Olten
OltenAir beschert der Dreitannenstadt ein Openair – Da war doch schon mal was ...

Am Freitag und Samstag findet das erste OltenAir statt. Es ist nicht das erste Musikfestival in Olten, denn Ähnliches gab es schon in den 80er-Jahren. Wir blicken zurück.

Isabel Hempen
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«Oupi-Oute 81» – Archiv-Bilder von Musikfestival in Olten anno 1981
10 Bilder
Gebannt lauschen die «Freaks» den Klängen der Musik (1981)
Blick auf die Bühne und das Festivalgelände des «Oupi-Oute» anno 1984.
1985 versammeln sich die Musikfreunde ein weiteres Mal im alten Steinbruch.
Wetterpech an den «Oupis»: Hier am Open Air 1984.
Regen macht erfinderisch: 1984 trotzen drei Unerschütterliche dem miesen Wetter mit einem Plastiksack über dem Haupt.
Bassist Roli Duss von der Luzerner Rockgruppe New Age in Action.
Die Formation «Honkeys Kongs Multi Scream» mit Dieter Amann (links) und Roland Philippe (1984).

«Oupi-Oute 81» – Archiv-Bilder von Musikfestival in Olten anno 1981

Archiv OT/Hr. Aeschbacher

Wenn heute Abend in der Schützi das erste OltenAir steigt, dann dürfte das bei der einen oder dem anderen Erinnerungen wachrufen. Das OltenAir ist zwar das erste Oltner Musikfestival seit langem. Beileibe aber nicht das erste.

«Mini-Woodstock» titelte diese Zeitung am 26. Mai 1981. Am Wochenende vom 23. und 24. Mai jenes Jahres hatte das erste «Oupi Oute» im Steinbruch im Säliwald stattgefunden. Organisiert worden war es von der «Färbi»-Jugend. «Rundherum fanden Open Airs statt», wie sich der damalige «Färbi»-Leiter René Steiner erinnert. «So entstand die Idee, auch in Olten ein Open Air zu organisieren.» An einem Ort, wo sich idealerweise niemand gestört fühlen würde: im Säliwald, auf dem Elefantenplatz im Steinbruch.

«Mini-Woodstock» in Olten: So berichtete das OT am 26. Mai 1981

«Mini-Woodstock» in Olten: So berichtete das OT am 26. Mai 1981

Archiv OT

«Wir hatten die ganze Woche zuvor Bühne und Infrastruktur aufgestellt», erinnert sich Steiner. Die Küchengruppe des Jugendkulturhauses «Färbi» bot am Festival an einfachen Ständen Verpflegung an, an Feuerchen wurden Würste gebrätelt. Zwischen den Auftritten der Musiker war die Discogruppe der «Färbi» für den Sound besorgt. Die Bands, die auftraten, stammten aus der Region. An dieser ersten «Oupi»-Ausgabe mit dabei: Die Band Irrwisch aus Kestenholz.

Festival zügelte wegen Wetter

«Insbesondere am Samstag herrschte im Steinbruch herrliche Festivalstimmung. Waren es zu Beginn des Anlasses rund 500 Besucher, welche die gebotene Jazzmusik genossen, so erschienen bis gegen Abend zum Jazz-Rock rund 2500 Zuschauer, die sich am ‹Mini-Woodstock› sichtlich wohl fühlten», wie diese Zeitung am 26. Mai 1981 berichtete.

Die Besucher sassen im Gras oder auf dem Felsen rund um den Platz, vorne bei der Bühne wurde getanzt. Ein Düftchen von Gras lag hie und da in der Luft. Die Stimmung sei sehr friedlich gewesen, erinnert sich der Musiker Heinz Schoenenberger heute. Viele seien mit dem Töffli gekommen. Jeder habe fast jeden gekannt. «Obercool» sei es gewesen, findet er.
Nur eines machte 1981 und an den Open Airs in den kommenden Jahren nie mit: das Wetter.

«Viele Konzertbesucher hatten geplant, die Nacht im Freien zu verbringen und sorgten dementsprechend schon am Nachmittag vor, indem sie sich entsprechende Schlafstätten präparierten. Doch das Wetter, das in den ersten Stunden so gut mitgespielt hatte, erwies sich in den nächtlichen Stunden als Spielverderber. Um etwa 2 Uhr früh begann es wie aus Kübeln zu giessen, und der Waldboden verwandelte sich in Morast. Grund genug für viele, doch noch nach Hause ins warme Bett zu flüchten», war im OT zu lesen. Bis am Sonntag hörte es nicht auf zu regnen, sodass das Festival kurzerhand in die Eishalle zügelte.

Das Logo des «Oupi-Oute 81» als Jeans-Aufnäher

Das Logo des «Oupi-Oute 81» als Jeans-Aufnäher

Oltner Tagblatt

Auch «Färbi»-Kind Oliviero Gorza, der in den Open Airs zwischen 1984 bis 1988 im Open-Air-OK mitwirkte, erinnert sich: «Die Stimmung war immer gut. Und es war immer kalt.» Alles wurde von Freiwilligen der «Färbi» organisiert. Der Strom sei jeweils vom Bauern in der Nähe geliefert worden. «Wenn er genug hatte, zog er um 23 Uhr den Stecker», erinnert er sich lachend. Musik sei erlaubt gewesen bis 24 Uhr, man habe aber mit schlechtem Gewissen bis 1 Uhr gespielt.

Das erste «Oupi Oute» war ein voller Erfolg. Obschon Claudia (18) damals gegenüber dem OT meinte: «Im Allgemeinen fand ich das Open Air recht ‹zwäg›, wenn auch die Leute nicht so ausgeflippt sind, wie ich mir dies vorgestellt hatte. Vielleicht war die Musik zum Ausflippen nicht gerade ideal. Für nächstes Mal sollte man etwas mehr Rockgruppen engagieren.»

Olten erlebte sechs «Oupis»

Das nächste Open Air fand im Juni 1984 statt. Zu diesem Zweck wurde von Färbi-Leuten ein Verein gegründet. Bis 1988 gab es durchgängig jeden Sommer ein Openair. Jeweils im Steinbruch, wobei aber das Wetter immer so schlecht war, dass man etwa in den Denner-Saal im Hammer oder zur letzten Ausgabe 1988 in die Schützi umzog. Am «Oupi» in der Schützi trat auch Züri West auf und Franz Hohler las exklusiv aus seiner «Rückeroberung» vor. Es war sein einziger öffentlicher Auftritt in jenem Jahr. Auch eine Kunstaktion war Teil des Festivals. Wegen finanziellen Problemen war es das letzte Openair. Das ändert sich heute mit dem OltenAir.

OltenAir am Freitag und Samstag in der Schützi

Heute ab 17:30 Uhr und morgen Samstag ab 18:00 findet vor und in der Schützi das erste OltenAir statt. Türöffnung ist jeweils um 16:30 Uhr. Das Tagesticket kostet 30, das Zweitagesticket 50 Franken. Organisiert wird es vom Trägerverein Openair Olten. Im Verein und im OK dabei ist auch Coq d’Or-Betreiber Daniel Kissling.

Daniel Kissling, sieht sich das OltenAir als Nachfolger der «Oupis» in den 80ern?
Die Färbi und das Provi 8 haben uns gelehrt, was es heisst, etwas auf die Beine zu stellen und die Freizeit selbst zu gestalten. Ich ging selbst noch in die Färbi. Man muss nicht immer weggehen, um was zu erleben. Von daher, ja.

Wieso braucht Olten ein Open Air?
Olten bietet kulturell sehr viel. Aber unserer Meinung nach fehlte ein Anlass, wo Musik im Zentrum steht. Sonst läuft sie meist noch nebenbei.

Was werden die Highlights am OltenAir sein?
Ich freue mich auf das Programm heute, da gibt es eine schöne Mischung. Jeans For Jesus sind eine der momentan spannendesten Popbands der Schweiz. Mit My Sleeping Karma spielt eine der grössten Stoner-Rock-Bands Europas. Am Samstag wird Manillio viele Leute anziehen. Ich bin sehr happy mit dem Programm. Da das Festival thematisch gestaltet ist, werden wohl auch Leute von ausserhalb den Weg herfinden. Heute gibts sphärischen Synthie- und Gitarrensound, am Samstag läuft Hip-Hop.

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