Olten
Frauen erhalten in der Stadt mehr Raum

Mit Maria Felchlin und Liliane Uchtenhagen sind zwei Frauen in der Öffentlichkeit sichtbarer – auch Strassennamen sollen vergeben werden.

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Das Elternhaus von Liliane Uchtenhagen-Brunner an der Hauptgasse ist neu angeschrieben.

Das Elternhaus von Liliane Uchtenhagen-Brunner an der Hauptgasse ist neu angeschrieben.

Bild: zVg

Mehr Sichtbarkeit im öffentlichen Raum – dies eines der Anliegen des Frauenstreik-Kollektivs Olten im Sommer 2019. Gefordert wurde unter anderem, den Grabstein von Maria Felchlin (1899 bis 1987), der ersten praktizierenden Ärztin im Kanton Solothurn, auf dem im Jahr 1996 nach ihr benannten Platz aufzustellen. Seit Anfang November des vergangenen Jahres steht das mit einer Büste der Vorkämpferin für das Frauenstimmrecht geschmückte Monument, das nach Ablauf der Grabesruhefrist auf dem Friedhof Meisenhard weggeräumt worden war, vor der Friedenskirche im Bifangquartier (wir berichteten).

Zu seinem 25-Jahr-Jubiläum könnte der Maria-Felchlin-Platz übrigens auch Zuwachs erhalten: Der Stadtrat hat sich in der Berichterstattung zu parlamentarischen Vorstössen bereit erklärt, bei der Vergabe von neuen Strassen- und Platznamen Frauen zu berücksichtigen, sofern die Benennung nach Persönlichkeiten ins Konzept passt, heisst es in einer Mitteilung.

Aus den Reihen des Frauenstreiks kam auch der Wunsch, dass eine andere Oltnerin im öffentlichen Raum gewürdigt werden, nämlich Lilian Uchtenhagen-Brunner (1928 bis 2016): Ein Messingschild an der Liegenschaft Hauptgasse 36 weist neu darauf hin, dass es sich hier um ihr Elternhaus handelt. Die Ökonomin und Kämpferin für die Gleichstellung war 1983 die erste weibliche Bundesratskandidatin. Das Historische Museum hat zudem persönliche Dokumente, Fotos aus der Zeit in Olten und Objekte in die Sammlung aufgenommen. Das Typoscript ihrer Dissertation und einige Fotos und Objekte wurden zudem in die neue Dauerausstellung im Haus der Museen integriert.

Ausserdem sind verschiedene Veranstaltungen zum 50-jährigen Jubiläum des Frauenstimmrechts geplant, wenn auch virtuell: Solothurner und Oltner Pionierinnen sowie der Überlieferung von Frauengeschichte ist ein Videobeitrag gewidmet, den das Historische Museum gemeinsam mit fem*so erstellte und am 7. Februar auf seinem Youtube-Kanal präsentieren wird. Am Mittwoch, 17. Februar, um 18.15 Uhr lädt Museumsleiterin Luisa Bertolaccini zu einer Online-Führung durch die Sonderausstellung via Livestream auf dem Facebook-Kanal des Historischen Museums. Und am Samstag, 27. Februar, wird als Online-Veranstaltung von 10 bis 17 Uhr eine offene Schreibwerkstatt mit der Anleitung angeboten, wie Solothurner Pionierinnen in die weltweit grösste Enzyklopädie Wikipedia eingetragen werden können. Die Sonderausstellung «Pionierinnen. Eine Würdigung» im Haus der Museen wird zudem voraussichtlich bis 8. August verlängert.

Auch in andern Bereichen setzt sich die Stadt Olten gemäss Mitteilung für Forderungen des Frauenstreik-Kollektivs ein: Der Oltner Stadtrat hat im Jahr 2017 die Charta zur Lohngleichheit im öffentlichen Sektor unterzeichnet. Diese sei aufgrund des Lohnsystems der Stadtverwaltung Olten, das Funktionen unabhängig von den sie bekleidenden Personen bewertet, gewährleistet. Im Personalreglement enthielten sind zudem Massnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie Mutter- und Vaterschaftsurlaub und die Möglichkeit von Teilzeit bei betrieblicher Vereinbarkeit. Die Möglichkeit von Homeoffice wie auch das Angebot von Betreuungsgutscheinen zur Unterstützung familienergänzender Kinderbetreuung bildeten zwei weitere Bausteine. Und nicht zuletzt biete die Fachstelle Integration der Stadt Olten zusammen mit dem Erwachsenenbildungszentrum Olten seit 2019 einen im Kanton einzigartigen Kurs mit Coaching inklusive Kinderbetreuung für Frauen mit dem Titel «Arbeiten in der Schweiz» an. Dieser soll Schweizerinnen und Migrantinnen, die eine Stelle suchen oder einen Beruf erlernen möchten, den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern. (otr)

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