Aare Forum Olten
Neue Tendenz in der Rentnerszene: Alt, aktiv und innovativ

Kein Game-Over für über 50-Jährige– aber Arbeitgeber könnten mehr für Ü50-Vertretende tun

Deborah Onnis
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Stadtpräsident Martin Wey und Stadträtin Iris Schelbert hörten in der ersten Reihe den Vorträgen und Diskussionen zu. Auf der Bühne: Moderator Franz Fischlin mit den «Rent-a-Rentner»-Mitgründer Peter Hiltebrand (Mitte) und Reto Dürrenberger (rechts).

Stadtpräsident Martin Wey und Stadträtin Iris Schelbert hörten in der ersten Reihe den Vorträgen und Diskussionen zu. Auf der Bühne: Moderator Franz Fischlin mit den «Rent-a-Rentner»-Mitgründer Peter Hiltebrand (Mitte) und Reto Dürrenberger (rechts).

Hansruedi Aeschbacher

Die Ü50-Jährigen nicht in der Arbeitswelt einzubinden ist verheerend. Das machte gestern der bekannte Altersforscher Francois Höpflinger am 9. Aare Forum im Oltner Stadttheater klar. «Es wird immer deutlicher, dass moderne Gesellschaften ohne vermehrte Nutzung der Erfahrungen und Kompetenzen aktiver älterer Frauen und Männer zukünftig nicht mehr funktionieren», so der 67-jährige emeritierte Professor. Vieles spreche dafür, dass man auch die ältere Generation in Arbeitsprozessen einbinden soll, teilweise auch im Pensionsalter, zum Beispiel als Berater und Mentoren.

Erfahren und besserwisserisch

Stärken habe die ältere Generation: Durch mehr Arbeitserfahrung steige Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit und Loyalität. Sie behalten den Überblick über ihr Arbeitsgebiet und schätzen schliesslich komplexe Situationen häufig besser ein. Gleichzeitig bestehe aber die Gefahr, dass man sich als älterer Mitarbeiter besserwisserisch verhalte und mehr Angst vor Veränderungen habe. Dazu kommen intergenerationelle Herausforderungen; die Kinder ziehen aus, die eigenen Eltern altern, Hautfalten kommen zum Vorschein und man muss akzeptieren, dass die jungen Generationen eine andere Lebenseinstellung und eine andere Sicht auf die Welt haben. Und schliesslich werden die Grenzen der beruflichen Laufbahn deutlich. Es geht langsam der Pensionierung zu. Kein Grund zur Sorge, sagt der Professor. Am besten solle man die bisherigen Aktivitäten fortführen, die einem Freude bereiten und sich von Zwängen befreien; «loslassen», wie er so schön sagte. Danach könne man neu aufbrechen: Neues unternehmen, neue Tätigkeiten entdecken und sich unrealisierte Wünsche erfüllen.

Die «jungen Alten»

Unterstützt von Statistiken zeigte Höpflinger, dass immer mehr Leute im Alter aktiver sind als früher. Er nennt sie «junge Alte». Durch die hohe Lebenserwartung gebe es eine «sozio-kulturelle Verjüngung älterer Menschen». Sprich: Es gibt zum Beispiel immer mehr 70 bis 80-Jährige, die sich wie die Generation der 20-Jährigen aufführt, sich an die Mode halten und geistig offen seien. Alt, aktiv und innovativ werde immer mehr zum Lebensprogramm. Mit der Tendenz aber, dass ältere Menschen häufiger von jüngeren Menschen lernen (müssen) als früher.

Um diese neue Tendenz zu unterstützen und selber davon zu profitieren, könnten laut Höpflinger Arbeitgeber flexible Formen der Pensionierung einführen, die Weiterbildung für Ü50 und Ü70 fördern und auch im Arbeitsleben Ruhephasen einführen, zum Beispiel Sabbaticals.

Mehr Rentner arbeiten wegen Geld

Dass immer mehr Seniorinnen und Senioren auch aktiv dabei sein wollen, zeigt die steigende Zahl der Anmeldungen bei der Online-Plattform «Rent a Rentner». Dort bieten aktuell bereits 4181 Pensionierte ihre Dienste an und werden von Interessierten gebucht. Beispielsweise für das Rasenmähen oder auch nur, um ein Bild aufzuhängen. «Unsere Rentner wollen gebraucht werden in der Gesellschaft», sagt Reto Dürrenberger, Mitgründer der Plattform. Aber nicht nur. Tendenziell würden sich auch immer mehr Senioren des Geldes wegen anmelden. Mitgründer Peter Hiltebrand: «Wir arbeiten nicht gratis», so der 71-Jährige.