Kolumne
Olten, welche Perspektiven hast du?

Cinzia Schmuziger
Cinzia Schmuziger
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Drohnenfoto von der Stadt Olten (Archivbild)

Drohnenfoto von der Stadt Olten (Archivbild)

Bruno Kissling

Olten, wenn du das Jahr 2020 nicht «nur» als «Coronajahr» abschreiben und ganz hinten in der Ecke deiner Erinnerungen verstauben lassen möchtest, sondern du dieses besondere Jahr auch noch einmal bewusst aus der Perspektive «Was kann ich für mich daraus mitnehmen» betrachtest: Welche Perspektiven ziehst du aus 2020 für dich?

Lass dich von meinen Gedanken auch für deine bewusste Rückschau auf dieses Jahr inspirieren. Für mich war das 2020 sowohl privat als auch beruflich ein herausforderndes Jahr. In vielerlei Hinsicht hat es mich weitergebracht und natürlich auch herausgefordert. Wie dich, mein Olten, sicherlich auch an der einen oder anderen Stelle, oder?

In der Coronakrise haben wir Menschen die Doppelfunktion einer Krise erlebt. Sie hat etwas zerstört, aber auch Beginn gefordert. Viele haben eine neue Form der Selbstwirksamkeit erfahren, mit der sie ihr verändertes Leben im Lockdown bewältigten. Krisen haben oft mehrdeutige Wirkungen – aus Schrecken und Angst kann auch Aufbruch und Kreativität entstehen.

Die Perspektive, welche sich bei mir die letzten Monate, eingebrannt hat: Wenn man will, dann kann man mit ganz vielen negativen Dingen einen konstruktiven Umgang finden. Menschen finden, die einen durch diese besondere Zeit begleiten und einem eine Stütze sind. Es kommt auf die innere Haltung an, wie wir Dingen begegnen. Ich persönlich lerne loszulassen und nicht in den Widerstand zu gehen, aus einer gestärkten Position heraus die Dinge neu zu gestalten und kleine Erfolge zu feiern. Ich mag da den Begriff Gleichmut gerne, im Sinne von «es ist schön, wenn’s gut läuft, aber ist auch ok, wenn’s mal nicht ganz so klappt.» Das kommt jetzt ein bisschen wie ein Kalenderspruch daher, aber es ist tatsächlich das, was ich mitgenommen habe.

Es geht jetzt darum, das Jahr 2020 anzuerkennen und sich bewusst auf 2021 auszurichten. Ich lade dich hiermit dazu ein, neue Perspektiven einzunehmen. Wie könntest du, mein Olten, aus dem 2020 lernen und für dich neue Bilder der Zukunft zeichnen?

Ich glaube ganz fest daran, dass es nun umso wichtiger wird, zu erkennen, was die Menschen künftig in unserer Stadt wollen, brauchen oder einfach gesagt, «wie sie leben wollen». Der Mensch macht die Stadt aus. Die Krise hat uns gezeigt, dass wir Dinge in unserem direkten Umfeld mehr respektieren und wertschätzen.

Die nahe Umgebung, das Stadtviertel, die Nachbarschaft werden wichtiger und vieles in nächster Nähe wird neu entdeckt. Der Wunsch, alles in der Nähe zu haben und schnell zu erreichen, wird wichtiger und ist übrigens auch eine deiner Stärken.

Olten, nutze diese, geh für dich los: Du darfst dafür sorgen, dass es dir und deinen Mitmenschen gut geht! Kreiere Orte, die verbinden. Nimm dir deine Perspektiven zu Herzen und frage dich, wie wir ein gemeinsames Stadtgefühl erschaffen können? Räume des Austausches wie Märkte, die Boccia Bahn im Stadtpark, der Donnerstag Abendverkauf vor dem Coop City (wisst ihr noch ;-), jeder Generation ihren Platz oder Generationen übergreifend. Am Ende geht es um die Verbindung der Menschen untereinander, von Menschen und ihrer Stadt.

So erschaffen wir ein gemeinsames Stadtgefühl.

Cinzia Schmuziger, Unternehmerin, Olten