnen ständig neue Wege.» Ihre Hündin India führt sie jeden Tag zum Spaziergang aus. Das Tier bedeutet ihr viel. «Sie ist eine bulgarische Strassenmischung, die wir vor fast zwei Jahren von einer Tierhilfsorganisation erworben haben», sagt Vögeli. Es war schon immer ihr Traum, sich um einen eigenen Hund zu kümmern. Diesen Traum kann sie sich seit ihrer Selbstständigkeit erfüllen. (ckp)

Fabienne Hoerni: «Es zeigt sich immer anders»

Fabienne Hoerni am abwechslungsreichen Waldweiher in Starrkirch-Wil.

Fabienne Hoerni am abwechslungsreichen Waldweiher in Starrkirch-Wil.

Zvg

«Zu meinen Lieblingsplätzen im Naherholungsgebiet gehört der Waldweiher im Dorf», sagt Fabienne Hoerni, Musikerin aus Starrkirch-Wil. Vielleicht so zwei, drei Mal die Woche passiert sie diese Stelle auf ihren Waldspaziergängen oder aber wenn sie den Vitaparcours aufsucht. «Meistens bin ich allein unterwegs, manchmal begleitet mich dabei mein Partner», erklärt sie.

Was sie am meisten fasziniert an diesem kleinen Naturparadies: «Es zeigt sich immer anders», erklärt die Musikerin. Manchmal lasse sich dort ein Entenpaar nieder, gelegentlich sogar deren zwei. Oder es würden Vögel um die Wette zwitschern. «Ein anderes Mal wirkt die Umgebung mucksmäuschenstill. Auch die Jahreszeiten widerspiegeln sich in der Atmosphäre dort oben. Im Spätherbst finden sich manchmal bunte Blätter auf der Weiheroberfläche», hat Fabienne Hoerni beobachtet. Oder sie präsentiere sich während der frühen Vegetationszeit voller Blütenstaub. Und natürlich liessen sich auch im Wasser lebende Tier beobachten. Eine Viertelstunde verweilt sie jeweils schon dort, sinniert den Tieren nach, die beim letzten Mal noch anzutreffen waren. «Das ist eben so meine Art. Und ich lasse diese friedliche Stimmung auf mich wirken.» Der Weiher ist aber nicht das Endziel ihres Waldspazierganges, sondern eher liebliche Zwischenstation. «Im Gegensatz zum Waldweiher empfinde ich ähnliche Gewässer nicht selten als bedrohlich.» Der Waldweiher dagegen habe etwas Liebevolles. Aber eintauchen im dortigen Wasser «möchte ich dann doch lieber nicht», sagt Fabienne Hoerni lachend. (hub)

Peter Hodel: «Ich bin nicht so der Liegestuhl-Typ»

Peter Hodel vor seinen Strauchrosen im eigenen Garten, einem Teil der hauseigenen Erholungsoase.

Peter Hodel vor seinen Strauchrosen im eigenen Garten, einem Teil der hauseigenen Erholungsoase.

Patrick Lüthy

Der neue FDP-Regierungsrat geniesst seine Zeit in der Natur an verschiedenen Orten, sei es beim Spazieren an der Aare oder dem Wandern in Geselligkeit im Solothurner Jura. In diesem Sommer reist er gemeinsam mit seiner Familie an den Brienzersee. Doch nebst all den Tätigkeiten, die man bei warmem Wetter unternehmen kann, ist ihm das eigene Heim am liebsten. «Zuhause verfügen wir über eine Erholungsoase», so Hodel. Im Garten und auf dem Feld seines Neuburenhofs in Schönenwerd fühlt er sich wohl. Eine solche Oase direkt vor der Tür zu haben, sei etwas sehr Besonderes. «Um die Natur geniessen zu können, kann ich den Fuss einfach ein, zwei Meter vor die Tür setzen», sagt Hodel lachend. Es ist gerade die Vielfältigkeit, die ihn immer wieder in den Bann zieht. Gar nichts unternehmen kann der scheidende Gemeindepräsident in seiner Oase aber nicht. Dazu sagt er: «Ich bin nicht so der Liegestuhl-Typ.» Stattdessen liebt es Hodel, den grossen Garten in Gemeinsamkeit zu geniessen. Ein Nachtessen mit der Familie oder Freunden bei warmen Temperaturen und schönem, abendlichem Ausblick auf das Feld ist Hodels «Sommer-Highlight». Solche Abende liebe er. Auch ein Feierabend-Bier mit seiner Frau oder andere Momente der Zweisamkeit geniesst Hodel gerne im Garten. Hodels Zuhause dient ihm aber nicht nur zur Erholung. Auch um morgendliche Energie zu tanken, geht er gerne in den Garten. «Es ist etwas vom Schönsten, am frühen Morgen bei bestem Wetter die Alpenkette anzusehen», beschreibt er seinen Aufsteller für den Tag. (ckp)

Kilian Ziegler: «Habe Zeit, auf Ideen zu kommen»

Kilian Ziegler unterwegs im Bannwald.

Kilian Ziegler unterwegs im Bannwald.

Zvg

Ruhige Momente verbringt Slam-Poet Kilian Ziegler am liebsten draussen in der Natur. Der Lieblingsort des 36-Jährigen beginnt gleich vor der Türe seines Ateliers in Olten und führt bis hin zum Bannwald. Raus aus der belebten Stadt, rein in die Natur – sein Rezept für einen freien Kopf. Als Sportskanone würde er sich nicht betiteln, deshalb sei ein Spaziergang perfekt. Zudem könne er die Aktivität mit einem Abstecher nach Trimbach zu seinen Eltern verbinden. Den stündigen Spaziergang vom Bahnhof Hammer in Richtung Elefantenplatz macht er meist allein. «So habe ich Zeit, auf Ideen zu kommen», sagt er. Zwischendurch setze er sich auf ein Bänklein und geniesse die Aussicht.

In der heutigen Zeit müsse man immer erreichbar sein, da sei es schön, für eine Stunde aus der Hektik auszubrechen. Die Ruhe, gemischt mit farbenfrohen Blättern im Herbst oder dem Duft blühender Blumen, kurbelt die Kreativität an. «Es ist traumhaft», sagt Ziegler und ergänzt: «An jeder Ecke wartet eine potenzielle Überraschung. Das ist das Schöne daran, wenn man sich erwartungslos auf den Weg macht.»

Überrascht war der Trimbacher vor drei Monaten, als er auf seinem Spaziergang in die dunklen Augen eines Rehs blickte. «Es war mir erstaunlich nah. Das waren nicht mehr als fünf Meter», erinnert er sich. Die beiden seien sich gegenübergestanden und hätten nicht gewusst, wer zuerst fliehen sollte. «Ich weiss nicht, wer mehr Angst hatte», sagt er und lacht. Doch die Begegnung sei wunderschön gewesen. Ziegler ist fasziniert: «Vor der Haustüre beginnt eine komplett neue Welt.» (wue)

Reto Baumgartner: «Extrem schön»

Unterwegs beim Winznauer Wehr: Urs Nussbaum und Reto Baumgartner (rechts).

Unterwegs beim Winznauer Wehr: Urs Nussbaum und Reto Baumgartner (rechts).

Bruno Kissling

Wenn andere gemütlich zu Mittag essen, zieht Reto Baumgartner häufig seine Joggingrunden. Der Mann aus Kappel – Mitgründer der Oltner E-Commerce-Agentur My Sign – steuert jeweils von seinem Büro hinter dem Oltner Bahnhof Richtung Aare und läuft am Fluss entlang bis Obergösgen. «Die renaturierte Aare ist extrem schön.» Nun sehe man langsam, wie die Natur sich ihr Territorium zurückerobern würde: Sträucher würden dichter, und wahrscheinlich werde es dereinst fast wieder wie in einem Wald aussehen, schwärmt er. Zudem gebe es der Aare entlang sehr schöne Grillstellen.

In Obergösgen wird kehrt gemacht, und dann gehts die andere Aareseite entlang wieder zurück nach Olten. Das sind rund 10 Kilometer, die Baumgartner über Mittag in rund einer Stunde zurücklegt. Häufig ist er mit Urs Nussbaum unterwegs, der in der Geschäftsleitung der R. Nussbaum AG sitzt.

Seit ein paar Jahren ist es zudem der Höhepunkt des Jahres, an einem Marathonlauf teilzunehmen. Zusammen mit Gleichgesinnten absolvierte Baumgartner die 42,195 Kilometer schon in Paris, London oder New York. Letztes Jahr wurde das Rennen in Athen wegen Corona abgesagt. Heuer soll der Lauf nachgeholt werden. Rund vier Stunden hat Baumgartner jeweils für einen Marathon, was ziemlich genau der Strecke von Olten nach Solothurn der Aare entlang entspricht. Spitzensportler schaffen es in rund der Hälfte der Zeit. Neben der konditionellen Fitness sei ein Marathon auch Kopfsache. «Irgendwann beginnt es dich irgendwo zu zwicken.» (fmu)

Andreas Hagmann: «Sonst nirgends diese Sicht»

Andreas Hagmann auf einem Boot beim Pontonierhaus gleich neben der Badi.

Andreas Hagmann auf einem Boot beim Pontonierhaus gleich neben der Badi.

Bruno Kissling

An oder sogar auf der Aare hält sich Andreas Hagmann am liebsten auf. Der Oltner, der beruflich beim Sportsender «MySports» vor allem als Kommentator im Einsatz ist, bezeichnet den Fluss als sein Naherholungsgebiet. Hagmann ist bei den Pontonieren Olten als Präsident ad interim und als Verantwortlicher für den Nachwuchs tätig. Im Sommer ist er zweimal pro Woche mit dem Boot unterwegs. «Man hat auf dem Fluss eine Sicht auf Olten, die es sonst nirgends gibt.» Auch im Winter macht er auf der Aare seine Runden. Wenn der Fluss weniger Wasser führt, landet er dann manchmal auf dem Steininseli beim Chessiloch, das man nur mit dem Boot erreichen kann. Auch von dort schwärmt er wieder von der Sicht, die man sonst von nirgends her auf die Stadt hat.

Doch nicht nur auf, sondern auch an der Aare ist Hagmann regelmässig anzutreffen. Er, der in der Oltner Innenstadt wohnt, joggt häufig dem Fluss entlang oder ist beim «Aarebistro», seinem bevorzugten Platz mit dem Blick auf die Oltner Altstadt, anzutreffen. Doch auch die Sandstrände bei Boningen haben es ihm angetan. Dort glaube man, man sei ganz woanders, sagt er. (fmu)

Walter Wobmann: «Meine Gedanken neu ordnen»

Nationalrat Walter Wobmann spaziert gerne der Aare entlang.

Nationalrat Walter Wobmann spaziert gerne der Aare entlang.

Bruno Kissling

SVP-Nationalrat Walter Wobmann ist Mitglied der nationalrätlichen Kommissionen für Verkehr und Fernmeldewesen sowie für Umwelt, Raumplanung und Energie. Nach den liebsten Auf- enthaltsorten gefragt, sagt er: «In der Ausübung meiner Ämter und zahlreicher Engagements für Verbände und Interessensgruppen reise ich viel durchs Land.»

Wobmann, aufgewachsen auf einem Bauernhof im Entlebuch LU, lebt seit rund 35 Jahren im Niederamt. Der gelernte Automechaniker blieb hier hängen, als er in seinen Jugendjahren für ein Unternehmen verschiedene Standorte in der Schweiz realisierte. «Schliesslich baute ich mit meiner Frau in Gretzenbach unser Haus.» Zurück ins Niederamt komme er immer gerne: «Hier habe ich mittlerweile meine Wurzeln, dafür bin ich dankbar.»

Wenn er, etwa nach einem nationalen Abstimmungskampf, wieder Energie tanken müsse, gelinge ihm das auf Spaziergängen entlang der Aare oder im Ballypark besonders gut. Der 63-Jährige ist Präsident vom Verband Schweizer Postautounternehmer und von der Föderation der Motorradfahrer Schweiz. Doch neben motorisierten Ausfahrten schätze er das Gehen zu Fuss besonders: «Da kann ich meine Gedanken neu ordnen», meint er, «und kommende Aufgaben im Kopf vorbereiten».

Das Niederamt mag er der zentralen Lage wegen. «Und auch die ausgeprägte Struktur von kleineren und mittleren Unternehmen, für die ich mich politisch einsetze, behagt mir.» Zeit mit seinen Freunden und der Familie zu verbringen, sei für ihn das Wichtigste. (nob)

Esthy Wyss Hammele: «Herrlich, diese Ruhe»

Esthy Wyss Hammele geniesst den Aufenthalt am Oberen Graben in Olten.

Esthy Wyss Hammele geniesst den Aufenthalt am Oberen Graben in Olten.

Bruno Kissling

«Ach, ich habe eigentlich recht viele Lieblingsplätze. Und der hier am Oberen Graben, unweit des Café Grogg, gehört bedingungslos dazu.» Esthy Wyss Hammele tönt überzeugt. Es sei eine der sehr ruhig gelegenen Ecken – und erst noch so quasi inmitten der Stadt. Verkehrs- und anderer Lärm: Fehlanzeige. «Herrlich, diese Ruhe». schiebt die Oltnerin hinterher. Sie sei fast täglich hier, so gegen neun Uhr morgens. «Dann setze ich mich hin und trinke einen Kaffee; oder besser gesagt deren zwei.» Dabei beobachtet die Geschäftsführerin eines Altstadt-Ladens, wie die Nachbarn aus ihren Häusern kommen und zur Arbeit gehen oder eben sonst ihren Werktag in Angriff nehmen.

«Am liebsten setze ich mich möglichst nahe beim Brunnen hin. Mein Blick geht dann immer Richtung Süden, weil ich mich sehr an den mit Pflanzen schön geschmückten Hauseingängen freue», sagt Esthy Wyss. Und: «Es sind eigentlich fast magisch-beschauliche Momente.» Natürlich sind auch die Begegnungen hier am Oberen Graben nicht zu vergessen, die sich durch ihre regelmässigen Besuche ergeben haben. «Man lernt dabei Menschen kennen, mit denen man vorher gar nichts zu tun hatte.»

Das Plätzchen ist in ihrer Erinnerung verankert, weil ihr Weg vor über 40 Jahren hier langführte, wenn sie zum Zahnarzt musste. «Vor dem habe ich mich höllisch gefürchtet. Den Ort aber mag ich trotzdem sehr», sagt sie. Zudem hat sie in der Rätschwyber-Zunft an der Fasnacht hier auch häufig gesungen. So ist der Platz am Oberen Graben für die Geschäftsführerin so was wie eine kleine Oase für die Seele geworden. (hub)