Gestaltungsplan
Neue Pläne Olten SüdWest: Architekt befürchtet eine «Verhühnerung des Anblicks»

Die Änderungen im Gestaltungsplan Olten SüdWest sorgen für Diskussionsstoff.

Urs Huber
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Olten SüdWest: Die vorgesehene Änderung des Gestaltungsplans stösst nicht überall auf Gegenliebe. Vor allem die Möglichkeit variabler Geschosszahlen stösst sauer auf.

Olten SüdWest: Die vorgesehene Änderung des Gestaltungsplans stösst nicht überall auf Gegenliebe. Vor allem die Möglichkeit variabler Geschosszahlen stösst sauer auf.

Bruno Kissling

Nein, nicht alle der in einer spontanen Umfrage bedachten Architekten in Olten sind mit den Änderungen im Gestaltungsplan Olten SüdWest glücklich; ja finden sie noch nicht mal begrüssenswert.

«Bedenklich, nach so kurzer Zeit»

Erschrocken darob sei er, sagt etwa Klaus Schmuziger von der gleichnamigen Architekten AG. Die Änderung des Gestaltungsplans nach so kurzer Zeit hält er für bedenklich. Dass nun unterschiedliche Gebäudehöhen möglich seien, bezeichnet er «als nicht so glücklich», denn die ursprüngliche Fünfstöckigkeit korrespondiere ausgezeichnet mit der Gäu-Ebene, die im Westen beginne. «Man hat diese imaginäre Linie aufgenommen, das gefällt mir ausserordentlich», so Schmuziger weiter. «Oben dringt der landschaftliche Part ein, unten der urbane.» Mit den jetzt möglichen variablen Gebäudehöhen befürchtet Schmuziger «eine Verhühnerung» des Anblicks.

Solche Beispiele gebe es in Olten genug. Positiv hingegen sieht der Architekt den Aspekt, wonach nun auch Stockwerkeigentum möglich wird. Auch variable Wohnformen mit der Eventualität von Reiheneinfamilienhäusern hält er für durchaus okay. Aber: «Mindestens 60 Prozent in OltenSüdwest müssten nach meiner Wahrnehmung fünfstöckig sein.» Und mehr Liebe zum Detail wünscht er sich für die Zukunft. Er moniert die fehlenden bauplastischen Elemente, die den Kuben eine gewisse Lockerheit und Gliederung verleihen würden. Stichwort: Balkone. Mit der dezenten Farbgebung im fertiggestellten Baufeld 4 allerdings ist er ausgesprochen zufrieden.

«Schritt in die richtige Richtung»

Im Grundsatz positiv eingestellt zu einer Gestaltungsplanänderung zeigt sich Thomas Schwab von Werk 1, Architekten und Planer AG. «Es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.» Variable Gebäudehöhen hält er für durchaus angebracht. Damit könnten das enge Korsett des bisherigen Gestaltungsplans abgestreift und die Monotonie der Kuben gebrochen werden.

Variabler sein

Variable Geschosszahlen, die Aufwertung des Raumes zwischen den Baukuben, unterschiedliche Besitzverhältnisse und Wohnen im Einfamilienhaus: Das alles und mehr soll der modifizierte Gestaltungsplan für Olten SüdWest zulassen.

Wie Schmuziger kann sich Schwab künftig ebenfalls eine Gliederung der Gebäudefronten durch Balkone oder Loggias vorstellen. Auch Stockwerkeigentum sei begrüssenswert, ergebe sich dadurch doch eher eine engere Bindung von Mensch und Wohnumgebung. Und Einfamilienhäuser? «Vielleicht im Sinne einer Zugabe», so Schwab.

Zeichen der Unzufriedenheit

Viele weitere Architekturbüros beziehungsweise deren Vertreter mochten sich zu den möglichen Änderungen im Gestaltungsplan nicht äussern. Die Absicht einer Modifikation sei sicher als Zeichen einer gewissen Unzufriedenheit zu werten, so deren allgemeiner Tenor.

Offenbar sehe die Stadt dort einer drohenden Eintönigkeit entgegen, die jetzt mit Retuschen zu verhindern versucht würden. Ob zu Recht oder nicht, sei eine Frage der persönlichen Einschätzung.

Steuerkraft: beachtlich

Auch wenn Olten SüdWest Planerinnen und Planer wohl noch Jahre beschäftigen dürfte: Hinsichtlich Steuerkraft geht vom Areal eine rechte Dynamik aus, wie das Regionaljournal von SRF berichtete. Die Mieter der gut 300 Wohnungen in der Stadt Olten werden demnach im laufenden Jahr rund 600'000 Franken an Gemeindesteuern einbringen.

Im negativen Sinn ist festzuhalten, dass bislang ausgesprochen wenig Paare mit Kindern in den neuen Stadtteil gezogen sind. Eine gute Handvoll Schulkinder werden gezählt. Auch diesem Umstand soll mit einer Gestaltungsplanänderung begegnet werden. Und wie aus Insiderkreisen ebenfalls zu hören ist: Die Personenunterführung Hammer sei ein Must zur Erschliessung des neuen Quartiers.