Olten
Kritik an niedriger Mauer nach Sturz einer Frau in die Aare: «Jedem privaten Bauherr werden Vorschriften jeder Art gemacht»

Der Sturz einer Frau von der Oltner Amthausquaimauer in die Aare hat beim 72-jährigen Pius von Rohr nicht nur Erinnerungen geweckt.

Urs Huber
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Mauer am Klosterplatz: zu wenig hoch angesetzt.

Mauer am Klosterplatz: zu wenig hoch angesetzt.

Bild: Patrick Lüthy

«Wart jetz, wo hani’s», sagt er und kramt in seiner Mappe. Dann zückt Pius Rudolf von Rohr einen leicht abgegriffenen Taschenkalender hervor, genau zehn Jahre alt. In seinem Eintrag vom März 2011 steht darin in Rot zu lesen, er habe sich mit der städtischen Baudirektion in Verbindung gesetzt. Grund: Tage zuvor hatte er zusammen mit seinem dreieinhalbjährigen Enkel auf dem Klosterplatz auf ein weiteres Familienmitglied gewartet. «Und dann, Sie wissen ja wie’s geht, stand das Kind plötzlich auf der Mauer.» Auf jener Mauer, an deren Ostseite das Ufergelände zur Aare hin steil abfällt.

«Wenn man es genau nimmt, ist zwischen Mauer und Aare eigentlich gar nichts», sagt von Rudolf Rohr, heute in Däniken wohnhaft und einstiger EHC-Olten-Spieler, der mit seiner Mannschaft 1970 erstmals in die damalige Nationalliga B aufstieg. Er habe den Enkel gerade noch erwischt, bevor etwas Schlimmeres passiert sei, so der 72-Jährige und macht einen Gedankensprung in die Gegenwart. «Zehn Jahre ist das jetzt her und seither ist überhaupt nichts gegangen.» Er habe nie mehr etwas von offizieller Seite gehört.

Pius von Rohr

Pius von Rohr

Urs Huber

Der Sturz einer jungen Frau Mitte April von der Mauer am Klosterplatz hinunter in die Aare hat ihm das seinerzeitige Erlebnis wieder in schreckhafte Erinnerung gerufen. Gemäss aktuellen Polizeiangaben ist die Frau mit Sicherheit ohne Fremdeinwirkung von der Mauer in die Aare gestürzt und hatte sich dabei schwer verletzt. «Es handelt sich demzufolge um einen Unfall, welcher durch die Polizei auch als solcher rapportiert wird», lässt die Medienstelle der Kantonspolizei verlauten.

Vorschriften für private Bauherrschaft

«Jetz muess eifach öppis go!», sagt der einstige Eishockeyspieler dann bestimmt. Jedem privaten Bauherr werden Vorschriften jeder Art gemacht.» Auch hinsichtlich Geländerhöhe und Verlauf der Streben. «Und hier?», fragt Rudolf von Rohr rhetorisch. «Nichts!» Jedes Mal, wenn er in die Stadt komme, falle ihm die Geschichte von Neuem ein. Seine Bemerkungen klingen wie eine Kombination von Wunsch und Forderung an die Stadtverantwortlichen. Unbestritten ist, dass die Mauer gemessen an den heutigen Sicherheitsnormen zu niedrig ist. Und sie ist an einem eher gut frequentierten Platz verortet und auch leicht zugänglich.

Das latente Risiko ist den Stadtverantwortlichen auch nicht verborgen geblieben. Wie Stadtbaumeister Kurt Schneider auf Anfrage erklärt, sei die Frage zur Notwendigkeit von Schutzvorkehrungen an risikobehafteten Örtlichkeit grundsätzlich eine generelle. «Wo ist das Risiko zumutbar, wo präsentiert sich die Situation noch als verantwortbar», so Schneider. Eine Güterabwägung eben zwischen der Präventionspflicht und Eigenverantwortlichkeit.

«Es gibt viele lebensgefährliche Orte in der Stadt, Gefahren können nie restlos ausgeschlossen werden.»

Dass bei möglichen Veränderungen der Mauergestaltung auch die kantonale Denkmalpflege ein Wort mitzureden hätte, hatte Schneider bereits in einem früheren Beitrag in dieser Zeitung zu verstehen gegeben. «Die Hürden wären bestimmt nicht unüberwindbar», meint er, eine Lösung möglich.

Der vorletzte kundige Sturz über die Mauer am Klosterplatz liegt fast genau 26 Jahre zurück. Im Mai 1995 soll ein alkoholisierter Mann von einem Bekannten über die Mauer geschubst worden sein. Auch er verletzte sich dabei schwer.