Olten
Notbrücke folgt nach Ostern – warum sie ein halbes Jahr stehen bleibt

Nach dem Brand von Mittwoch bleibt die Holzbrücke in Olten bis Mitte nächster Woche unpassierbar. Damit die Aare an dieser Stelle trotzdem überquert werden kann, wird eine Notbrücke errichtet.

Urs Huber
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Die spektakulärsten Bilder vom Brand der Holzbrücke in Olten. Die Einsatzkräfte bekämpften das Feuer auch vom Wasser aus.
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 Die Rettungskräfte wurden dabei von Feuerwehren aus der Region unterstützt.
 Rund um die Brücke stieg dichter Rauch auf.
 Die Flammen schlängelten sich vor allem durch den Zwischenboden der Brücke.
 Um an die Brandherde zu gelangen, wurde mit Motorsägen der Boden aufgesägt.
 Der Zustand der Holzbrücke in Olten am Tag danach:
 Verkohlte Holzbalken...
 ... aufgesägter Boden...
 ... gesperrte Brücke:
 Die Spuren des Brandes vom Mittwoch sind deutlich zu sehen.
 Einerseits stellten die unterschiedlichen Brandherde, die sich im verwinkelten Zwischenboden unterhalb der Fahrbahn befanden, für die Rettungskräfte eine grosse Schwierigkeit dar.
 Andererseits hatten die Feuerwehrleute mit durch den zügigen Südwestwind immer wieder neu entfachten Glutnester zu kämpfen.
 Der Brand hat einen Schaden in der Höhe von mehreren 100'000 Franken verursacht.
 Die Brücke ist zwar nicht einsturzgefährdet, doch die Tragfähigkeit ist reduziert und die Schäden an der «Fahrbahn» und an den Werkleitungen sind gross.
 Deshalb bleibt die Holzbrücke voraussichtlich bis am 4. April 2018 total gesperrt.
 Damit die Aare dort trotzdem überquert werden kann, wird eine 40 Meter lange und zwei Meter breite Notbrücke erstellt werden.
 Sie bleibt für voraussichtlich rund ein halbes Jahr bestehen.

Die spektakulärsten Bilder vom Brand der Holzbrücke in Olten. Die Einsatzkräfte bekämpften das Feuer auch vom Wasser aus.

ANTHONY ANEX

Kam es in den vergangenen Jahren lediglich zu Glimmbränden auf der Oltner Alten Brücke, «sind die Schäden nach dem Brand von Mittwoch enorm, wie die ersten Abklärungen ergeben haben.» So umschreibt die Stadtkanzlei in ihrer Medienmitteilung von Donnerstag die Situation am Tag danach.

Die Fachleute gehen nach dem Brand davon aus, dass insgesamt mehrere hunderttausend Franken für die Reparatur der Holzbrücke aufzubringen sind. Dafür besteht glücklicherweise eine Versicherung, wie die Stadtkanzlei bestätigt.

Nicht einsturzgefährdet

Die Brücke ist zwar nicht einsturzgefährdet; die Tragfähigkeit ist indessen durch die Brandfolgen reduziert und die Schäden an der «Fahrbahn» und an den Werkleitungen sind gross. Weil die Joche nicht mehr genügend Tragkraft besitzen, muss auf der Holzbrücke eine aus zwei Stücken bestehende, insgesamt 40 Meter lange und zwei Meter breite Notbrücke erstellt werden.

Wegen der dafür notwendigen Vorbereitungsarbeiten und dem Einbau selber bleibt die Holzbrücke voraussichtlich bis kommenden Mittwoch, 4. April, nachmittags total gesperrt. Die erforderlichen Stahlträger werden am kommenden Dienstag von der Seite des Postplatzes her möglichst frühmorgens eingebracht, um den Verkehr im Umfeld nicht übermässig zu beeinträchtigen. Zudem werden die durch den Brand beziehungsweise die Löscharbeiten entstandenen Löcher im Belag vorerst provisorisch gedeckt.

Die Notbrücke ist für den Veloverkehr (ausser gestossene Velos) gesperrt und wegen des Höhenunterschieds von 50 bis 60 Zentimetern (2 bis 3 Treppenstufen) nicht behindertengerecht. Sie bleibt nach Auskunft der Stadtkanzlei für voraussichtlich rund ein halbes Jahr bestehen.

Vier Monate davon werden detaillierte Untersuchung, Vorbereitungsarbeiten und die Beschaffung des Holzes in der benötigten Qualität benötigen; rund zwei Monate sind eingerechnet für die effektive Bauzeit. Für die Brücke, die denkmalgeschützt ist, wird vornehmlich das Holz der Weisstanne genutzt.

«Das ist nicht unbedingt in ausreichender Menge beziehungsweise Kompaktheit auf dem Markt und muss je nachdem sogar speziell geschlagen, getrocknet und aufbereitet werden», sagt Marcel Dirlam vom städtischen Tiefbauamt, welches in den letzten beiden Jahren dafür besorgt war, dass Fugen an der Konstruktion der Alten Brücke verschlossen wurden, um nach der Häufung vom Glimmbränden dieser Gefahr zu begegnen.

Brandursache geklärt

Bezüglich Brandursache konnte die Polizei Kanton Solothurn am Donnerstagnachmittag konkrete Angaben machen. «Unvorsichtiger Umgang mit Raucherwaren wurde als Brandursache ermittelt», erklärte Polizeisprecherin Astrid Bucher auf Anfrage. Es gebe aber keine tatverdächtige Person, so die Polizei weiter. Weitere Abklärung würden laufen.

Damit sind all jene Stimmen relativiert, die seit Mittwoch nicht müde wurden, von einer Brandstiftung auszugehen. Dabei stützten sich Meinungen auf bewegte Bilder aus den sozialen Medien. Diese hatten auf eine schon fast explosionsartige Entfachung und Verbreitung des Feuers hingedeutet; an sich eher ungewöhnlich.

Ohne Personenschaden

Der Tag danach zeigt: Die Rettungskräfte sind mit ihrem Einsatz zufrieden. Dies jedenfalls gibt Rolf Friedli von der städtischen Feuerwehr zu verstehen. «Wir haben zügig und sehr kooperativ handeln können, und zwar in den unterschiedlichsten Bereichen», so Friedli.

Neben den Feuerwehren Untergäu und Unterer Hauenstein und andern Blaulichtorganisationen war auch der örtliche Pontoniersportverein im Einsatz. Der stellte einen Ponton bereit, welcher im Verlauf der Brandbekämpfung als zweites Löschboot zum Einsatz kam.

«Was auf unserer Prioritätenliste halt stets zuoberst auftaucht, ist der Umstand, dass weder Zivilpersonen noch Rettungskräfte persönlich zu Schaden kommen», hält Friedli fest. «Das haben wir umsetzen können. Gepaart mit der reibungslosen und ergänzenden Zusammenarbeit aller Beteiligten.»

Der Brand auf der Oltner Holzbrücke war auch Thema in der Sendung «Fokus» auf Tele M1: