Olten
Nur dieser Kran darf ohne Sonderbewilligung Personen transportieren

Ein Kran verhilft der Stirnimann AG zu einer Monopolstellung. Das Oltner Unternehmen hat den ersten Baukran mit einem Arbeitskorb kreiert, der ohne zusätzliche Bewilligung Personen transportieren kann. Die Suva hofft auf häufigen Einsatz des Krans.

Deborah Onnis
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Sieht aus wie ein normaler Kran, ist aber ein spezielles Modell.

Sieht aus wie ein normaler Kran, ist aber ein spezielles Modell.

Hansruedi Aeschbacher

Der Boden unter den Füssen fängt auf einmal an, sich zu bewegen. Um das Gleichgewicht zu halten, ist aber keine Stütze notwendig. Es geht langsam und sanft aufwärts, als befände man sich in einer aufsteigenden Wolke. Kuschelig ist es im rund fünf Quadratmeter grossen Metall-Krankorb aber nicht. Dafür ist die Sicht auf über 30 Meter Höhe umso spektakulärer.

Neu auch Personentransport

«Das war soeben eine offizielle Entjungferung», sagt Adrian Stalder, technischer Leiter der Stirnimann AG, als die vier Füsse des Arbeiterkorbs wieder den Asphalt berühren. Der Arbeitskorb mit der ganzen Kranvorrichtung an sich ist aber auch ein Einzelstück, einer der besonderen Art. Warum?

Krane dürfen offiziell nur Güter transportieren. Keine Menschen. Nur mit einer Sonderbewilligung der Suva können in Ausnahmefällen auch Arbeiter im Korb transportiert werden. Die Stirnimann AG hat nun nach etwa vier Jahren Entwicklung den ersten Baukran mit einem entsprechenden Arbeitskorb kreiert, der ohne zusätzliche Bewilligung Personen transportieren kann. Beim Start der Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubiläum der Oltner Baumaschinenfirma erhielt das Produkt das Zertifikat.

Ab jetzt solle auch die Konkurrenz in die neue Technik investieren, wünscht sich Fritz Oschwald, Geschäftsführer der Stirnimann AG. Adrian Bloch, der anwesende Suva-Vertreter, gesteht: «Hätten wir weniger Sonderfälle zugelassen, hätte man wohl früher und schneller in die neue Technik investiert.» Und: «Die Suva hat vielleicht zu viele Ausnahmen gemacht.» Jetzt, wo eine Technik bestehe, um das Unfallrisiko zu reduzieren, hoffe die Suva, dass sich die Arbeitgeber eher für diese Variante entscheiden, anstatt Sonderbewilligungen zu beantragen.

Bei dieser Entscheidung wird wohl die Kostenfrage eine bedeutende Rolle einnehmen: Die Monatsmiete des neuen Krans ist dreimal so hoch wie die eines normalen Krans.

Abhängig von einem Seil

«Wir vermieten unseren Kran aber nicht an jedermann», so Stalder. «Wir setzen voraus, dass wir eng zusammenarbeiten und sehr verantwortungsvoll mit dem Produkt umgehen.» Laut Jakob Wilhelm, zuständiger Ingenieur für die neue Technik, ist eine strenge Wartung des Produkts, vor allem des Seils, absolut notwendig. Der Arbeitskorb könne nicht doppelt gesichert werden und hänge deshalb an einem einzigen Seil. «Bricht dieses Seil, fällt der Korb in die Tiefe.» Ein Restrisiko besteht also auch bei dieser Technik.

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