Der Ländiweg ist wieder einmal in die Schlagzeilen geraten. In den letzten beiden Wochen kam es gleich zu zwei Zwischenfällen am schmalen Uferweg zwischen Bahnhof und Alter Holzbrücke: Letzten Sonntagmorgen um 9.20 Uhr wurde ein Mann von zwei Unbekannten ausgeraubt.

Vorletzten Mittwochabend gegen 23 Uhr wurde eine Frau von einem Mann sexuell bedrängt. Seither läuft eine kontroverse Diskussion in der Oltner Facebook-Gruppe um dessen Gefährlichkeit. Manche Passanten halten den Ländiweg für sicher und benützen diesen zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Andere getrauen sich nicht mehr – vor allem Frauen. Eine Nutzerin schreibt: «Ich gehe seit Jahren oben auf der Hauptstrasse, weil ich Angst habe.» Die Pendlerzeitung «20 Minuten» hat unter dem Titel «Der Uferweg ist den Einheimischen zu gruselig» das Thema ebenfalls aufgenommen.

Regelmässig ist der Ländiweg auch in der Politik ein Thema. Es gab in den letzten Jahren drei Vorstösse dazu. Die angefragten Politiker von links bis rechts sind sich einig, dass nun etwas geschehen muss, die Rezepte allerdings sind unterschiedlich. «Offensichtlich ist der Ländiweg ein Problem, die objektive Sicherheit ist gefährdet», sagt SVP-Gemeinderat Christian Werner auf Anfrage.

Er fordert, dass die Installation von Videokameras zur Abschreckung und zur Aufklärung von Straftaten nochmals geprüft wird. Dazu hat er 2012 ein Postulat im Gemeindeparlament eingereicht, das aber vom Stadtrat vor allem aus Datenschutzgründen abgelehnt und vom Parlament dann auch versenkt wurde.

Werner ergänzt, dass er auch mit einzelnen Polizisten gesprochen habe, welche eine Videoüberwachung begrüssen würden.

Einen anderen Ansatz verficht SP-Gemeinderat Yabgu R. Balkaç, dessen Postulat, Lösungsvorschläge zum Ländiweg auszuarbeiten, zwar überwiesen wurde, aber in seinen Augen bisher nicht viel ausgelöst hat.

«Wenn der schmale Ländiweg mittels minimaler baulicher Eingriffe verbreitert wird, damit sich die verschiedenen Nutzer nicht mehr in die Quere kommen, dann ist das Problem gelöst», glaubt Balkaç. Dies müsste kurzfristig möglich sein.

Noch bevor das Projekt Neuer Bahnhofplatz kommt oder gar das bislang aus Spargründen auf die lange Bank geschobene Projekt Andaare, dem die Stimmbürger im Oktober 2011 zugestimmt haben.

«Ein bisschen frustriert», zeigt sich FDP-Gemeinderat Urs Knapp auf Anfrage, wenn er auf das Thema angesprochen wird. Auch er hat den Stadtrat schon mit Fragen zum Ländiweg gelöchert. Zufrieden ist er bis heute nicht.

Knapp wirft dem Stadtrat vor wegzuschauen. «Ich möchte endlich einmal vom Stadtrat hören, dass er diese Situation nicht akzeptiert und dass er gewillt ist, seinen rechtlichen Spielraum bis in den Graubereich hinein auszunützen», zitiert er aus einem E-Mail, das er bereits im März 2015 an den Stadtpräsidenten Martin Wey und weitere Empfänger geschrieben hat. Eine Antwort darauf hätte er nie erhalten.

Sein Vorschlag: Eine Ordnung mit Benimmregeln, die auf Anzeige im Rahmen der friedensrichterlichen Kompetenzen durchgesetzt werden könnten. Er verweist dabei auf die Stadt Bern, welche beim Bahnhof den öffentlichen Raum für die gewöhnlichen Bürger zurückerobert habe: Alkohol- und Zigarettenkonsum seien eingeschränkt, Sitzen oder Liegen auf Treppen und dem Boden verboten, Hunde müssten an die Leine.

Eine ähnliche Idee hatte Ex-SP-Stadträtin Silvia Forster, die Freiwillige beim Ländiweg und auf der Kirchgasse auf Patrouille schicken wollte, um Personen, die sich nicht anständig verhalten oder die öffentliche Ordnung stören, darauf hinzuweisen.

Martin Wey will diesen Vorschlag in einer Arbeitsgruppe erneut prüfen lassen, obwohl er sich im rechtlichen Graubereich bewegt. Forster hatte sich zurückgezogen, weil ihr der städtische Rechtsdienst nur Benimmregeln vorgeschlagen hat, die nicht mehr strafrechtlich, sondern nur noch friedensrichterlich durchgesetzt hätten werden können.