Olten
Dank Massnahmen weniger Fluchtverkehr durchs Säliquartier – doch es gibt auch eine neue Schleichroute

Mit den Barrieren und der Sperre hat sich der Schleichverkehr im Oltner Säliquartier generell reduziert – doch es kommt auch zu Mehrverkehr. Nach der Lockerung des Regimes Anfang August will der Stadtrat demnächst weitere Verkehrsmessungen vornehmen.

Fabian Muster
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Die Barriere an der Gartenstrasse ist seit Anfang August nur noch zu den Stosszeiten geschlossen. Was diese Lockerung des Regimes zur Folge hat, wird nun in einer weiteren Verkehrsmessung untersucht.

Die Barriere an der Gartenstrasse ist seit Anfang August nur noch zu den Stosszeiten geschlossen. Was diese Lockerung des Regimes zur Folge hat, wird nun in einer weiteren Verkehrsmessung untersucht.

Bruno Kissling

Seit Mitte April sind die beiden Barrieren an der Riggenbach- und an der Gartenstrasse sowie die Sperre mit Betonblöcken auf dem Maria-Felchlin-Platz installiert, um den Schleichverkehr durchs Oltner Säliquartier zu unterbinden. Der auf ein Jahr ausgelegte Pilotversuch hat bisher grösstenteils sein Ziel erreicht, wie Verkehrsmessungen der Stadt und der Firma Metron AG zeigen, die im Februar vor den Verkehrsmassnahmen und im Mai nach deren Einführung gemacht wurden. «Es konnte festgestellt werden, dass grundsätzlich das Ziel, den Schleichverkehr durchs Quartier zu reduzieren, durch die getroffenen Massnahmen erreicht wurde», heisst es in einer Mitteilung der Stadtkanzlei.

Konkret bedeutet dies: In der Reiserstrasse liegen die Zahlen rund einen Drittel unter dem Wert vor der Einführung der Massnahmen, an der Feldstrasse kam es zu leichten, an der Maienstrasse zu deutlichen Entlastungen. Mehrverkehr gab es hingegen auf dem kantonalen Strassennetz. Dies aber nicht nur wegen des unterbundenen Schleichverkehrs, sondern auch wegen der Umwegfahrten der Quartierbewohner, die aufgrund der Massnahmen nötig wurden. Konkret zugenommen hat der Verkehr auf dem Wilerweg, aber auch auf der Engelbergstrasse. Letztgenanntes rührt laut Anwohnenden wohl daher, weil sich mit der Achse Bifangplatz–Engelbergstrasse–Reiserstrasse eine neue Schleichroute entwickelt hat.

In separaten Messungen, welche die Stadt in der ersten Julihälfte während einer Woche durchgeführt hat, schlägt auch der Teil des Krummackerwegs zwischen Wilerweg und Engelbergstrasse aus: Dort wurden durchschnittlich pro Tag 617 Fahrzeuge gemessen; das sind alle 2,5 Minuten ein Auto. An den anderen schmaleren Quartierstrassen fällt der Durchgangsverkehr viel geringer aus: Auf dem Pfarrweg fuhren laut der Messung durchschnittlich 180 Fahrzeuge pro Tag, auf der Kreuzstrasse 167 und auf dem Krummackerweg West zwischen Riggenbachstrasse und Engelbergstrasse deren 53. Das ist noch jede halbe Stunde ein Auto. Eine Anwohnerin schreibt in einem E-Mail an die Stadtverwaltung, welches auch dieser Zeitung vorliegt: Es gebe neben der Abnahme des Schleichverkehrs auch «deutlich weniger Fremdparkierende». Vor den Massnahmen hätten tagsüber Sälipark-Besuchende, Studierende der Schulen im Quartier oder abends Benützende der umliegenden Turnhallen ihre Autos am Krummackerweg abgestellt.

Weitere Messung und Umfrage bei der Bevölkerung stehen an

Seit Anfang August ist die Barriere an der Gartenstrasse nur noch werktags von 6 bis 9 Uhr und von 16 bis 19 Uhr geschlossen. Dies laut Mitteilung, weil nach Ansicht des Stadtrats die unterschiedlichen Interessen innerhalb des Quartiers nach der Lockerung des Regimes «in einem besseren Verhältnis stehen». An der vergangenen Sitzung hat der Stadtrat nun beschlossen, demnächst eine weitere Verkehrsmessung durchzuführen. Deren Resultate sollen mit den Werten der ersten Messung vor den Massnahmen und der zweiten nach den Massnahmen verglichen werden. Diese zusätzlichen Kosten von 13'000 Franken waren nicht budgetiert; der Stadtrat hat den Nachtragskredit an der Montagssitzung nun genehmigt. Anschliessend möchte die Regierung Oltens eine Bevölkerungsumfrage im Säliquartier durchführen. Diese soll laut Mitteilung qualitativen Charakter haben und dem Stadtrat als Grundlage dienen, ob respektive welche Verkehrsmassnahmen definitiv eingeführt werden.

Die Medienstelle der Kantonspolizei schreibt auf Anfrage, dass man «praktisch täglich im Rahmen der ordentlichen Patrouillentätigkeit in dem Quartier präsent ist». Zudem fanden seit Anfang Jahr rund 70 gezielte Kontrollen im Säliquartier statt, knapp 40 davon seit Mitte April 2021.

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