Olten
Marion Rauber soll ebenfalls zu den Stadtpräsidiumswahlen antreten

Bereits vergangenen Sommer hat SP-Stadtrat Thomas Marbet seine Kandidatur angekündigt. Die SP-Leitung will weiter an ihm festhalten und schlägt ihn der Parteibasis vor. Doch Marion Rauber sollte ebenfalls antreten, damit die Stimmbevölkerung wählen kann, ob die SP nur einmal oder gleich zweimal Geschichte schreibt.

Fabian Muster
Fabian Muster
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Marion Rauber, Stadträtin SP und Pflegefachfrau. Fotografiert im Mokka Rubin an der Oltner Ringstrasse

Marion Rauber, Stadträtin SP und Pflegefachfrau. Fotografiert im Mokka Rubin an der Oltner Ringstrasse

Bruno Kissling

Die Oltner Sozialdemokraten sind in der privilegierten Lage, dass ihnen das Stadtpräsidium wohl ohne Konkurrenz der anderen Parteien erstmals in den Schoss fallen wird: Keiner der anderen drei Stadträte wird ihnen das Amt streitig machen wollen: Der einzige bürgerliche Vertreter Benvenuto Savoldelli hat bereits angekündigt, dass es seine letzte Legislatur ist und er dieses Amt nicht mehr anstrebt; die beiden frisch gewählten linken Vertreter Nils Löffel und Raphael Schär-Sommer halten sich ebenfalls zurück.

Das eröffnet neue strategische Möglichkeiten. Die SP-Geschäftsleitung will trotzdem an der Einerkandidatur mit dem bisherigen Vizestadtpräsidenten Thomas Marbet festhalten. Sie argumentiert, dass man sonst unglaubwürdig wirke, wenn man sich kurzfristig für eine andere Strategie ausspreche. Das mag sein. Doch die Ausgangslage ist heute eine andere als vergangenen Sommer, als Marbet seine Kandidatur angekündigt hat. Mit Marion Rauber hat die SP eine Frau im Köcher, die rund 370 Stimmen mehr holte bei ihrer Wiederwahl in den Stadtrat als ihr Parteikollege, das Amt als «Herzensangelegenheit» bezeichnet und der selbst mehrere Leute aus der Geschäftsleitung dieselben Fähigkeiten als Führungsperson zutrauen wie dem männlichen Stadtrat. Eine Partei, die mit umstrittenen Methoden wie den doppelten Frauennamen auf der Gemeindeparlamentsliste dafür sorgt, dass auch engagierte Männer abgewählt werden, will nun einer Frau von vornherein die Chance aufs höchste Amt in Olten nehmen? Mit diesem Vorgehen würde die SP erst so richtig unglaubwürdig und zugleich gegen die eigenen Werte verstossen.

Thomas Marbet soll seine Kandidatur aber nicht zurückziehen, sondern Marion Rauber die falsche Bescheidenheit ablegen und ebenfalls kandidieren. Das Stimmvolk soll den Entscheid treffen, ob die SP nur einmal oder gleich zweimal Geschichte schreibt: Nämlich indem die Partei nicht nur das Stadtpräsidium übernähme, sondern dieses Amt auch erstmals eine Frau leiten würde.

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