Olten
Eine Generation ist auf der Suche nach Antworten – junge Theaterenthusiasten zeigen erstmals Stück

Eine junge Gruppe zeigt erstmals im Oltner Theaterstudio ein Stück. Es geht um eine Frau, die ihren Platz sucht in der Gesellschaft.

Alexis Strähl
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Regisseurin Elly Suter (ganz links) hat die Rohfassung des Stücks «Das Labyrinth» geschrieben – hier bei einer Probe.

Regisseurin Elly Suter (ganz links) hat die Rohfassung des Stücks «Das Labyrinth» geschrieben – hier bei einer Probe.

Patrick Lüthy

Seine Antwort an Emilia ist niederschmetternd. «Was ist mein Platz in der Gesellschaft?», fragt die junge Frau. «Ich brauche irgendeinen Sinn!» Noch viele weitere Fragen sprudeln aus ihr heraus. Doch ihr Freund Aaron sagt dazu: «Das ist alles? Du weisst doch bloss nicht, was du studieren willst. Das ist ganz normal!» Emilia verstummt, und Aaron doppelt nach: «Wir müssen noch abmachen, wann wir zu meinen Grosseltern gehen.»

Im Theaterstück «Das Labyrinth», welches eine Gruppe von professionell im Theaterbereich tätigen Leuten sowie Laien ab Mitte Juni im Theaterstudio Olten aufführt, werden die grossen Fragen einer jungen Generation verhandelt. Die Hauptperson Emilia, gespielt von der Oltnerin Aline Temperli, ist ehrgeizig und fokussiert sich aufs Lernen für die Schule. Doch dann meldet sich eine innere Stimme und sagt ihr, dass die Gesellschaft ein Labyrinth ist, in dem wir uns verirren und keinen Ausweg finden. Sie beginnt zu zweifeln. Will sie wirklich einen prestigeträchtigen Karriereweg einschlagen, nur damit «meine Kinder in der Kindertagesstätte aufwachsen» und sie in die Ferien an einem Strand in Asien den Laptop zum Arbeiten mitnimmt? Wieso läuft so vieles falsch in unserer Gesellschaft? Ihr Fokus auf die Schule lässt nach, worauf ihr Umfeld unterschiedlich reagiert. Während sich ihre beste Freundin Cleo zunächst über ihr neu erwachtes Interesse am Tanzen freut, findet Aaron die Veränderungen seiner Freundin befremdlich, vor allem, weil sie ihn nicht daran teilhaben lässt.

Theaterprobe für das Stück in der Garage 8 in Olten.

Theaterprobe für das Stück in der Garage 8 in Olten.

Patrick Lüthy

Die 18-köpfige Gruppe, die mehrheitlich in der Region Olten wohnt, lernte sich vor drei Jahren im Umfeld des Landesstreik-Theaters 1918 in Olten kennen. Viele spielten beim Landesstreik-Theater gemeinsam. «Wir wollten weiterhin als Gruppe zusammen Theater machen», sagt die Lostorferin Elly Suter, die vor kurzem eine Schauspielausbildung in Berlin absolvierte und die Rohfassung des Stücks «Das Labyrinth» schrieb. In den drei Jahren trennten sich die Wege der Gruppe. Die Mehrheit der Schauspieler ist zwischen 17 und 25 Jahre alt, weshalb etwa die Ausbildung oder das Militär viel Zeit in Anspruch nahmen. Doch bis auf zwei Leute fand die Gruppe wieder zusammen.

«Manche habe ich zwei Jahre lang nicht mehr gesehen, aber als wir uns wieder getroffen haben, hat es erneut funktioniert»,

erzählt Max Huber, der im Stück Emilias Kindheitsfreund Mirco spielt.

Stück auf die Gruppe zugeschnitten

Gemeinsam mit der Hilfe von Simona Schraner, die ebenfalls im Stück mitspielt, verpasste Regisseurin Suter dem Stück den letzten Schliff. Dabei achtete sie darauf, die Figuren der Theatererfahrung der Beteiligten anzupassen. So hat der Oltner Noah Kim, der im Stück Emilias Freund Aaron spielt, bisher keine Theatererfahrung. «Zwar hat Aaron andere Ansichten als ich, aber vom Typ her haben wir viele Ähnlichkeiten», sagt Kim. In der Art zu sprechen und sich zu bewegen muss er sich deshalb nicht verstellen.

Erstmals probte die Gruppe im September 2020; seit Januar regelmässig ein bis drei Mal wöchentlich, abhängig von der Rolle. Neben den Proben übernehmen alle erwachsenen Mitwirkenden weitere Aufgaben, etwa die Gestaltung des Bühnenbilds oder die Probenplanung. Zusätzlich zu den erwachsenen Spielern machen neun Kinder mit, die jeweils die Hauptpersonen in ihrer Kindheit spielen.

Ein Teil der 18-köpfigen Gruppe bei den Proben zum Theaterstück.

Ein Teil der 18-köpfigen Gruppe bei den Proben zum Theaterstück.

Patrick Lüthy

Die aktuelle Pandemie hat für das Projekt der Gruppe Vor- und Nachteile. Die Planungsunsicherheit und die beschränkte Platzzahl in den Veranstaltungsräumen lässt die Gruppe auf Lockerungen bis Ende Juni hoffen. Die meiste Zeit seit September war es nicht möglich, in grösseren Gruppen zu proben. Bei Leseproben oder Beziehungsproben in Kleingruppen setzten sie sich vertieft mit dem Verhältnis zwischen einzelnen Personen auseinander. Allerdings fielen durch die Pandemie viele Hobbys und Veranstaltungen aus. Ein Vorteil für die Gruppe aus mehrheitlich jungen Leuten, die vielseitig interessiert sind und normalerweise deutlich mehr Termine in ihren Agenden haben.

Hinweis: «Das Labyrinth», Theaterstudio Olten. Programm: Donnerstag, 17. Juni; Freitag, 18. Juni; Donnerstag, 24. Juni; Freitag, 25. Juni, jeweils ab 20 Uhr. Bistro geöffnet ab 19 vor dem Hübelischulhaus. Abendkasse geöffnet ab 19.30 Uhr. Tickets online buchbar: www.das-labyrinth.ch