Olten
Neujahrsapéro: kalt – aber irgendwie herzlich warm

Erstmals richtete die Stadt ihren Neujahrsempfang am Berchtoldstag «uf dr Gass» aus

Urs Huber
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Viele Neujahrsapérobesuchende trotzten den winterlichen Verhältnissen und liessen sich von Stadtpräsident Martin Wey gedanklich ins 2015 chauffieren.

Viele Neujahrsapérobesuchende trotzten den winterlichen Verhältnissen und liessen sich von Stadtpräsident Martin Wey gedanklich ins 2015 chauffieren.

BRUNO KISSLING

Nicht länger als zehn Minuten wolle er reden, hatte Stadtpräsident Martin Wey am ersten Outdoor-Neujahrsempfang der Stadt verkündet. Nicht aus Rücksicht auf die anwesenden rund 200 Apérogäste, welche gestern ab 11 Uhr die Kirchgasse bevölkerten und mit Mützen und Mänteln bewehrt diesem Winter zum Jahresauftrakt trotzten, nein. Aus Rücksicht auf die Instrumentenventile des Musikensembles Olten Brass, die sonst einzufrieren drohten, so der launig disponierte Stadtpräsident.

Überrascht war das offizielle Olten im Übrigen vom Grossaufmarsch, der sich mit Veranstaltungen im Stadttheater diesbezüglich vergleichen liess. Ein bisschen weniger Stuck und Wärmegrade halt, dafür irgendwie herzlich warm die Atmosphäre. Man fand sich auf der Kirchgasse in extrem ungezwungener Atmosphäre wieder, die erst durch den später fallenden leichten Eisregen etwas gestört wurde.

Kein Referendum

Ungezwungenes fordert Optimisten heraus. Und eben Optimismus sei an einem solchen Tag angesagt, so Wey an die Apéro-Gäste gerichtet. Und im Vergleich zum Vorjahr, als Olten ohne gültiges Budget da- und die Referendumsabstimmung noch bevorstand, sowieso. Diesmal, so der Stadtpräsident, gehe das Budget wohl ohne Volksbefragung durch, was den Geschäftsfortgang im Stadthaus doch wesentlich vereinfache. Aber: Da und dort müsse – hinsichtlich weiterer Sparbemühungen – noch die eine oder andere Massnahme ergriffen werden. Selbst bei chronischem Optimismus: Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Stadt finanziell noch nicht «über den Berg» ist, wie der Volksmund so schön sagt.

Politisches Völklein

Im Übrigen bescheinigte Wey den «Seinen» – und damit war nicht der Stadtrat, sondern die Stadtbevölkerung gemeint – ein reges Interesse an der Politik und am gesellschaftlichen Geschehen der Stadt. Doch ein politisches Völklein eben in den Mauern der Frohburgerstadt. Noch nie seien die Besucherreihen während Parlamentsdebatten so dicht besiedelt gewesen, hätten sich so viele Stimmen aus der Bevölkerung zum politischen Alltag der Stadt vernehmen lassen. Wey wertete dies als ein Zeichen von Identitätssinn und Gemeinschaftsgefühl.

Zäme ha! Zäme stoh!

Zusammenrücken – Zusammenstehen! So einer der von Wey verkündeten Imperative, die es im neuen Jahr anzugehen gelte. «So wie heute hier auf der Kirchgasse soll auch im angelaufenen Jahr das gemeinsame Interesse an der Stadt im Vordergrund stehen.

Voilà, das wars: Der Rest war «Zöpfe, Wisse, Punsch» und Co. Nichts lässt Menschen beschwingter zurück als zweierlei: Ein altes Jahr, dessen Lasten bewältigt sind, und ein neues, welches alles offen und auf alles hoffen lässt. Das ist auch in einer alten Frohburgerstadt nicht anders.