46 Messerstiche

Obergericht bestätigt Strafe für Vatermörder von Hägendorf

Das Amtshaus von Solothurn, Sitz des Obergerichts (Archiv)

Das Amtshaus von Solothurn, Sitz des Obergerichts (Archiv)

Der Gang ans Obergericht hat dem heute 20-jährigen Mann, der im Januar 2012 in Hägendorf seinen Vater mit 46 Messerstichen umgebracht hatte, nichts eingebracht: Das Solothurner Obergericht hat das Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen bestätigt.

Das Amtsgericht hatte den Täter vor gut einem Jahr des Mordes schuldig gesprochen, er selbst beantragte im Berufungsprozess einen milderen Schuldspruch wegen vorsätzlicher Tötung. Doch für das Obergericht gab es a m Freitag nichts zu rütteln: Die brutale Tötung des eigenen Vaters, der zuvor in seinem Bett geschlafen hatte, war ein Mord. Dieser Tatbestand ist erfüllt, wenn der Täter «besonders skrupellos» handelt und sein Beweggrund, der Zweck der Tat oder die Art der Ausführung «besonders verwerflich» sind.

Die Tat sei durchdacht erfolgt, erläuterte das Obergericht in der mündlichen Urteilseröffnung. Das Opfer habe die Gewaltorgie bewusst miterleben müssen. Der Sohn habe dabei «unglaubliche Gefühlskälte» und «ausgeprägten Vernichtungswillen» an den Tag gelegt. Die Tat habe er in der Vertrauensatmosphäre des familiären Zusammenlebens ausgeführt. Die Tötung sei eine äusserst krasse Missachtung des Lebens zu einem – wenn auch nicht benennbaren – eigenen Vorteil: Mord.

Auch die Strafzumessung nahm das Obergericht genau gleich wie das Amtsgericht vor: 12 Jahre Freiheitsstrafe. Zu seinen Gunsten berücksichtigte es unter anderem eine leichte Einschränkung der Schuldfähigkeit durch den zuvor getrunkenen Alkohol, sein Vorleben und das jugendliche Alter (18 Jahre im Zeitpunkt der Tat).

Differenziert prüfte das Obergericht, welche stationäre Massnahme zu verhängen sei, entschied sich aber wie das Amtsgericht für die Massnahme nach Art. 59 StGB. Diese ziele auf die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung einer Persönlichkeitsstörung, sie sei erfahrungsgemäss schwierig und langdauernd. Bei der vom Beschuldigten selbst gewünschten Massnahme nach Art. 61 StGB stehe dagegen der Erziehungsgedanke im Vordergrund, es wäre eine Sozialtherapie für eine korrigierbare Fehlentwicklung.

Immerhin unterstützte Oberrichter Hans-Peter Marti das Ziel des Beschuldigten, eine Lehre zu machen, was im Deitinger «Schachen» nicht möglich ist; als bessere Alternativen erwähnte Marti die Massnahmenzentren St. Johannsen BE oder Bitzi SG. Für eine Lehre brauche es aber Motivation und Durchhaltewillen, ermahnte der Vorsitzende den Beschuldigten. «Wenn kein Behandlungserfolg sichtbar ist, droht Ihnen am Schluss noch die Verwahrung», sagte Marti. «Das ist keine Drohung, sondern eine ehrliche Information.»

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