Das war knapp! Bereits der erste Halbfinal-Auftritt der Oltner gegen Ajoie, notabene das erste Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in der doch schon 30-jährigen Geschichte der Playoffs, beinhaltete schon fast alles, was diese spezielle Phase der Meisterschaft ausmacht. Waren die Gäste zumindest im ersten Drittel die aktivere, aggressivere und gefährlichere Mannschaft, holten die Oltner die besseren Momente mit Fortdauer der Partie auf ihre Seite, um schliesslich in einem ganz schön dramatischen Penaltyschiessen als Sieger vom Eis zu gehen.

So hoch die Emotionen schon bei erster Gelegenheit gingen, so brachte der so erfreuliche Ausgang auch ein weinendes Auge. Mit Shayne Wiebe und Reto Kobach schieden nämlich gleich zwei Oltner frühzeitig aus. «Was die beiden genau haben, wird sich erst am Samstag zeigen», konnte oder wollte Sportchef Köbi Kölliker noch vor dem Ende der Partie nicht näher auf seine beiden «angeschlagenen» Spieler eingehen.

Fehlende Kompaktheit

Ajoie verstand es vom ersten Anpfiff weg ausgezeichnet, die Pläne von Heikki Leime auf eine harte Probe zu stellen. Ein ungemein effizientes Forechecking mit zumindest zwei Mann war der Grund dafür, dass die Oltner im eigenen Drittel immer wieder vor grosse Probleme gestellt wurden. Ruhe zu bewahren mit der Scheibe, wie es Leime vor dem Spiel gefordert hatte, wurde so vorerst zu einer unlösbaren Aufgabe. Anstatt in der eigenen Zone die Scheibe zu kontrollieren und zirkulieren zu lassen, wurde sie immer wieder zur Beute der Gäste. So konnte kaum ein Angriff nach den eigenen Vorstellungen gefahren werden; und gelang die Auslösung für einmal, dann geriet der Express an der gegnerischen blauen Linie ins Stocken.

Alle Highlights vom 1. Halbfinalspiel EHC Olten - HC Ajoie 4:3 n.P.

Alle Highlights vom 1. Halbfinalspiel EHC Olten - HC Ajoie 4:3 n.P.

Vor allem deshalb, weil viel zu wenig kompakt verschoben wurde. Häufig blieb als einziger Ausweg, die Scheibe tief zu spielen, wo sie eine Beute der gegnerischen Defensive wurde. Das Beste aus Oltner Sicht am ersten Drittel, welches die Gäste dank eines Treffers ihrer Paradelinie mit 1:0 für sich entschieden, war noch, dass es relativ zügig über die Bühne ging und man sich so von der jurassischen Lawine erholen konnte. Das Ziel musste einzig und alleine lauten, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, nämlich, das Spieldiktat an sich zu reissen und mit der Scheibe etwas anzufangen.

Descloux nicht unbezwingbar

Mit Tempo aus dem eigenen Drittel nach vorne zu spielen, Chancen zu kreieren. So, wie es gegen Ende der ersten 20 Minuten ansatzweise geklappt hatte, wobei Ulmers schöne Vorarbeit noch nicht zum Ausgleich verwertet werden konnte. Die Mängelliste, welche die Oltner nach den ersten 20 Minuten gefasst hatten, war also relativ lang. Doch das Abarbeiten derselben gelang gar nicht schlecht. Olten war jetzt präsenter, näher dran am Gegner, spielte konsequenter und kompakter nach vorne.

Das Resultat liess sich sehen: Erst glich Playoff-Topscorer Justin Feser die Partie zu Spielmitte aus, ehe Chris Bagnoud (36.) mit seinem Treffer in Überzahl gar noch nachlegte. Damit zeigte der EHCO-Verteidiger, dass Ajoie-Hüter Gauthier Descloux durchaus mehr als nur einmal pro Spiel zu bezwingen ist. Somit schaffte Bagnoud das, was La Chaux-de-Fonds in seinen letzten fünf Viertelfinalpartien gegen die Jurassier nicht mehr gelungen war. Einziger Wermutstropfen im zweiten Abschnitt war die schnelle Reaktion der Gäste auf den erstmaligen Rückstand, welchen der auffällige Hazen mit dem 2:2 wettmachte.

Wüthrich-Doppelpack

Dieser Treffer konnte aber nichts daran ändern, dass die Hausherren in der Folge auch als solche auftraten. Jetzt hatten sie die klareren Chancen, reagierten prompt – dank eines herrlichen Ulmer-Solos – auf das 2:3, und hätten die Partie eigentlich noch in der regulären Spielzeit für sich entscheiden müssen. Die Chancen dazu hätten sie vor allem im Powerplay gehabt, doch Hürlimann und Ulmer, der später auch in der Verlängerung (66.) zum Matchwinner hätte werden können, verpassten klarste Möglichkeiten. So ging bereits der Aufgalopp in dieser Serie über die volle Distanz – und auch im Penaltyschiessen war nach je fünf Schützen noch lange nicht Schluss. Erst Feser, als 20. Schütze, liess schliesslich Grün-Weiss jubeln.

Lesen Sie hier den Liveticker vom Spiel nach