Fast genau zwei Jahre ist es her, dass der Trägerverein Jugendkulturhaus Provisorium 8 angekündigt hatte, von sich aus die Leistungsvereinbarung mit der Stadt Olten per Ende 2016 auslaufen zu lassen. Seither flackerte die Jugendarbeit nur auf Sparflamme: Die Stadt hatte mithilfe des Schulsozialarbeiters Philipp Gemperle den Treffpunkt im Provi 8 in einem 10-Prozent-Pensum aufrechterhalten. Der Start mit dem neuen Konzept verzögerte sich mehrmals.

Doch nun hat Olten wieder eine Jugendarbeit, welcher den Namen verdient: Der Verein für Jugend und Freizeit aus dem aargauischen Wohlen ist unter der Bezeichnung Jugendwerk Olten seit Anfang August dafür zuständig. Am Donnerstag wurde der operative Betrieb aufgenommen. Am Mittwochabend sind die Räume am Rötzmattweg 8 mit einer Kick-off-Veranstaltung eröffnet worden.

Neu heisst jener Teil des Gebäudes, wo das Jugendkulturhaus mit Eventraum oder Tonstudio untergebracht ist, nicht mehr Provi 8 sondern Garage 8. «Wir wollen mit dem angepassten Namen zeigen, dass nun etwas Neues startet», sagt die Sozialpädagogin Fränzi Schneeberger, die das Jugendwerk Olten leitet. Sie betreibt mit ihrem 80-Prozent-Pensum und dem Vollzeit tätigen Zivildienstleistenden David Summermatter die Anlaufstelle für Jugendliche, das Kulturbüro sowie den neu angeschafften Jugendwerk-Bus, welcher zweimal pro Woche in der Stadt unterwegs ist. «Wir wollen so direkt zu den Jugendlichen gehen und sie dort in ihrem Freizeitumfeld ansprechen», sagt Schneeberger.

Die Zielgruppe der Jugendarbeit sind Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren. In diesem Alter wolle man etwas Ausprobieren, Experimentieren oder einfach mal ohne Leistungsdruck mit jemandem zusammen sein, sagt Schneeberger, die neu beim Aargauer Verein angestellt ist. Sie kann sich auf einen grossen Personal-, Material- und Know-how-Pool des Vereins für Jugend und Freizeit stützen.

In den ersten drei Monaten seit der Übernahme Anfang August ging es vor allem darum, die Räume im ehemaligen Provi 8 mithilfe der Bildungswerkstätte Oltech zu räumen, zu putzen und neu einzurichten. Ebenfalls erstellt wurde das konkrete Konzept. Zudem hat sich das Jugendwerk auch bei den Schulen vorgestellt und so erste Kontakte zu einer wichtigen Zielgruppe geknüpft.

Leistungsvereinbarung für ein Jahr

Am ersten operativen Betriebstag am Donnerstag war das Jugendwerk mit dem neu angeschafften Bus nachmittags zwei Stunden lang auf dem Pausenplatz des Sekundarschulhauses Frohheim präsent. Leiterin Schneeberger zog am Donnerstagabend ein positives Fazit: Obwohl wegen des nationalen Zukunftstages weniger Schülerinnen und Schüler vor Ort waren, seien erste Kontakte mit Jugendlichen, aber auch mit Lehrpersonen geknüpft worden. «Diese müssen sich nun zuerst daran gewöhnen, dass wir hier sind», sagt sie.

Auch die zuständige Stadträtin Iris Schelbert von der Direktion Bildung und Sport äusserte sich zufrieden über die bisherige Zusammenarbeit. «Der Verein arbeitet sehr professionell.» Das Jugendwerk Olten hat gleich viel Geld zur Verfügung wie die früheren Provi-8-Betreiber, nämlich 242'000 Franken, wovon allerdings 90'000 Franken direkt wieder an die Stadt als Mietbetrag für die Räumlichkeiten zurückfliessen. Auch im Budget 2019 sind die netto 152'000 Franken eingestellt. Gemäss Schelbert hat der Stadtrat Anfang November die vorerst einjährige Leistungsvereinbarung mit dem aargauischen Verein abgesegnet. 2019 sei ein «Versuchsjahr», sagt Schelbert. Damit der Versuch gelingt, braucht es nun auch noch die Arbeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Sie haben nämlich die Möglichkeit, die Innenräume der Garage 8 zum Teil noch zu gestalten.