Olten
«Die sensationellste Erfindung dieses Jahrhunderts»: Vor 125 Jahren wurden in Olten zum ersten Mal Kinofilme gezeigt

Damals war in der «Bierhalle zur Krone» ein Kinematograph «zu bestaunen», wie es in einem Inserat im Oltner Tagblatt hiess. Aber nur für wenige Tage.

Urs Amacher
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«Nur für einige Tage»: ein Kinematograf in Olten.

«Nur für einige Tage»: ein Kinematograf in Olten.

zvg

Heinrich Hempele, Besitzer der Kronenhalle oben an der Oltner Mühlegasse, sparte nicht mit Superlativen. Im Jahre 1896, vor 125 Jahren, brachte er eine absolute Neuheit nach Olten und pries sie gleich als «Die sensationellste Erfindung dieses Jahrhunderts» an. In einem Inserat im damaligen «Oltner Tagblatt» kündigte er an, dass in seiner «Bierhalle zur Krone» ein Kinematograph zu bestaunen sein werde, und lud die Bevölkerung «zu zahlreichem Besuche» ein.

Der genannte Kinematograph werde «nur für einige Tage!» in Olten gastieren und «je nachmittags von 3 Uhr an bis abends 10 Uhr» in Betrieb sein. Diese so beworbene Vorführung von bewegten Bildern führt in die Urzeit der Oltner Kinogeschichte zurück.

Hempele war umtriebig. Er stammte aus Obersentheim, 20 Kilometer westlich von Mühlhausen gelegen, und war ursprünglich Bierbrauer. Er kam 1884 nach Olten. Die neben der «Krone» (mittlerweile McDonald’s) etwas von der Mühlegasse zurückgesetzte «Bierhalle zur Krone» betrieb er einerseits als Restaurant, aber auch als Charcuterie (Fleischwarenhandlung), Bierdepot der Salmenbrauerei und Weinhandlung. So muss es nicht erstaunen, dass er als Erster einen Kinematographen ins ­Aarestädtchen holte.

Ein Jahr nach der Weltpremiere

Im Vorjahr, am 28. Dezember 1895, war Weltpremiere gewesen, als die Brüder Auguste und Louis Lumière in Paris zum ersten Mal ihre Kurzfilme öffentlich vor Publikum zeigten. Von dort aus trat das Kino seinen Siegeszug an. Mit ihrem Kinematographen – wörtlich Bewegungsschreiber – konnten bewegte Bilder sowohl aufgezeichnet als auch an die Wand projiziert werden. Vom Abspielgerät ging der Name über auf den ganzen Saal, in welchem der Kinematograph zum Einsatz kam, weshalb wir heutzutage vom Kino oder Cinéma sprechen. In der Annonce verspricht Hempele, sein Kinematograph zeige «die lebende Photographie in natürlicher Grösse und Farbenpracht».

Damit dürfte er etwas übertrieben haben, bestanden doch die Filme aus Schwarz/weiss-Aufnahmen, die nachträglich von Hand koloriert wurden. Farbfilme, die diesen Namen verdienen, kamen erst in den 1930er-Jahren auf. Dafür waren die Filmvorführungen in der «Krone» musikalisch untermalt. Die Melodien zu bewegten Bildern kamen aus einem Phonographen Marke «Edison ideal». Wie viel das Vergnügen kostete, ist der Ankündigung nicht zu entnehmen.