Kuhn, eigentlicher Initiator der Donnschtig-Jass-Sendung für Olten, blickte am Morgen zuversichtlich dem Abend entgegen. Noch unter stahlblauem Himmel, der sich allerdings kurz nach Mittag zunehmend bedeckt zeigte. «Alles hat geklappt; ich bin mächtig stolz auf OK und die unterstützenden Kräfte. Das ganze Arrangement sieht doch prächtig aus.» Bleibe das Wetter so, sei alles perfekt. Denn: ein Plan B für schlechtes Wetter – Fehlanzeige. Fürs Wetter sei man nicht verantwortlich, resümierte Kuhn. «Der Plan B wäre gar nicht umsetzbar.»

Das Wetter blieb nicht so. Eine gute halbe Stunde vor Übertragungsbeginn öffnete Petrus die Schleusen. Aber: Olten blieb sitzen und widerstand. Wenigstens während einer Stunde. Was Einpeitscher Reto Scherrer zum Satz hinriss: «Ich bin schon bei Regensendungen dabei gewesen; aber ich hab noch nie erlebt, dass alle sitzenbleiben.» Und die rund 2500 Gäste blieben vorerst.

Olten rockt mit Chris von Rohr – am Schluss jedoch auf halbleerem Platz.

Olten rockt mit Chris von Rohr – am Schluss jedoch auf halbleerem Platz.

Erwartungen erfüllt

So viele waren denn auch erhofft worden. Und auf die wartete neben der Livesendung auch eine kulinarische Breitseite. «Wir zählen auf 14 verschiedene Anbieter», meinte Kuhn. Damit liege Olten – im Vergleich zu den andern Austragungsorten – ganz gut im Rennen. Der Kulturpromoter hatte im Übrigen auch mitgewirkt bei der filmischen Einspielung, welche die Gastgeberstadt zu Beginn der Sendung vorstellte. «Altstadt, Aare und alte Holzbrücke gehören doch einfach dazu», so Kuhn überzeugt.

Züge, Einrad-Hockey, dr Chöbu und eine Wetterhexe: So präsentierte das Schweizer Fernsehen die Stadt Olten im «Donnschtig-Jass».

Züge, Einrad-Hockey, dr Chöbu und eine Wetterhexe: So präsentierte das Schweizer Fernsehen die Stadt Olten im «Donnschtig-Jass».

Der Aufmarsch beginnt

Nur wenige Stunden später, so gegen 14 Uhr, begannen sich die Reihen langsam zu füllen. Die Kiebitze lauschten den Probearbeiten mit Moderator Roman Kilchsperger, der in rotem T-Shirt und ebensolchen Turnschuhen die Blicke auf sich zog. Jassleiter Dani Müller rief dabei die Simmentaler aus St. Stephan als Sieger aus. Ein gutes Ohmen? «Sicher», sagten die anwesenden Berner Oberländer. Ihrer 60 waren dabei, die Jasskartenmemoryspielerin Salomé Wyssen bereit. Geübt? «Sicher nicht.» Lachte, kugelte die Augen – und blieb von der Aufgabe verschont.

«Donnschtig-Jass» in Olten – Sehen Sie hier die ganze Sendung:

Das durften die Oberaargauer aus Wynau nicht unkommentiert lassen. «Wir gewinnen, weil wir die besseren Jasser am Zug haben», so der einhellige Tenor. Zur Kartenmemoryteilnehmerin wurde Geburtstagskind Manuela Born erkoren. Geübt habe sie nicht, meinte das Geburtstagskind. «Und eigentlich will ich die Aufgabe gar nicht übernehmen.» Sie musste und holte – 4 Punkte.

Andere nahmen derweil schon mal das Jass-Set zur Hand wie Peter und Melanie Küng aus Heiden. «Wir sind schon ein paar mal dabei gewesen», sagte Peter Küng. Die Atmosphäre einer Livesendung sei halt eine Besondere. Und den Roman Kilchsperger finde er unterhaltsam. «Der macht das sehr gut», fügte der Mann aus Heiden hinzu. Nach der Sendung heisse es rasch zusammenpacken und ab zum Bahnhof. Nach der Sendung gings mit dem Zug zurück ins Appenzellerland; zweieinhalb Stunden würde die Reise dauern.

Brunnen zurechtrücken

Zwischenzeitlich war den TV-Verantwortlichen noch aufgefallen, dass die drei Düsen am Brunnen ungleich eingestellt waren, der Wasserstrahl nicht symmetrisch austrat. Das musste behoben werden – und wurde behoben. Die Welt will rausgeputzt und in harmonischem Einklang dargestellt sein. Von irgendwoher rief die durchaus charmant wirkende Einpeitscherin dem TV-Publikum noch irgendwelche erwünschten, weil gut wirkenden Verhaltensmuster in Erinnerung: «Mitklatschen, Hände zum Himmel, die nächsten fünf Minuten bitte sitzen bleiben!» Teil des TV Publikums sein – das ist nur bedingt ein Zuckerschlecken.

Dann: 20.05 Uhr. Der Startschuss bei strömendem Regen. Reto Scherrer wusste die Oltner bei Laune zu halten, das rhythmische Mitklatschen und der Anfangsapplaus, die unter Schirmen und Pelerinen hervorquollen, waren gut einstudiert. Ein Erlebnis allemal. Und wie hatte die Frau von der Produktionsleitung gesagt: «Bitte nicht in die Kamera winken, das ist doof.»

Man hielt sich in Olten an die kluge Weisung. Und Wynau gewann das Jassduell: mit satten 35 Punkten Vorsprung.