Olten
Das schreibt der Stadtrat in der Abstimmungsbroschüre zur Schulanlage Kleinholz

Die Abstimmungsbroschüre zur Volksabstimmung vom 13. Juni zur Schulanlage Kleinholz geht diese Woche zu den Oltner Stimmberechtigten. Darin beziffert der Stadtrat die erforderliche Zusatzfinanzierung je nach Szenario – ohne oder mit Dreifachturnhalle – auf 5 bis 7 Steuerprozente über zehn Jahre.

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Visualisierung des Projekts windmolen

Visualisierung des Projekts windmolen

zvg

Das Gemeindeparlament hat bereits 2018 beschlossen, dass die neue Schulanlage im Quartier Kleinholz, wo die Bevölkerung stark wächst, erstellt wird. Es hat zudem festgehalten, dass das Raumprogramm Schulraum für 16 Klassen (4 Kindergärten und 12 Primarschulklassen), eine Erweiterungsmöglichkeit auf 24 Klassen, Tagesstrukturen und eine Dreifachturnhalle umfassen soll.

Stadtrat und Parlament legen nun dem Stimmvolk am 13. Juni die Schulanlage gemäss dem aus einem Wettbewerb als Sieger hervorgegangenen Projekt «windmolen» in zwei Varianten vor. Die Kosten beziffern sich auf 25,6 Mio. Franken für das Schulhaus und 14,2 Mio. Franken für die Dreifachturnhalle in der vom Stadtrat favorisierten Kombination.

Wird das Schulhaus ohne Dreifachturnhalle umgesetzt, «so entfallen Synergien bei der Fassaden- und Umgebungsgestaltung und wird der Bau mit 28,6 Mio. Franken rund 3 Mio. Franken teurer als in Kombination mit der Turnhalle», heisst es in einer Mitteilung der Staatskanzlei. Zudem würde die dann erforderliche Umnutzung der Stadthalle zur Schulturnhalle zusätzliche Investitionen erfordern und ihre Einsatzmöglichkeiten als Sport- und Eventhalle einschränken.




Bruno Kissling

Wachsende Kostengenauigkeit im Laufe der Planung

Im Laufe der mehrjährigen Planung haben sich die Kostenschätzungen erhöht. Dazu hält der Stadtrat fest, die Projektentwicklung für einen solchen kostenintensiven Bau erfolge in Teilphasen: In den Anfängen der Planung wurde der Einsatz von vorfabrizierten Elementen erwogen, die zu weitaus geringeren Investitionen geführt hätten, deren Lebensdauer aber auch entsprechend geringer gewesen wäre.

Aus Gründen der Nachhaltigkeit wurde daher eine «traditionelle» Bauweise vorgezogen. Während der Planung hat die Stadt Olten auch Weichenstellungen in Richtung Klimaschutz gestellt, die sich nun auch auf der Kostenseite auswirken. «Die geforderte CO2-Neutralität und der SNBS-Gebäudestandard (Heizung, Lüftung, Materialisierung, Dämmung) führen zwar zu einer ökologischen Bauweise und einen ökologischen Betrieb, sind aber nur mit Zusatzkosten im Bereich von rund 10% der Anlagekosten umsetzbar, die sich erst in einer langfristigen Sichtweise bezahlt machen», schreibt die Stadtkanzlei dazu.

Über den wirtschaftlichen Betrieb der Anlage mit tieferen, jährlich wiederkehrenden Energie-, Betriebs- und Unterhaltskosten könnten diese Mehraufwände amortisiert werden. Mit jeder Phase erfolgten auf diese Weise weitere Abklärungen, die sich auf die Kostengenauigkeit auswirkten, betont der Stadtrat.

Kleinere Klassenräume und sonstige Einsparungen

Zur Kostenreduktion erfolgten mehrere Überarbeitungen des Projekts. So wurden durch eine Verkleinerung des Planungsrasters alle Regelklassenräume von ursprünglich 80 auf 72 m2 und damit verbunden alle weiteren Flächen proportional reduziert. In vielen Bereichen, insbesondere bei den Musik- und Gemeinschaftsräumen, wurden konstruktive Vereinfachungen umgesetzt.

In einer zweiten Optimierungsphase wurden die Verkehrsflächen und der Bereich des Foyers durch Verschiebung der Achsen der Gebäudeflügel nochmals verkleinert. Dabei wurde auch auf zwei Gruppenräume verzichtet. Im technischen Bereich wurde die Unterkellerung auf den für den Betrieb erforderlichen Teil reduziert.

Verschiedene Projektanpassungen führten ausserdem zu einer Optimierung der Betriebskosten und der Nachhaltigkeit, indem Faktoren wie gute Dämmung und nachhaltige Materialien, Einbezug betrieblicher Anforderungen in die Planungsphase, CO2-neutraler Betrieb dank Anschluss an die Fernwärme und Photovoltaik für Eigenversorgung beachtet wurden.

Die Projektsteuerung hat zudem mit Blick auf die nächste Projektphase den Auftrag erteilt, in jeder Fachdisziplin eine möglichst grosse Kostenoptimierung anzustreben, unter anderem durch ein Anheben des Untergeschosses im Turnhallenbereich, bei der Fassadengestaltung, der Anordnung der Technikräume, der Entwässerung und der Umgebungsgestaltung.

Ablehnung würde zu Verzögerungen führen

«Würde die gesamte Vorlage abgelehnt, stünde die erforderliche neue Schulanlage im Jahr 2024 nicht zur Verfügung», betont der Stadtrat in der Abstimmungsbroschüre. Der Projektierungsprozess müsste von vorne beginnen, dabei würden neue Planungskosten entstehen und die bisher aufgelaufenen Planungskosten von 2.72 Mio. Franken müssten abgeschrieben werden.

Falls die Investitionskosten reduziert werden sollten, müsste man von einigen Anforderungen (pädagogisches Konzept, Energiestadt, Reduktion CO2, Qualitäten für das Quartier und die Vereine) abrücken und auf Aspekte wie Etappierbarkeit und/oder Erweiterbarkeit verzichten.

Last but not least wären bei einer Ablehnung der Vorlage auch negative Auswirkungen auf die Standortattraktivität und damit auf vorgesehene Investitionen von Privaten im Quartier, das schon lange auf ein neues Schulhaus hofft, zu erwarten.

Bei einer Ablehnung lediglich der Dreifachturnhalle müsste die als Sport- und Eventhalle konzipierte Stadthalle für den Schulsport umgebaut werden. Das entsprechende Projekt und dessen finanzielle Auswirkungen sind noch nicht definiert; die umgebaute Halle würde somit bei der Eröffnung des neuen Schulhauses noch nicht zur Verfügung stehen.

Zusatzfinanzierung erforderlich

Die Vorlage steht im Umfeld der Finanz- und Investitionsplanung 2022-2028, deren Vorgaben für die verwaltungsinterne Erarbeitung der Stadtrat kürzlich verabschiedet hat. In der Abstimmungszeitung beziffert er die erforderliche Zusatzfinanzierung je nach Szenario – ohne oder mit Dreifachturnhalle – auf 5 bis 7 Steuerprozente über zehn Jahre.

Angesichts der durch die STAF-Vorlage stark reduzierten Steuerbelastung juristischer Personen und der dadurch eingeschränkten Verschuldungsmöglichkeit sowie des hohen Investitionsbedarfs – unter anderem in Schulanlagen, neuen Bahnhofplatz, Krematorium, Kunstmuseum, Badi und Bühnenhaus Stadttheater – sieht der Stadtrat aus heutiger Sicht eine Steuererhöhung ab 2022 auf 112% (bisher 108%) sowie eine Limitierung der Pro-Kopf-Verschuldung bei 4000 Franken (bisher 2500 Franken) vor.

Dies würde in den kommenden sieben Jahren ein maximales Investitionsvolumen von rund 97 Mio. Franken erlauben. Die definitiven Entscheide zum Steuersatz werden der neue Stadtrat und das neugewählte Parlament im kommenden Herbst aufgrund der dann aktuellen Lage fällen. (sko)

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