Olten
Suchthilfe-Anlaufstelle ist neu an Wochenenden offen: «Die Leute haben nicht nur wochentags ein Suchtproblem»

Ab dem 10. April ist die Suchthilfe Ost in Olten auch samstags und sonntags geöffnet – ohne dass mehr Geld von den Gemeinden fliesst.

Fabian Muster
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Die Stadtküche sowie die Kontakt- und Anlaufstelle haben neu auch am Wochenende von 12 bis 16 Uhr geöffnet.

Die Stadtküche sowie die Kontakt- und Anlaufstelle haben neu auch am Wochenende von 12 bis 16 Uhr geöffnet.

fmu

Ursula Hellmüller war es schon von Beginn weg «ein Dorn im Auge», wie sie sagt, als sie vergangenen August als Co-Geschäftsleiterin der Suchthilfe Ost in Olten ihren Job antrat: Die Stadtküche sowie die Kontakt- und Anlaufstelle waren nur von montags bis freitags geöffnet. «Die Leute haben nicht nur wochentags ein Suchtproblem», sagt Hellmüller. Die Suchtkranken seien deswegen häufig in den öffentlichen Raum wie den Stadtpark oder die Kirchgasse ausgewichen oder hätten sich auch zuhause zurückgezogen, etwa an Sonntagen. Im letzten Fall hätte sich teils die Depression noch verstärkt. Einsamkeit sei aber ein schlechter Ratgeber für Suchtkranke.

Ab diesem Samstag ändert sich das: Stadtküche sowie Kontakt- und Anlaufstelle sind auch samstags und sonntags von 12 bis 16 Uhr zugänglich. Vor Jahren war das schon mal der Fall. Um die Öffnungszeiten zu erweitern, erhält die Institution jedoch von der Stadt Olten oder weiteren Gemeinden aus dem Einzugsgebiet der drei Amteien Olten-Gösgen, Thal-Gäu und Dorneck-Thierstein nicht mehr Geld. Man habe interne Abläufe effizienter gestaltet, sagt Hellmüller. In anderen Kleinstädten wie Solothurn – und in grösseren Städten sowieso –, sei ein Betrieb übers Wochenende schon länger der Fall.

Die Stadtküche sowie die Kontakt- und Anlaufstelle sind gemäss Website ein Ort der Begegnung, wo die suchtkranken Menschen neben einer vergünstigten Mahlzeit auch ihre Wunden versorgen, ihre Spritzen austauschen oder ihre mitgebrachten Substanzen unter Aufsicht und in geschützter Atmosphäre konsumieren können. Ein Teil des Auftrags ist gemäss Website aber auch die Information und Prävention der Suchtkranken.

Die Suchthilfe Olten Ost führt neu in der Stadtküche ein Leichtbier der Drei Tannen Brauerei. Auf dem Bild (von links): Inhaber Luc Nünlist der Brauerei Drei Tannen und Ursula Hellmüller, Co-Geschäftsführerin Suchthilfe Olten Ost.

Die Suchthilfe Olten Ost führt neu in der Stadtküche ein Leichtbier der Drei Tannen Brauerei. Auf dem Bild (von links): Inhaber Luc Nünlist der Brauerei Drei Tannen und Ursula Hellmüller, Co-Geschäftsführerin Suchthilfe Olten Ost.

André Albrecht

Neu wird ein Leichtbier von Drei Tannen ausgeschenkt

In der Stadtküche können Suchtkranke neu auch ein Bier der einheimischen Brauerei Drei Tannen beziehen. Die Kleinbrauerei produziert für die Suchthilfe Ost extra ein Leichtbier mit weniger Alkohol (3,3 Prozent), was ganz der Haltung der Suchthilfe entspreche, so Hellmüller: «Nicht verbieten, aber den Schaden minimieren.» Diese Menschen hätten in der Regel schon viele gescheiterte Versuche hinter sich, von ihrer Sucht wegzukommen, sagt Hellmüller. Was sich bereits bei härteren Substanzen wie Heroin bewähre, tue man nun auch beim Alkohol. Zudem ergäbe dies den Vorteil, dass man mit den Suchtkranken in Kontakt komme und das Gespräch darüber führen könne. Bisher durften die Klientinnen und Klienten ihren Alkohol selbst mitbringen, künftig soll aber nur noch das vor Ort ausgeschenkte Bier erlaubt sein – welches übrigens nicht gratis, aber günstiger als ein Dosenbier beim Detailhändler verkauft wird. Vor Jahren hat die Suchthilfe auch schon einmal selbst Bier ausgeschenkt. Das führte damals zu einer Debatte, ob dies sinnvoll sei und ob nicht ganz auf einen Alkoholausschank verzichtet werden sollte.

Mit dem Projekt unterstützt die Suchthilfe Ost als positiven Nebeneffekt die stark von der Coronakrise getroffene Oltner Brauerei Drei Tannen. Es sei ein «sehr schönes gemeinsames Projekt, an dem wir über Monate gemeinsam gefeilt haben, und bei dem wir ideell dahinterstehen können», sagt Gründer und Inhaber Luc Nünlist. Zudem schliesse sich auch ein historischer Bogen: Das heutige Gebäude der Suchthilfe Ost an der Aarburgerstrasse 63 sei früher eine Brauerei mit Biergarten gewesen – so ziert auch ebendiese Brauerei das Sonderetikett. Für die Brauerei Drei Tannen ist es derzeit besonders wichtig, feste Absatzmengen zu haben, da die Absätze in der Gastronomie weggefallen sind. Für ein Spezialbier wie dasjenige der Stadtküche müsse dies mindestens 550 Liter sein. Das Bier enthalte zwar 30 Prozent weniger Alkoholgehalt, sei aber trotzdem «sehr geschmackvoll», sagt Nünlist. Die Brauerei hat in der Stadtküche extra eine Ausschankanlage eingerichtet. Ausserdem soll das Bier für Partner der Stadtküche mit der erwähnten Sonderetikette auch in Flaschen erhältlich sein.