Olten
Mit Videoaufnahmen die Kulturszene nach Corona erobern

Noch bis Sonntag werden Kulturschaffende ins Licht gerückt und mit optimalem Ton versehen in ihre eigene Videoproduktion eingebunden. Auch zur Eigenwerbung. KulturStart nennt sich die Aktion.

Urs Huber
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Videoproduktion für Künstler in der Schützi in Olten - im richtigen Licht der Autor und Musicaldarsteller Tino Andrea Honegger.

Videoproduktion für Künstler in der Schützi in Olten - im richtigen Licht der Autor und Musicaldarsteller Tino Andrea Honegger.

Patrick Luethy / Oltner Tagblatt

Viele waren da in der Schützi: Fabian Bloch mit Muriel Zeiter, Christoph R. Aerni, Matthias Kunz, Michael Erni oder Tino Andrea Honegger. Allesamt Kulturschaffende, allesamt ohne Engagements. Längst bekannt weshalb: Corona. Genau. In diesen Zeiten hatte Comedy Zap mit Cécile Steck und Didi Sommer die Idee, Kunstschaffenden in der Schützi die Gelegenheit zu geben, unter professionellen Bedingungen Hauptfigur einer Videoproduktion zu werden, die später zu Werbezwecken genutzt werden kann. Mit von der Partie sind auch die Schützi und Event-one.ch mit Stefan von Burg. Projektname: KulturStart.

Vorlesen, um vor allem zu promoten

Am Freitagmorgen dabei: Tino Andrea Honegger, 38, aus Olten, Musicaldarsteller. Seit März 2020 ohne Engagement. In der gastspiellosen Zeit hat er ein Buch geschrieben. «Scheiss drauf – jetzt erst recht» heisst das Werk und ist autobiografisch angelehnt.

«Was ich mit der professionellen Produktion anstellen werde?», fragt er in einer kurzen Drehpause. Zuvor hatte der Mann vor laufenden Kameras Passagen aus seinem Buch vorgelesen. «Ich werde die ­Videoproduktion für Werbezwecke nutzen und das Buch damit promoten», sagt Honegger. Sei es im Internet oder dann für Lesungen, die tatsächlich physisch abgehalten werden können.

Patrick Luethy

Vorlesen übrigens hält der Mann aus Olten für extrem anstrengend. «Und zwar ganz einfach darum, weil du völlig auf deine Sprechstimme fixiert bist, während du als Musicaldarsteller auf mehrere Ausdruckselemente zurückgreifen kannst; Gesang und Tanz kommen da noch hinzu.»

Honegger hat sich bislang mit Online-Unterricht über Wasser gehalten. «Am zermürbendsten ist diese Perspektivlosigkeit», sagt er noch. Die Idee des professionellen Videodrehs dagegen sieht er positiv. «Sicher eine gute Gelegenheit, sich ins optimale Licht gerückt zu sehen.»

Beeindruckende Infrastruktur

Und in der Tat: Das Equipment in der Schützi ist beeindruckend. Kameras, Mikrofone, Lichtquellen: alles sensibelster Provenienz. «Die Idee geht eigentlich auf die Produktion der ‹Sternschnuppen› im Dezember zurück», sagt Cécile Steck. Bereits damals wurden die Produktionen gestreamt, weil die Darbietungen bekanntlich vor nur wenig Publikum ablaufen konnten. «In hervor- ragender Qualität», wie die Pro­tagonisten damals meinten.

12 Produktionen kommen innert fünf Tagen «in den Kasten», wie man früher so sagte. «Es ist klar: Bands oder aufwendige Bewegungsproduktionen nehmen natürlich mehr Zeit in Anspruch als etwa Einpersonenstücke, die mehrheitliche von der Sprache leben», so Cécile Steck. Am Donnerstag war Christoph R. Aerni an der Reihe:

Auch Matthias Kunz ist dabei

Für eine dieser Einpersonenproduktionen sorgt nach Honegger fast ein alter Bekannter in der Region: Matthias Kunz. Der Kunz neben Straumann oder der Kauz neben Strohmann. Sein letztes Engagement gegen Salär war eines per Zoom und liegt gut zehn Tage zurück, das letzte vor Publikum, ein Kulturtupfer, arrangiert vom hiesigen Stadttheater, reicht bis in den Dezember letzten Jahres zurück.

«Mir gibt das Angebot hier in der Schützi die Möglichkeit, etwas Unbekanntes auszuprobieren»,

sagt er. Unter bühnenähnlichen Bedingungen. Die Ingredienzien seines Experiments sind eigentlich so etwas wie ein Triptychon der Wortkunst. «Ein eher kabarettistischer Text, von dem ich noch nicht weiss, ob er tatsächlich ein solcher ist», sagt Kunz dazu. Ferner Passagen für seine Kunstfigur Grünspan und eine Sequenz für eine filmische Bewerbung. «Ich weiss noch nicht, wie’s rauskommt», sagt der Mann mit Jahrgang 1979. Vor allem aber weiss er nicht, wann’s grundsätzlich wieder losgeht.

Die üblichen zwei Stunden, am Freitag zwischen 12 bis 14 Uhr, sind für ihn reserviert. Eine gespannte Ruhe in der Schützi erinnert an vollbesetzte Zuschauerräume unmittelbar bevor sich der Bühnenvorhang öffnet, begleitet den Schauspieler ans Aufnahmeset.

Nebst Matthias Kunz und Tino Andrea Honegger stand auch der Egerkinger Kunstmaler Christoph R. Aerni vor der Kamera:

Breite Unterstützung erfahren

Die ganze Aktion wurde mit Unterstützung des Kantons, der Stadt Olten, der Däster-Schild- Stiftung Grenchen und natürlich der Schützi erst möglich. «Es war diesbezüglich sicher vorteilhaft, dass wir jenes Potenzial mitbringen, fast allen Kultursparten in Sachen Ausrüstung beziehungsweise Regie gerecht zu werden», sagt Cécile Steck. Licht, Ton, bewegte Bilder: Die Zutaten, die für Kunstschaffende nach Ende der Coronakrise doch das Zünglein an der Waage bilden können, wenn die Frage wieder im Raume stehen kann: Wer steckt denn da hinter dem Bühnenvorhang?