Olten
Als das Skalpell an zwei Tischen ansetzte: Im Kantonsspital sind Bilder von damals zu sehen

Eine Ausstellung im Kantonsspital Olten zeigt Impressionen aus der Periode 1970 bis Mitte der 1990er-Jahre; etwa als Operationen noch zeitgleich im selben Saal liefen.

Urs Huber
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Heute kaum mehr vorstellbar: zwei Operationen gleichzeitig im selben Operationssaal; Bild undatiert.

Heute kaum mehr vorstellbar: zwei Operationen gleichzeitig im selben Operationssaal; Bild undatiert.

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Säuglinge, schier militärisch ausgerichtet in einer Reihe liegend, zwei gleichzeitig durchgeführte Operationen im Saal, Arbeitskleider, die eher an jene von Aufseherinnen in Strafanstalten erinnern: Bis 20. August 2021 zeigt das Kantonsspital Olten (KSO) betriebsinterne Fotos von «damals». «Damals» heisst: Bilder aus der Periode 1970 bis Mitte der 1990er-Jahre. Die Ausstellung ist für Patientinnen, Patienten sowie deren Besucher zugänglich.

Vieles wirkt heute mehr als unvorstellbar

Für Ausstellungen im Kantonsspital Olten zeichnet seit 1996 eigens eine «Imagegruppe Kultur» verantwortlich. «Diese hat zum Ziel, regionalen Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten und gleichzeitig internen und externen Passanten künstlerisches Schaffen in den Alltag zu bringen», wie die Medienstelle der Solothurner Spitäler AG zu verstehen gibt.

Für die aktuelle Ausstellung hat die Imagegruppe aber eigenhändig aus dem Vollen geschöpft. «Ich glaube, die Ausstellung ist vor allem für ehemalige und jetzige Mitarbeitende des Kantonsspitals oder andere Personen aus den Gesundheitsdiensten interessant», so Lukas Eisner, Facharzt für Chirurgie und Gefässchirurgie sowie Sprecher der Imagegruppe.

Zwei Operationen gleichzeitig in einem Saal: Das sei heute unvorstellbar, gibt er zu verstehen. Oder: «Die Erscheinungsform der Arbeitskleider hat sich im Vergleich zu heute ebenfalls stark verändert», so Eisner weiter. Das Ausstellungsgut stammt fast ausschliesslich aus dem betriebsinternen Archiv, die Bilder sind ausnahmslos in schwarz-weiss gehalten; Zeitungsberichte aus den frühen 1970er-Jahren sowie Bilder aus dem Fundus von Rudolf Leuenberger (Wangen bei Olten) wirken ergänzend.

Bettenhaus rechts und Behandlungstrakt (ab Mitte der 1960er-Jahre).

Bettenhaus rechts und Behandlungstrakt (ab Mitte der 1960er-Jahre).

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Die Bilder an sich sprechen für sich; sie sind weder exakter datiert noch sonst wie bezeichnet. Bei welcher Tätigkeit die Personen fotografiert wurden, erschliesst sich deshalb häufig nur Insidern. Eigentlich schade.

Ein Blick weiter zurück: Am Anfang stand die Wasserqualität

Aber beim Blick auf die aktuelle Ausstellung lohnt sich auch eine kleine Revue in die Geschichte des Hauses; vielleicht auf die ersten 50 Jahre seines Bestehens. Der Ursprung des Kantonsspitals Olten reicht zurück bis in die späteren Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. 1880 wurde das Gebäude nach zweijähriger Bauzeit eröffnet; in der Hagmatte und nicht wie erst vorgesehen im Oltner Ziegelfeld: Dort nämlich waren die Wasserversorgung beziehungsweise die Wasserqualität schlecht, wie im Jahrbuch für solothurnische Geschichte aus dem Jahr 1966 nachzulesen ist.

Die neue Baute schliesslich glich eher einem Schulhaus denn einem Spital und war für 30 Patientinnen und Patienten ausgelegt. Sechs grosse Krankensäle auf drei Stockwerken wurden umgesetzt, nicht aber Badezimmer oder Operationssaal.

Auch kleine Isolierzimmer fehlten fast ganz. Bereits 1881 tauchte die Frage nach einem eigentlichen Spitalfriedhof auf. Da wird blitzartig verständlich, weshalb der «Glunggebur» in Gotthelfs Stück «Ueli der Pächter» findet, der Doktor arbeite auch bloss für den Friedhof. So weit kam’s allerdings nicht.

Die Einwohnergemeinde Olten beschloss, auf dem Burghof einen Friedhof einzurichten, weil jener bei der Stadtkirche zu klein geworden war. Wie erfolgreich die im zweiten Betriebsjahr durchgeführten 56 Operationen verliefen, ist leider nicht überliefert.

Säuglinge, von individueller Behandlung noch keine Spur. Aufnahme undatiert.

Säuglinge, von individueller Behandlung noch keine Spur. Aufnahme undatiert.

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Item: Weitere Fortschritte hielten Einzug: 1890 kam das erste Telefon ins Haus, 1896 konnte die elektrische Beleuchtung eingerichtet werden. Zuvor hatten auf den Krankenzimmern Petrollampen gebrannt. 1897 nahm der erste Krankentransportwagen (wahlweise einspännig oder zweispännig geführt) seinen Dienst auf.

Zuvor wurden «die Patienten durch ein offenes, gelb gestrichenes Korbwägelein oft stundenlang und bei jedem Wetter von Hand herangestossen», steht im Jahrbuch von 1966 zu lesen. Dieser Transport sei für die Anstalt ein eigentliches Verlustgeschäft gewesen, denn er war in der Spitaltaxe inbegriffen.

Kurz vor dem Sprung ins 20. Jahrhundert

Und dann, an der Schwelle zum 20. Jahrhundert: ein Sprung. 1899 hielt der erste Röntgenapparat Einzug, 1902 auch eine Zentralheizung. Im Sommer 1918 führte die Spanische Grippe zu einem Besuchsverbot, auch die gemeinsame Weihnachtsfeier fiel dahin.

Zwei Jahre später zirkulierte das erste Krankenauto im Dienst des Kantonsspitals; das Ambulanzfahrzeug der Marke Berna war für 34'464 Franken angeschafft worden; gut 26'000 Franken sponsorten Private, Gemeinden und Industrielle, wie man heute sagen würde. Die Restkosten von rund 8000 Franken hatte der Kanton zu bezahlen. Die Beschaffung des nächsten Wagens erfolgte erst elf Jahre später.

Ambulanzdienst, Bild undatiert, vermutlich frühe 1970er-Jahre.

Ambulanzdienst, Bild undatiert, vermutlich frühe 1970er-Jahre.

zvg

1924 wurden, nach mehrfachen Ausbauten des Betriebs in der Vergangenheit und beabsichtigten in der Zukunft, ein Personenlift für Patienten, das Gebäude für Mechanotherapie (maschinelle Heilgymnastik), ein Arbeits- und Esszimmer für die Assistenten, ein Essraum für die Angestellten und Lavabos in allen Krankenzimmern eingerichtet. Die Neuzeit hatte begonnen.

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