Olten
Nach mehr als vier Jahrzehnten: Zwei Lehrpersonen sagen Oltner Schulen Adieu

Zusammen mit Marianne Villiger und Carla Lotti verlassen auch 112 Schülerinnen und Schüler in diesem Jahr die Sekundarschule Olten.

Jürg Salvisberg
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Marianne Villiger (links) und Carla Lotti treten nach mehr als 40 Dienstjahren in den Ruhestand.

Marianne Villiger (links) und Carla Lotti treten nach mehr als 40 Dienstjahren in den Ruhestand.

Jürg Salvisberg

Die Umstände spielten der Schlussfeier der Austretenden an der Sekundarschule Olten gleich mehrere Streiche. Die Platzverhältnisse erforderten zuerst wegen Covid-19 zwei Anlässe mit halber Besetzung, dann geboten die Wetterprognosen auf eine Elternbeteiligung zu verzichten und schliesslich verhinderte der Regen für die Hälfte der Klassen den Teil auf dem Frohheim-Rasen.

«Ihr habt trotz allen Widerständen Unglaubliches gemeistert», durfte Schulleiter Hansueli Tschumi als Kompliment erst recht an Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen als Bilanz zum Corona-Jahr aussprechen. Es war ein Schuljahr, in dem neben dem normalen Unterricht trotzdem einiges möglich war. So organisierte der Schülerinnen- und Schülerrat eine Challenge mit mehreren Wettbewerben zwischen den Klassen. Acht Schülerinnen und Schüler erlangten eines der begehrten Cambridge-Diplome in Englisch. Und im Juni gelangten Projekttage und je ein Leichtathletik-Halbtag für den ersten, zweiten und dritten Kurs zur Austragung.

Von den 112 Jugendlichen, welche das Frohheim verlassen haben, besitzen nur 4 noch keine Anschlusslösung. 79 wenden sich einer Lehre zu, 4 davon mit Berufsmatur. 9 gehen an die FMS und ans Gymnasium. 13 Abgänger absolvieren das Berufsvorbereitungsjahr am BBZ Olten, 7 haben sich für diverse Schul- und Praktika-Lösungen entschieden.

Viel zu wenige Schüler in der Sek E

Im nächsten Schuljahr nehmen mit Corinne Lüthi und Tanja Jäggi zwei neue Klassenlehrerinnen ihre Tätigkeit am Frohheim auf. Im neuen 7. Schuljahr besuchen im Schulkreis Olten/Boningen/Starrkirch-Wil voraussichtlich 47 Jugendliche die Sek P an der Kantonsschule (29,7 Prozent des Jahrgangs), am Frohheim treten 39 in die Sek E ein (24,7 Prozent) und 72 in die Sek B (45,6 Prozent). Auch zehn Jahre nach Anlaufen der Sek-I-Reform weichen die Übertrittszahlen erheblich von ursprünglich anvisierten Werten und Planungsgrössen ab. Die Vorlage, der das Solothurner Volk im November 2006 zustimmte, sah vor, dass jeweils 15 bis 20 Prozent eines Jahrgangs die Sek P mit Absicht einer späteren Matur besuchen, 40 bis 50 Prozent die Sek E und 30 bis 40 Prozent die Sek B.

In der Ruhe liegt die Kraft

Am Schlussessen der Lehrpersonen standen für die Schulleiter Hansueli Tschumi und Walter Fürst zwei Verabschiedungen infolge Pensionierung an. 44 Jahre nach ihrem Patent als Primarlehrerin verliess Carla Lotti das Frohheimschulhaus, in dem ihr einst ein Lehrer vom Beruf abgeraten hatte, weil sie zu ruhig sei. Doch nach dem Lehramtskurs und ihrer offiziellen Anstellung an der Sekundarschule 1983 bewies Carla Lotti mit ihrer natürlichen Autorität Jahr um Jahr, dass in ihrer Ruhe eben sehr viel Kraft liegt.

Die Arbeit mit den Jugendlichen sei ihr nie verleidet, durfte sie noch vor ihrer Pensionierung als Sek-B-Klassenlehrerin behaupten. Dabei hielt das Unterrichten durchaus einige Herausforderungen bereit. Die grösste meisterte Carla Lotti ab 2010 mit dem Einstieg in die Sek-I-Reform und der Umsetzung der integrativen speziellen Förderung.

Sehr vielseitig und flexibel

Nach fast 42 Jahren Schuldienst sagte Marianne Villiger ihren Kolleginnen und Kollegen Adieu. Während ihrer ganzen Karriere seit dem Arbeitslehrerinnen-Patent bewies sie eine ungeheure Flexibilität. Mit drei neuen Lehrplänen wurde aus der Handarbeitslehrerin die Lehrerin für Werken I und dann für Technisches Gestalten.

Da Marianne Villiger während gut 30 Jahren die jüngste Arbeitslehrerin im Sälischulhaus war, musste sie bei der Pensenverteilung stets um Lektionen kämpfen. So kam es, dass sie in Olten an allen Schulhäusern und Schulstufen mit insgesamt elf Schulleitungen tätig war. Tendenziell nahm die Anzahl Lektionen pro Klasse stetig ab. Nach der Sek-I-Reform und dem Umzug ans Frohheim musste sie in einem Schuljahr mit je 12 Halbklassen pro Semester umgehen, um auf 24 Lektionen zu kommen.