Nach dem gestrigen zweiten Wahlgang bei den Oltner Stadtratswahlen lässt sich festhalten, dass die Wähler sich bei der Oltner Regierung für Kontinuität entschieden haben: Zum einen sind die vier bisherigen Stadträte trotz der grossen Konkurrenz von zu Beginn zehn Kandidaten alle wiedergewählt worden: Nur die Grüne Iris Schelbert musste in die zweite Runde und um ihre Wiederwahl zittern. Zum anderen zeigt die Wahl von SP-Frau Marion Rauber, dass auch die rot-grüne Mehrheit für die kommenden vier Jahre erwünscht ist und die Bürgerlichen auch in der nächsten Legislatur in der Minderheit sind. Die Oltner sind also mit der bisherigen Regierung gar nicht so unzufrieden – entgegen den Äusserungen, die in den sozialen Medien oder an den Stammtischen immer wieder zu vernehmen sind. Die Auswahl an Kandidaten war genügend gross, um im Stadtrat für frischen Wind zu sorgen. Das wollten die Wähler nicht.

Für frischen Wind gesorgt haben sie allerdings im nur noch 40-köpfigen Gemeindeparlament. Die neue Bewegung Olten jetzt! hat die politische Landschaft in der Stadt gehörig aufgewirbelt. Alle bisherigen Parteien mit Ausnahme der Jungen SP haben Sitze verloren. Im Fahrtwind der neuen Gruppierung, deren Liste vorwiegend aus unter 35-Jährigen bestand und wohl dem eher linken Spektrum zuzuordnen ist, haben neben der Jungen SP auch bei den arrivierten Parteien wie FDP oder CVP neue junge Gesichter die Wahl ins Parlament geschafft. Für die kommende Legislatur ist die 40-köpfige Volksvertretung damit klar verjüngt worden.

Aber auch die politische Ausrichtung ändert sich: War das alte Parlament mit 20 linken und 30 bürgerlichen Sitzen klar mitte-rechts und ein Gegengewicht zum linken Stadtrat, so halten sich die beiden Blöcke im neuen Gemeinderat mit je 20 Mandaten genau die Waage. In dieser Patt-Situation könnten sich neue Mehrheiten abzeichnen etwa für Geschäfte wie die bislang chancenlose Stadtteilverbindung Hammer ins Quartier Olten SüdWest oder eine erneute Steuererhöhung.