Offline sein fällt dem Menschen in der digitalen Welt von heute schwer. Wer schaltet schon sein Handy einmal aus und sucht bewusst Ruhe? Diese Frage stellte sich Martin Bütler im Frühjahr gemeinsam mit zwei Freunden. Bütlers ehemaliger Nachbar, ein Deutscher Designer, hatte die zündende Idee gehabt. Bei seiner Tätigkeit für eine Designerfirma begegnete Lennart Behrmann einem zweilagigen Abschirmgewebe. Dieses blockiert sämtliche aktuell existierenden Kommunikationsfrequenzen.

Als Behrmann diesen Stoff in den Händen hielt, wuchs die Vision einer Offline-Handyhülle. Er überzeugte den Hägendörfer Martin Bütler und seinen ehemaligen Studienkumpanen James Rushton vom skizzierten Produkt. Dann ging alles sehr schnell. Die beiden Ökonomen kündigten ihren sicheren Job beim weltgrössten Waagenhersteller Mettler-Toledo. Kurzerhand gründete das Trio eine Aktiengesellschaft. Seit neun Monaten lautet Bütlers Titel auf LinkedIn: «Co-Founder bei LeBehr.»

Einst an der Kanti

Bütler ist der Provinz längst entflohen. Nach der Matura an der Oltner Kanti führt ihn sein persönlicher Kompass an die Uni St. Gallen. Bachelor in «Business Administration», Master in «Accounting & Finance». Der Hägendörfer ist bald schon in der Wirtschaftswelt daheim. Via Medizintechnik in Basel strandet Bütler wenige Jahre später in der Wirtschaftsmetropole Zürich, reift zum umtriebigen Geschäftsmann. «Für den Job zog ich in die Nähe des Flughafens», sagt Bütler. Von Montag bis Donnerstag jettet er beruflich um den Globus. Doch nach fünf Jahren gibt er seine gute Position auf, sucht fortan mit «LeBehr» sein Glück.

In den ersten neun Monaten des neu gegründeten Unternehmens galt es, den Prototypen zu einem markttauglichen Produkt zu entwickeln. Zunächst versuchte das Trio, mithilfe eines externen Beraters eine Handy-Hülle aus Spezialstoff anzufertigen. Der Versuch scheiterte. «Entweder genügte das Ergebnis unseren optischen Ansprüchen nicht, oder dann nicht den funktionellen Anforderungen», erzählt der 37-Jährige. Deshalb änderten die drei Start-up-Freunde den Kurs, setzten sich hinter die Nähmaschine und begannen, Prototypen aus Leder zu entwerfen. Bütler lacht: «Wir wendeten unsere Kenntnisse aus der Handarbeit zu Primarschulzeiten an.» Unterstützung erhielt «LeBehr» von einem Nachbarn Bütlers, der Schuhmacher ist.

Als dann ein Produkt vorlag, das den Vorstellungen der Unternehmer entsprach, traten sie mit ihren Wünschen an Produzenten aus Polen, Portugal und Spanien heran. «Der Prototyp aus Spanien gefiel uns qualitativ mit Abstand am besten», sagt Bütler. Für den gebürtigen Hägendörfer begann somit ein intensiver Austausch mit dem Hersteller. Bütler reiste regelmässig ins zwei Autostunden von Malaga entfernte Ubrique. Im andalusischen Dorf wird ein Grossteil der Lederverarbeitung Spaniens abgewickelt.

Zurück aus Spanien

Mitte Oktober kam der erste Produktionslauf aus Spanien. «LeBehr» zog in dieser Zeit in die Zürcher Innenstadt, um an zentraler Lage für seine spezielle Handy-Hülle zu werben.

Bütler und Rusthon überlassen als gewiefte Unternehmer nichts dem Zufall. Nach zwei Produktionsläufen strebt das Trio in absehbarer Zeit eine Kapitalerhöhung mit externen Investoren an. Erst möchte «LeBehr» den Schweizer Markt besetzen, dann aber sukzessive ins Ausland expandieren. «Wir sind überzeugt, dass unser Produkt momentan funktional und optisch auf dem Weltmarkt führend ist», sagt Bütler.

LeCase Cognac Braun; derzeit ausverkauft.

LeCase Cognac Braun; derzeit ausverkauft.

«LeBehr» – der Begriff abgeleitet aus dem Namen des Designers Lennart Behrmann – hat grosse Pläne. Noch vor Weihnachten kommt ein Portemonnaie mit derselben Technologie auf den Markt. Es schützt vorderhand Kreditkarten vor den gehäuften, kontaktlosen Raubbuchungen.

Zürich und Olten

Zunächst beginnt das Start-up aber im Kleinen. Nebst dem Onlineverkauf ist die neu auf dem Markt erschienene Handyhülle erst in zwei Läden erhältlich: nämlich in Zürich – und in Olten. Womit sich Martin Bütlers Wurzeln in der Region offenbaren. Mit Lea Dätwyler besuchte er in seiner Jugend die Kanti Olten. Heute betreibt sie das Kaufhaus Krone mit ihrer Mutter Susanne Grob und verkauft neuerdings Martin Bütlers Handyhülle.