Oltner Fasnacht
Obernaar MacSven ist nun an der Naaren-Macht

Die Naaren-Kappe sitzt, in der einen Hand ist der Schlüssel der Stadt, in der anderen der Mäni – nach dem Naarenstopf kann es losgehen. Banause MacSven spielt mit seinen Trabanten ab sofort auf den Oltner Strassen das Schmierentheater.

Deborah Onnis
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Einkleidung, Schlüsselübergabe und Proklamation der Oltner Fasnacht
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Schlüsselübergabe im Stadthaus: Obernaar MacSven mit seiner Clique und Stapi Martin Wey.
«Ich oder du?» – das war bei einem Spiel an der Einkleidung die Frage.
«Ich oder du?» – das war bei einem Spiel an der Einkleidung die Frage.
«Ich oder du?» – das war bei einem Spiel an der Einkleidung die Frage.

Einkleidung, Schlüsselübergabe und Proklamation der Oltner Fasnacht

Bruno Kissling

Schmierentheater? Was ist das überhaupt? Das wollte der ehemalige Obernaar Räffu I. (Altstadtzunft) wissen, noch bevor sein Nachfolger MacSven (Banausezunft) eingekleidet wurde. Erklärungen mussten her. Also schmierte ein Trabant des neuen Obernaaren für die erste Aufgabe mit Farbe ein Theater auf eine Leinwand.

Ein breites, schwarz-rotes Strichmännchen auf blauem Hintergrund war das Ergebnis. Währenddessen herrschte bei den anderen Fasnächtlern inklusive Fuko-Rat, die das Fumoir des «Chöbu» füllten, Apéro- und Rauchpause. Bis die Banausen mit einem mitreissenden Lied ihren Obernaaren rühmten und den Takt des Fasnachtsrhythmus bestimmten: «Öise Obernaar, öise Obernaar, dr MacSven dä macht aues klar.» Und im nächsten Lied kündete auch Mac Sven an: «Voll drbi, mer fahre i! So muess es si.»

Bei der zweiten der vier Aufgaben, welche die Clique der Altstadtzunft organisiert hatte, wurde getestet, wie gut sich die Banausen kannten. Im Stil des Spiels «ich oder du» der TV-Sendung Glanz und Gloria mussten MacSven und sein Trabant Peter Frey ihre Selbst- und Fremdeinschätzung testen. Wer hat mehr Fasnachtsgroupies? Wer braucht mehr Aufmerksamkeit?

Beide waren sich einig: MacSven «ich», Frey «du». Und mit einer sehr hohen Trefferquote ging es weiter. Auch bei der Frage «Wer kennt alle Buffs in Olten?» MacSven «du», Frey «ich». «Er hat halt mal bei der Post gearbeitet», schob ein anderer Trabant als Erklärung nach.

Nicht fehlen durfte das Obernaaren-Lied «Ei mit Schinke», welches MacSven als dritte Aufgabe performen musste. Also griff er zu seinem Dudelsack und versuchte, das Lied mit den neun verfügbaren Tönen zu spielen. Für seine Darbietung erhielt er jedenfalls tosenden Applaus. Mit dem Dudelsack kann er nur der Held sein.

Auf die vierte Aufgabe freute sich die Fasnachtsschar besonders. Die Banausen sollten ihre Parade-Disziplin vorführen: das Theater. So gab es unter anderem eine gesungene Sex-Litanei: «omnibus copulare i der Aare. In dubio pro fellatio.» Und weiter ging es mit «veni, vidi, ficki. avanti, in flagranti, verdammti.» Von der Banausen-Truppe kam die Zustimmung: «Amen.»

Den darauffolgenden Akt bezeichnete MacSven als einen «mit töifem Niveau, de chas au Bea Heim verstoh.» Wildsauplagen und der Oltner Sommelier Pipitone waren in den nächsten Stücken das Thema. «Ich halte es wie der Pipitone, grundsätzlich treibts mein Pipi ohne.»

Dann endlich wurde MacSven die Naaren-Kappe aufgesetzt. Den Höhepunkt schloss die Banause-Zunft mit der Banausen-Nationalhymne ab.

Gemütlich führte MacSven im Anschluss, wie der Rattenfänger von Hameln, die Schaar von Fasnächtlern mit seiner Dudelsack-Musik durch die Oltner Strassen bis zum Stadthaus.

Dort wartete Stapi Wey bereits in Fasnachtstenue. Mit der Refrain-Melodie des Liedes «Theater» von Katja Ebstein, sang er zwischen seinen Strophen «Theater, Theater, in Oute e Fröid. Chöit schmiere, so vöu as der weit.» Bereitwillig übergab er MacSven den Schlüssel der Stadt.

D’Bühni zum Schmiere esch jetz frei, d’Rollebesetzig bestemmsch ab sofort du ellei. Do drzue eigne sech dini Trabante. Meistens Flotti, aber au Vagante.» Die Banausen boten auch im Stadthaus mit dem Banausen-König, der über Feuerwerke und Festlärm klagte und dem verschwundenen Toulouse einen vielversprechenden Einstieg in ihr Schmierentheater.

Proklamation

Ou ou, e frömde Obernaar?
En MacSven ... dooo z’Oute?
I hoffe, liebi Naareschaar,
es gäb jetz kei Revoute.

Denn trotz mim anglophile Name
MacSven ... darf i behoupte,
i syg – und das syt mängem Johr –
ober-vernaart i Oute.

MacSven isch es uralts Oltner Schouspieler-Gschlächt,
wär das nid gloubt, dä duet mir Unrächt.
Über mängs Johrhundert mit Shakespeare liiert
het der Name MacSven uf dr Bühni brilliert.

Mir hei, sygs als Hofnarre, Schauspieler, Mime,
Theaterstück ufgfüehrt ... i Värse wo ryyme.
Mir hei improvisiert, s Volk het applaudiert
und der Shakespeare het jedes Wort mitnotiert.

D’MacSvens sind mannigfach uszeichnet worde
und sy Träger vo allerhand adlige Orde.
Nur ei Titel het gfählt – choschtbar und rar –
und zwar dä vom Oltner Obernaar.
Allbott het me gfroggt: «Wenn ändlich ...? wenn ...?
wenn goht dä Titel an e MacSven?»

Und denn, plötzlich – isch das Wunder no gscheh;
z’mittst uf öisere Christmas-Tournee,
chund d’Botschaft us Olte: mir syge de gwäut
im MacSven hett’s grad d’Locke hindere gsträut.

Me erwarti ihn – samt sym gsamte Angsambel –
uf em Ildefonsplatz zur Fasnachts-Präambel.
Was gisch, was hesch, hei mir packt und si gfahre
vo Stratford-on-Avon – nach Olten-on-Aare.

Und dank em Oltner Parkleit-Syschtem
hei mir Euch gfunde – schnäu und bequem.
Soo z’säge i eim einzige Satz:
Hyde-Park – Gäupark – Ildefonsplatz.

Und wie dir gsäiht, si mir jetz do,
freudig han-i mis Amt übernoh.
Einiges han-i bereits scho erledigt,
d’FUKO isch happy und zeigt sich befriedigt.

Bi im Stadthuus gsi, ha der Stadtrot entmachtet,
sowyt as der Dietler das nid scho gmacht het.
Am liebschte hätti dä sowiso
mi Rolle ou grad übernoh,
und er hätti – wär i no länger blibe –
ou myni Reed do – sälber gschribe.

Doch fertig jetz mit stöhne und nürze!
Jetz wei mir is i d’Goschtüm stürze!
I freue mi druf, was jetzt alles chund
uf’s ganze fasnächtleche Kunterbunt:

Uf d’Guggekläng – trari-trara
uf Picco-lo und Picco-la
uf Trummler – alli schön im Takt
wo ruesse, as eim s’Chribble packt.

Uf d’Latärne und e Wagebou
uf e Umzug – das Johr ohni Stou
uf d’Schnitzelbänkler-Puänte-Jäger
wär isch ächt das Johr alls der Neger?
Öb Quer-Ystiiger, Rückwärtsstarter ...
gsehsch morn ... im Oltner Schmieretheater.

Soo! Liebi Fründ und Chupferstächer,
mit euchne schöne Chupferdächer,
fülled euchi Wysswyybächer!
Stimmed yy is Naareglächter!

Und kei Momänt vergässe
der MacSven isch druuf versässe
as mir zäh Tag lang hinderenand
anand ... der Naar wei frässe.