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Olten als Tattoo-Hotspot: «Wer schön sein will, muss leiden»

Bereits zum fünften Mal konnten sich Besucher am Tattoo-Event in der Oltner Schützi unter die Nadel legen.

Sarah Kunz
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Mit farbiger Tinte verziert dieser Künstler in der Schützi das Bein seiner Kundin. Die Rose im expressionistischen Stil ist nur eines der vielen Meisterwerke vom fünften Oltner Tattoo-Event.
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Traditionell von Hand gestochen.
Tattoo-Event in der Schützi
Die meisten Künstler arbeiten mit einer elektrisch betriebenen Tätowiermaschine.

Mit farbiger Tinte verziert dieser Künstler in der Schützi das Bein seiner Kundin. Die Rose im expressionistischen Stil ist nur eines der vielen Meisterwerke vom fünften Oltner Tattoo-Event.

Remo Fröhlicher

Die Schönheit von Kunst liegt immer im Auge des Betrachters. Genauso ist es mit Tattoos. Geschmäcker sind eben verschieden. Eines ist jedoch unter den Anwesenden in der Schützi unbestritten: Bei den aufwendigen Werken der Tätowierer am fünften Oltner Tattoo-Event handelt es sich definitiv um Kunst.

Dieser fand am Wochenende in und auf der Schützi statt. Im Innern werden an verschiedenen Ständen Tattoos gestochen, und wer danach wieder ein wenig frische Luft braucht, kann draussen durch die Stände schlendern. Diese haben alle etwas gemeinsam: Ob Lederjacken, Schmuck oder T-Shirts, vieles ist in der Farbe Schwarz gehalten. Ebenfalls überwiegen bei den Accessoires Motive wie Totenköpfe oder flammende Motorräder.

Die Stände wirken deshalb zwar ein wenig düster, die Stimmung auf dem Gelände ist jedoch fröhlich und familiär. Irgendwie kennt jeder einfach jeden. «Es ist wie ein Wanderzirkus durch die Schweiz», erzählt Toni, Mitglied des Organisationskomitees. In der Schweiz gebe es rund 13 Tattoo Conventions und mit dabei seien oft immer wieder dieselben Artisten und Besucher aus den jeweiligen Regionen. Deshalb kennt man sich mittlerweile. Der Anlass findet aber auch bei Leuten ausserhalb dieser Tattooszene Anklang.

Überall blitzt Tinte hervor

Viele der Besucher sind vom gleichen Schlag: Überall blitzt Tinte hervor. Einige tragen sie ganz offen am ganzen Arm, Andere dezent hinter dem Ohr. Für sie sind die Werke ein Weg, sich selbst verwirklichen zu können. Sie tragen die Kunst mit Stolz. Es gibt aber auch einige, deren Haut noch blank ist. Sie kommen vor allem, weil sie sich für die Entstehung der Körperkunst interessieren und sehen wollen, wie die Nadeln die Tinte unter die Haut stechen.

Diesen Einblick erhält man an den verschiedenen Ständen der Tattoostudios im Innern der Schützi, wo das Sirren der vielen Tätowiermaschinen zu vernehmen ist. Dort liegen oder sitzen Besucher auf sterilen Bahren, während die Künstler mit höchster Konzentration und ruhiger Hand am Werk sind. «Eine Convention ist gleichzeitig eine Leistungsschau für die Künstler», erklärt Toni. Deshalb sind jeweils nur die besten Künstler der ausgewählten Studios am Werk. Diese konkurrieren darum, wer am Ende des Tages die schönste Haut präsentieren kann. Zum Schluss gibt es ausserdem eine Preisverleihung für das beste Kunstwerk.

Traditionell oder modern

Auch auswärtige Tattoostudios kommen gerne nach Olten. «Hier stimmt das Verhältnis von Künstlern und Besuchern», meint ein italienischer Tattookünstler. Kleinere Conventions hätten einen familiären Charme, verrät Toni. Das sei für die Besucher und für die Tätowierer angenehmer. Auch, weil man vor fremden Augen tätowiert werde, und das sei eben nicht für jeden etwas.

Einer der Stände hebt sich von den anderen ab. An diesem benutzt der Künstler nämlich keine moderne Maschine wie alle anderen, sondern sticht nach traditioneller, thailändischer Art von Hand. «Es sieht schmerzhafter aus, als es ist», beschwichtigt die Besucherin. Sie wollte sich heute eigentlich kein Tattoo stechen lassen, konnte der Versuchung aber nicht widerstehen. «Ich wollte schon immer ein von Hand Gestochenes», schwärmt sie. Der Künstler erklärt: «Mit dem Stab gibt es nur Löcher in die Haut, eine Maschine hingegen reisst viel mehr auf.»

Weniger entspannt geht es an einem Stand auf der anderen Seite der Trennwand zu. Dort malträtieren gleich zwei Tätowierer den Rücken eines Mannes. Die Haut um die Tinte ist stark gerötet, der Kiefer des Mannes zusammengepresst. Das sieht kaum noch nach Spass aus. Seit über vier Stunden hält er seinen Rücken hin. «Wie lange geht es denn noch?», fragt Organisator Toni. «Eine halbe Stunde», presst der Mann hervor. Länger geht wohl nicht mehr. «Wer schön sein will, muss eben leiden», lacht einer der Künstler. Deren Mühe und das Durchhaltevermögen des Mannes zahlen sich schlussendlich aus: Das Tattoo gewinnt den Contest.