Olten
Ein multimediales Produkt reduziert auf das schlicht Fassbare

Was «Systemlose Gespräche über Zwischenräume von Kunst und Kultur» als Objekte hergeben: Philipp Künzli stellt im Oltner Mokka-Rubin aus.

Urs Huber
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Philipp Künzli vor der Galerie im Mokka-Rubin: Bilder mit Corona-Erfahrenen.

Philipp Künzli vor der Galerie im Mokka-Rubin: Bilder mit Corona-Erfahrenen.

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

«Und wie war dein letztes Jahr?» Eine interessante Frage, die der in Wangen bei Olten geborene und heute auch in Berlin lebende Philipp Künzli aufwirft. Noch bis zum 13. November stellt der Fotograf und Cinematograph Versuche einer Antwort aus: in bewegten Bildern, Fotografien und tonalen Sequenzen. Ort der Präsentation: das Mokka-Rubin an der Oltner Ringstrasse.

Natürlich zielte die Frage auf das vermaledeite Coronajahr ab. Dazu hat der 44-Jährige bekannte Persönlichkeiten aus dem Kulturbetrieb befragt, sie vor die Kamera gebeten und sich während der Fotosession zur gestellten Eingangsfrage mit ihnen unterhalten; auch mit solchen der Region.

Bilder von Alex Capus, Rolf Strub, Rainer von Arx, Fabienne Hoerni, Christoph Schwager zeugen davon. 35 Persönlichkeiten hat Künzli so festgezurrt, in «systemlosen Gesprächen über Zwischenräume von Kunst und Kultur», wie der Autor das Projekt keck betitelt. «Kollege Remo Buess hat mir für die Arbeit sein Fotoatelier zur Verfügung gestellt», sagte der Mann dankbar an der Vernissage. Nicht alle der Angefragten übrigens wollten dabei sein. Über deren Beweggründe schwieg sich Künzli aus.

Weder aufgedreht noch überrissen

Was überraschen mag: weder Fotografien noch Filmsequenzen wirken expressiv, überdreht, aufdringlich. Eher ruhig, so als hätte sich der Autor mit den Protagonisten über deren liebste Aufenthaltsorte, Ferienträume, Lebenswünsche unterhalten. Ist ein Coronajahr einfach ein Interregnum zwischen Normalitäten? Mitnichten. Künzli sagt:

«Interessant war, dass eigentlich alle der befragten Kulturschaffenden den Austausch untereinander beziehungsweise mit ihrem Publikum ausserordentlich vermissten, auch darunter litten.»

Nicht zu vergessen: Die Pandemie hat bei einzelnen auch die grundsätzliche Infragestellung ihres eigenen Tuns befeuert. Um dies zu verdeutlichen: «Was ist mein Wirken, meine Intention eigentlich wert, wenn weder das eine noch das andere sein Publikum finden kann und darf?»

Weniger physische Präsenz

Darüber kann auch der Umstand nicht hinwegtäuschen, dass sich die jüngere Generation von Kulturschaffenden eher via Social Media in Szene zu setzen versteht und deshalb weniger auf die physische Präsenz vertrauen muss.

Fazit: Künzli hat ein schönes Zeitdokument geschaffen, dessen dokumentarischer Wert sich wohl erst nach der Pandemie völlig entfaltet.

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