Olten
Dinieren unter den Augen römischer Zeitzeugen

Das Ristorante Olivo an der Oltner Baslerstrasse zeigt Fundstücke aus dem 1. und 2. Jahrhundert nach Christus.

Urs Huber
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Geschäftsführer Massimo Santucci mit einer Auswahl archäologischer Funde, die beim seinerzeitigen Bau des Ristorante Olivo ausgegraben wurden.

Geschäftsführer Massimo Santucci mit einer Auswahl archäologischer Funde, die beim seinerzeitigen Bau des Ristorante Olivo ausgegraben wurden.

Bruno Kissling

Jetzt haben sie ihren festen Platz, die Trouvaillen aus vergangenen Tagen: Fragmente keramischen Tafelgeschirrs, Bronzelöffel, zudem gut erhaltene Bruchstücke von Wein- und Olivenölamphoren, Münzen aus den ersten drei Jahrhunderten nach Christus.

Raritäten aus der Römerzeit

Unschwer zu bemerken, dass es sich bei den Raritäten um solche aus der Römerzeit handelt. Ein an sich schon reizvoller Umstand. Noch reizvoller macht ihn aber die Tatsache, dass alle ausgestellten Fundstücke auch am Ort ihrer jetzigen Bleibe zum Vorschein kamen. Beim Neubau der Liegenschaft Baslerstrasse 15, dem Restaurant Olivo, fast in der Verlängerung der Achse Römerstrasse gelegen (wir berichteten mehrfach). Nomen est omen quasi.

«Die Idee, eine Auswahl an Fundstücken als Leihgaben der Kantonsarchäologie im Haus auszustellen, ist nicht neu», sagt Massimo Santucci. Er ist seit Oktober letzten Jahres Geschäftsführer des «Olivo». Als solcher hat er das etwas in den Hintergrund gedrängte Vorhaben wieder an die Oberfläche geholt. Und dessen Umsetzung vorangetrieben. Im März wurden 5 in die Wand eingelassene Vitrinen mit Funden bestückt, die zum einen ausgezeichnet zur jetzigen Verwendung der Liegenschaft taugen, zum andern über die dortige Lebenspraxis vor rund 1800 Jahren Zeugnis ablegen.

Auffallend viele Münzen gefunden

Die Baslerstrasse als einfache Nebenstrasse war mit Holz- und Fachwerkhäusern bestückt, wie Archäologe Fabio Tortoli zu verstehen gibt. Gegen Ende des 2. Jahrhunderts ersetzten zwei Steinbauten die älteren Häuser. Vielleicht war in der grösseren von ihnen eine Wirtschaft oder ein Laden untergebracht. Denn es gingen dort auffallend viele Münzen verloren, wie die Funde der aktuellen Gegenwart zeigen. Apropos Wirtschaft: Gegessen wurde damals, so die Kantonsarchäologie, mit den Händen und einem kleinen Löffel. «Ein Besteck mit Messer und Gabel kannte man damals noch nicht», so Tortoli.

Dafür hielten Olivenöl und Wein in Olten Einzug, wurden würzige Saucen in Reibschüsseln zubereitet. Zusammen mit allen andern Wirtinnen und Wirten hofft Santucci, das Olivo Anfang Mai wieder öffnen zu können. Neben Kulturgütern aus römischer Zeit werden dann auch lukullische Elemente aus fernen Tagen die Speisekarte (die Pinsa, die Urpizza der alten Römer, gibt’s bereits im Angebot) bereichern.

Nicht bloss Archäologisches zeigen

Auch sollen weitere Dokumentationen die Räumlichkeiten des Ristorante zieren. So etwa ein handgeschaffenes Modell des Vicus, der Siedlungsform mit kleinstädtischem Charakter in den nördlichen Provinzen des Römischen Reichs. Aus einem der zahlreichen Vici nördlich der Alpen wurde schliesslich die Stadt Olten.

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