Vor 25 Jahren legte Grigoris Pallas den Grundstein für die gleichnamige Klinikgruppe. Wieso in Olten?

Georgos Pallas: Die Familie Pallas ist von hier und fühlt sich sehr mit der Stadt verbunden. Mein Vater Grigoris Pallas hatte seine Augenarzt-Praxis hier in Olten und war Chefarzt am Kantonsspital.

Was waren bis heute die grössten Marksteine in der Unternehmensgeschichte?

Während unseres 25-jährigen Bestehens gibt es natürlich einige Meilensteine, die unsere Klinik geprägt haben und in Erinnerung geblieben sind. Besonders wichtig ist das Vertrauen, welches uns der Kanton Solothurn entgegenbringt. Der Kanton hat uns an unserem Hauptstandort in Olten bereits sehr früh den Spitallistenauftrag erteilt. Dies war ein sehr wichtiger Schritt für uns und hat ein stabiles Wachstum ermöglicht, weshalb wir auch bei unseren Kollegen als zuverlässige und engagierte Privatisierungspartner für die Nachfolgelösung bestehender Arztpraxen gelten. Dieses Vertrauen verstehen wir auch als Verpflichtung, für die hiesige Bevölkerung eine erstklassige medizinische Dienstleistung zu erbringen. Mit unserem neuen Standort im Zürcher Jelmoli setzen wir dieses Jahr einen weiteren Meilenstein.

Das Wachstum schreitet voran und beschleunigt sich sogar. Fünf neue Standorte in den letzten vier Jahren in der Deutschschweiz. Wie geht es weiter?

Schweizweit werden wir unsere führende Stellung als Anbieter bester medizinischer Leistungen rund um die Augenheilkunde weiter ausbauen. In den Bereichen ästhetische Medizin, Dermatologie und Venenheilkunde werden wir ebenso eine führende Rolle auf dem Schweizer Markt einnehmen können. Hierbei spielt die Eröffnung des Standorts Jelmoli im September dieses Jahres eine zentrale Rolle.

Ebenfalls in Solothurn verstärken wir heuer mit einem Standortwechsel unser Angebot, indem wir an direkter Lage beim Bahnhof ein Kompetenzzentrum eröffnen, das neben Augenheilkunde und Augenlaser auch Behandlungen in den Bereichen Dermatologie, Venenheilkunde und ästhetischer Medizin anbieten wird.

Mittel- bis langfristig wollen wir auch den Hauptstandort Olten weiter ausbauen. Hier beschäftigt die Pallas-Gruppe mit der Klinik, dem Konferenzhotel Arte mit Restaurant sowie dem Verwaltungshauptsitz insgesamt rund 310 Personen: 220 Personen in der Klinik, davon 25 Ärzte, sowie 90 Personen im Hotel.

Bleibt der Hauptsitz langfristig in Olten?

Begonnen hat Pallas mit Augenheilkunde und Augenlaser. Inzwischen sind Dermatologie und Ästhetik dazugekommen. Was ist als Nächstes geplant?

Das Vertrauen unserer Patienten zeigt sich auch in der steigenden Nachfrage im Schönheitsbereich. Dort sind wir zurzeit stark ausgelastet, weshalb wir vor allem auf dem Gebiet der ästhetischen Medizin unsere Dienste ausbauen wollen. Damit setzen wir unsere Wachstumsstrategie fort.

Vor kurzem war zu lesen: «Schönheitschirurgie ist krank und macht krank.» Was sagen Sie zu diesem Ausspruch?

Wir leben in einer Zeit, in der Aspekte der visuellen Repräsentation einen starken Stellenwert haben. Inwiefern dieser Zustand ein Novum ist, kann diskutiert werden. Fakt ist, dass Menschen dank des medizinischen Fortschrittes heute die Möglichkeit haben, ihr Aussehen und ihre Erscheinung mit minimalen invasiven Behandlungsmethoden so zu gestalten, wie sie es für sich als stimmig empfinden.

Aber Hand aufs Herz: Wie sinnvoll ist der ganze Ästhetikbereich, vor allem Schönheitsoperationen an Gesicht und Körper, die ausschliesslich der Verjüngung dienen sollen?

Die Menschen wollen so aussehen, wie sie sich fühlen. Eine Zornesfalte lässt einen verärgert aussehen, auch wenn man bester Laune ist. Schlupflider führen zu einem müden Gesichtsausdruck, obwohl man in bester Form ist. Mit kleinsten Behandlungen lassen sich solche Probleme rasch und einfach aus der Welt schaffen.

Die Möglichkeiten im Ästhetikbereich sind heute sehr vielseitig. Unsere Behandlungen reichen von der rekonstruktiven Chirurgie über Haarwurzeltransplantationen bis hin zu Unterspritzungen zur Auffüllung und Glättung von Fältchen. So breit unser Angebot, so breit auch die Bedürfnisse unserer Patientinnen und Patienten. Wichtig ist, dass man sich vor einer Behandlung gut beraten lässt.

Ist es nicht absurd, dem Schönheitswahn zu huldigen und diesen mit speziellen Angeboten noch voranzutreiben?

99 Prozent unserer Kunden sind Menschen wie Sie und ich. Die Herren möchten eine etwas straffere Gesichtshaut oder Altersflecken entfernen. Eine Mutter wünscht eine straffere Brust, nachdem sie das zweite oder dritte Kind gestillt hat. Kleinere Fältchen, Zornesfalten oder Krähenfüsse werden entfernt, damit man etwas frischer wirkt. Wir haben keine Patientinnen oder Patienten, die extreme Veränderungen am Körper wünschen. Wir nehmen unsere Verantwortung ernst und lehnen dies generell ab.

In Zürich will Pallas im kommenden Herbst sogar mit Jelmoli auf einer Fläche von rund 900 Quadratmetern ein Zentrum für Lifestyle-Medizin eröffnen. Sollen medizinische Leistungen zum Einkaufsgut werden?

Keineswegs. Wir bieten ästhetische Medizin in ihrer ganzen Bandbreite und Fachtiefe an. Unsere Ärzte sind erfahrene Fachspezialisten und die ausführliche Beratung ist Grundlage für die richtige Behandlung. Nur ein informierter Kunde kann eine bewusste Entscheidung treffen.

Angeblich soll bereits an Minderjährigen herumgeschnipselt werden. Ab welchem Alter nimmt Pallas bei Menschen Schönheitseingriffe vor?

Wir führen keine Eingriffe bei Jugendlichen durch. Auch Eingriffe, die langfristig Schäden verursachen könnten, lehnen wir grundsätzlich ab.

Haben Sie bei sich auch schon einen Schönheitseingriff vornehmen lassen?

Nein. Bislang noch nicht. Einige Personen in meinem persönlichen Umfeld haben dies aber bereits getan, und auch ich schliesse eine solche Veränderung in Zukunft nicht aus.

Immer wieder gibt es auch Fragen zur Augenmedizin, weil sie zu teuer sei. Zum Beispiel die bei älteren Menschen eingesetzte kostspielige Spritzentherapie bei Makula-Degeneration, deren Wirkung angezweifelt wird? Oder die teuren Laserbehandlungen?

Im Vergleich sind die ökonomischen Kosten von Augenoperationen eher gering, wenn man bedenkt, dass jemand, wenn er nach einer Operation sein Augenlicht wiedererlangt, nicht mehr von Pflegeangeboten abhängig ist. Der volkswirtschaftliche Nutzen der meisten Augenoperationen übersteigt deren Kosten bei weitem. Bei der erwähnten Spritzentherapie entfallen rund 80 Prozent der Kosten auf Medikamente und Material. Die restlichen 20 Prozent, ein tiefer dreistelliger Betrag, sind Behandlungskosten. Und dieser Betrag ist teilweise geringer, als Kliniken in Deutschland erhalten.

Das heisst, die Medikamente sind zu teuer?

Dazu will ich mich nicht äussern.

Zeigt nicht gerade das enorme Wachstum bei Pallas, das nur mit entsprechenden finanziellen Mitteln möglich ist, dass im Gesundheitswesen (zu) viel Geld verdient wird?

Diese Annahme muss ich relativieren. Die Pallas Kliniken sind nicht sprunghaft gewachsen, sondern kontinuierlich über die letzten 25 Jahre. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren für das Wachstum sind top qualifizierte und motivierte Mitarbeiter und aufeinander abgestimmte Prozesse, die greifen müssen. Weiter sind wir als inhabergeführtes Unternehmen in der Lage, unsere Einnahmen laufend zu reinvestieren.

Öffentlich zu reden geben zusehends auch die hohen Löhne von Spezialärzten. Was verdient bei Pallas ein Augenarzt oder ein Schönheitschirurg?

Hohe Qualität und Leistung sollen meiner Meinung nach auch entsprechend entschädigt werden. Wir wollen Spezialisten bei uns beschäftigen, und diese kosten.

Die Löhne unserer Ärzte bewegen sich auf dem Niveau der öffentlichen Spitäler. Es ist ein Fakt, dass heute immer noch zu wenig Ärzte und Ärztinnen ausgebildet werden. Angebot und Nachfrage sind dabei die Faktoren, die ebenfalls den Preis bestimmen. Den oft genannten Fachkräftemangel spüren wir stark.

Doch noch etwas konkreter: Gibt es bei Ihnen auch Ärzte, die über eine halbe Million Franken verdienen?

Das sind nur ganz einzelne, speziell ausgewiesene Spezialisten, die Aussergewöhnliches leisten und deshalb auch aussergewöhnlich bezahlt werden.

Unser Gesundheitswesen ist so teuer, dass viele Menschen die Krankenkasse nicht mehr selber bezahlen können und durch Prämienverbilligungen unterstützt werden müssen. Wo ist der Hebel anzusetzen, dass zumindest das Kostenwachstum im Gesundheitswesen gebremst werden kann?

Unser Gesundheitswesen ist komplex. Es gibt kein Patentrezept für eine Lösung, die absolut wäre. Es geht in erster Linie um die Bedürfnisse der Patienten. Selbstverständlich müssen wir hier auch als Gesellschaft die Diskussion führen, wer welche Kosten zu tragen hat.

Was unternimmt Pallas konkret zur Eindämmung der Gesundheitskosten?

Im Vergleich mit anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen sind unsere Kosten oft günstiger. Wir verfügen zum Beispiel über eine tiefe «Base Rate». Weiter behandeln wir Patienten wenn immer möglich ambulant statt teuer stationär.

Zurück zum Pallas-Standort Olten: Sind Sie eigentlich am jetzigen Standort im Sälipark glücklich?

Wir sind mit unserem Standort im Sälipark sehr zufrieden. Klar ist aber auch, dass die Anforderungen an uns stetig steigen und wir den Bedürfnissen unserer Patienten jederzeit entsprechen wollen.

Sie haben gegen das Projekt «Sälipark 2020» Einsprache erhoben. Weshalb?

Wir haben nichts gegen das Projekt. Im Gegenteil: Es ist sehr attraktiv. Doch es bestehen noch gewisse Abstimmungsprobleme, zum Beispiel für die Gewährleistung des Klinikbetriebes während des Baus.

Was sind Ihre Zukunftspläne in Olten?

Wir prüfen laufend verschiedene Optionen, was unsere Räumlichkeiten betrifft; Neubau oder nicht. Die Sicht und das Wohl unserer Patienten ist hier das Wichtigste für unsere Entscheidungen.

Wo steht Ihr Projekt beim Bahnhof Nord?

Wir befinden uns hier noch in der Planung und werden gerne mehr kommunizieren, sobald Genaueres bekannt wird.

Was schätzen Sie an Olten besonders?

Ich schätze den unkomplizierten Umgang der Menschen hier vor Ort – ohne hierarchisches Gepräge, wie dies andernorts der Fall ist. Weiter mag ich das kulinarische Angebot in Olten und die nahegelegene Natur. Auch schätze ich das für die Grösse von Olten sehr lebhafte kulturelle Angebot.