Olten

Nicht mittanzen? Das war beim Konzert des Soulmusikers Marc Sway in der Schützi unmöglich

Sway und seine Band überzeugten mit ihrer musikalischen Mischung aus soul, R&B der älteren Schue, Reggae und südamerikanischen Klängen. Bruno Kissling

Sway und seine Band überzeugten mit ihrer musikalischen Mischung aus soul, R&B der älteren Schue, Reggae und südamerikanischen Klängen. Bruno Kissling

Sway zog das Publikum aus Hörenden und Gehörlosen in seinen Bann. Zwei Gebärdensprecherinnen übersetzten das gesamte Konzert.

Am vergangenen Samstag war der Zürcher Soulman Marc Sway in der Schützi zu hören. Speziell am Gig war, dass er für Gehörlose in Gebärdensprache übersetzt wurde. Zu hören und somit auch zu sehen gab es soulige Klänge, R&B der älteren Schule Reggae und südamerikanische Klänge.

«Guete Abig Olteee», rief ein gut gelaunter Marc Sway am Samstagabend in den fast voll besetzten Saal der Schützi und kündigte nach den ersten zwei Nummern bereits einen Song zum Mitsingen an. «Love, Love, Love» sang die Menge in der Schützi dann und, das hat es so in der altehrwürdigen Kulturstätte in Olten noch nie gegeben, auch Gehörlose hatten etwas davon. Der Verein Mux der sich für die Anliegen von tauben Menschen einsetzt, liess das gesamte Konzert von zwei Gebärdensprecherinnen übersetzten. Im Fall des Songs «Love, Love, Love» bedeutete dies, dass die Übersetzerin beim Refrain die gekreuzten Unterarme im Rhythmus des Songs ihrem Oberkörper zu bewegte. Das Zeichen für Liebe in der Gebärdensprache.

Sind alle Franzosen Betrüger?

Das Jurymitglied der beliebten Castingshow Voice Of Switzerland erzählte zwischen seinen Songs hin und wieder eine Anekdote aus seinem Leben. Der rund 40-jährige Musiker kam schon viel in der Welt herum und so kam es, dass er auch einmal Frankreich besuchte. Dort drehte ihm der erste Einheimische, den er traf, ein U-Bahnticket für einen niedrigeren Preis an. Klar, dass das Billet nicht mehr gültig war und der des Französischen nicht mächtige Zürcher einem Betrüger aufgesessen ist. «Alle Franzosen wollen dich nur beklauen», scherzte er. Etwas Gutes hatte dieses Erlebnis aber doch. Jahre später inspirierte der Reinfall Marc Sway zum Song «Non non, non, Chéry». Ein Satz, den er damals schon hätte zu dem Ticketverkäufer sagen sollen. Das Stück stellte jedenfalls einen Höhepunkt des Abends dar. Sway intonierte die ersten paar Zeilen auf einer halb akkustischen Gitarre alleine, wobei sein stimmliches Talent voll zur Geltung kam.

Ist Olten eine Kifferstadt?

Marc Sway ist oft auf der Autobahn unterwegs, wie er seinem Publikum erzählte. Wenn er im Stau steht, dann gibt es nur einen Sound, der einen nicht aus der Haut fahren lässt beim scheinbar ewig dauernden Wechsel zwischen Gas geben und bremsen: Reggae. Die aus Jamaika stammende Rastamusik wird gerne mit dem exzessiven Konsum von Marihuana in Verbindung gebracht. So liess es sich auch Sway nicht nehmen, seine Zuhörerschaft zu fragen, ob Olten eine Kifferstadt sei. Die Antwort blieb offen, also fragte er ob Olten einen Lieblingsreggae habe. «Zigi Marley», rief jemand, wobei ja nicht ein Künstler, sondern ein bestimmtes Stück gefragt war. Nach weiteren Zwischenrufen setzte sich der Vorschlag aus den vorderen Reihen durch. «I Shot The Sheriff», war schliesslich der Song, den Sway und seine Band eigens für ihr Oltner Publikum kurzerhand improvisierten.

Wie der Musiker bereits am Anfang des Gigs sagte, sind er und seine Band eine Art Stimmungsmacher. Sway und seine Band haben es in der Hand, ihren Zuhörern Gefühle zu vermitteln. Das ist dem Mann mit der souligen Stimme am Samstagabend gelungen. Es war ein entspannter Abend mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Musikrichtungen aus aller Welt. Grosses Können zeigten auch die beiden Übersetzerinnen für Gebärdensprache vom Verein Mux. Einziger Schönheitsfehler: nach den ersten drei Songs war das Klavier kaum mehr zu hören. Es ist zu hoffen, dass sich dies im weiteren Verlauf der Tournée ändert, sonst macht der Pianist seinen Job umsonst, was schade wäre.

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