Olten
«Ich als Stadtpräsident stehe eher in der Mitte»: Thomas Marbet möchte in seinem neuen Amt keine Parteipolitik betreiben

Thomas Marbet (SP) löst Martin Wey (CVP) kommenden August als Stadtpräsident ab. Damit gibt es erstmals einen linken Stadtpräsidenten in der grössten Stadt des Kantons Solothurn. Um das Vizepräsidium wird es einen zweiten Wahlgang geben.

Sophie Deck
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Thomas Marbet (Bildmitte) nach der Bekanntgabe des Wahlresultats mit Parteikollegin Marion Rauber (rechts) und Freunden und Familie.

Thomas Marbet (Bildmitte) nach der Bekanntgabe des Wahlresultats mit Parteikollegin Marion Rauber (rechts) und Freunden und Familie.

Bruno Kissling

Die Stimmung war gar nicht so angespannt, Thomas Marbet aber schon: Der 54-Jährige wartete am Sonntagnachmittag gemeinsam mit seiner Parteikollegin Marion Rauber im «Shanghai» auf die Wahlresultate fürs Stadtpräsidium. Marbet trat allein für das Amt des Stadtpräsidenten an, Rauber gegen den Grünen Raphael Schär-Sommer für das Amt der Vizepräsidentin.

Bereits um zwei Uhr trudelten die Kandidaten mit Freunden und Familie ein. Zweieinhalb Stunden später, um 16:30 Uhr, war es dann soweit - die Resultate standen fest. Marbet wurde mit 3573 Stimmen zum neuen Stadtpräsidenten gewählt, damit lag er 1187 Stimmen über dem absoluten Mehr.

Besetzung Vizepräsidium steht noch aus

Rauber hingegen erreichte das absolute Mehr nicht ganz: Sie erhielt 2283 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 2539 Stimmen. Somit steht die Besetzung des Vizepräsidium noch aus. Allerdings lag Rauber gegenüber ihrem Konkurrenten Schär-Sommer mit 249 Stimmen vorn - dieser erhielt 2043 Stimmen.

Bei Thomas Marbet betrug die Wahlbeteiligung 43.7 Prozent, bei Rauber und Schär-Sommer waren es 45.9 Prozent. Beachtlich sind die Leerstimmen bei Thomas Marbet: Mit 1198 Leerstimmen liegt der Anteil bei 25 Prozent. Bei Rauber und Schär Sommer waren es mit 759 Leerstimmen 15 Prozent.

Anna-Lea Enzler (SP-Co-Präsidentin) gratuliert dem neuen Oltner Stadtpräsidenten mit Blumen und feinem Tropfen.

Anna-Lea Enzler (SP-Co-Präsidentin) gratuliert dem neuen Oltner Stadtpräsidenten mit Blumen und feinem Tropfen.

Bruno Kissling

Niemand ist von dem Resultat enttäuscht

«Ich bin sehr erleichtert, 1000 Stimmen über dem absoluten Mehr zu liegen», sagt Marbet nach Bekanntgabe des Wahlresultats. Dies sei auch der Grund für seine Anspannung gewesen.

«Wenn man dieses Amt antritt, dann ist es schon wichtig, dass man mehr als die Hälfte der Stimmen bekommt.»

Thomas Marbet spricht über seine Wahl und darüber, was seine Partei für einen Einfluss auf sein Amt haben wird.

Oltner Tagblatt

Derweil ist Rauber gefasst: «Es wäre natürlich schön gewesen, aber es ist jetzt kein Weltuntergang», sagt sie.

«Ich bin ja gerade wiedergewählt worden und habe auch das Amt als Baudirektorin übernommen. Das Vizepräsidium wäre jetzt noch das Sahnehäubchen gewesen.»

Den Grund für ihre Nicht-Wahl sieht Rauber, zumindest zum Teil, in der Doppel-SP-Kandidatur. «Uns war schon klar, dass das riskant ist. Aber ich bin zufrieden. Ich und Thomas haben den Wahlkampf gemeinsam geführt und nun ist er Stadtpräsident - das ist ein super Ergebnis.»

Raubers Mitkandidat Raphael Schär-Sommer hingegen hat angesichts des Ergebnisses nicht so viele Emotionen. «Ich bin so enttäuscht wegen des Neins zum CO2-Gesetz, da geht die Wahl etwas unter», erklärt er. «Allerdings war ich überrascht, dass ich an Marion Rauber mit den Stimmen so nah herangekommen bin. Das ist eine grosse Freude.» Er sei davon ausgegangen, dass Marion Rauber im ersten Wahlgang gewählt würde.

Veränderungen wird es schon geben

Nun wird Thomas Marbet sein Amt ab 1. August als Nachfolger von Martin Wey (CVP) antreten. Dass er der erste linke Stadtpräsident ist, würde laut ihm nicht viel ändern: «Wir hatten ja nun schon lange eine links-grüne Mehrheit im Stadtrat.

Ich als Stadtpräsident stehe aber eher in der Mitte, da ich die ganze Stadt repräsentiere. Es ist nicht ein Amt, um Parteipolitik zu betreiben, sondern um für alle da zu sein.»

Veränderungen würde es grundsätzlich aber schon geben, da es ein neues Team sei. Gerade sei der Stadtrat dabei, das Regierungsprogramm für September auszuarbeiten.

Ob für den zweiten Wahlgang für das Vizepräsidium beide Kandidaten noch einmal antreten, ist noch unklar. Rauber und Schär-Sommer sagen beide, sie würden dies morgen gemeinsam besprechen und dann eine Entscheidung treffen.

Der amtierende Stadtpräsident Martin Wey (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Thomas Marbet zur Wahl.

Der amtierende Stadtpräsident Martin Wey (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Thomas Marbet zur Wahl.

Bruno Kissling

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