Neu im Kantonsrat

Neo-Kantonsrat Simon Gomm: Er redet wie ein alter Hase

Simon Gomm möchte für mehr Solidarität sorgen.

Simon Gomm möchte für mehr Solidarität sorgen.

Der Oltner Simon Gomm, der für die Junge SP Region Olten neu in den Kantonsrat einzieht, wäre als künftiger Lehrer für die Bildungskommission prädestiniert. Ein Porträit über den PH-Student, Jungvater und Sohn des abtretenden Regierungsrates Peter Gomm.

Simon Gomm hatte vorgewarnt. «Wir können das Gespräch gerne bei mir zu Hause führen, wir haben einfach keinen Tisch.» Die Altbauwohnung auf der rechten Aareseite nahe des Oltner Bahnhofs ist spärlich eingerichtet. Der 26-Jährige wohnt hier mit seiner Frau Nakita und seiner 10 Monate alten Tochter. Das geräumige Wohnzimmer: eine grosse Polstergruppe, eine Krippe für die Kleine, ein Teppich auf dem Parkettboden, ein Flachbildschirm an der Wand. Der Student der Pädagogischen Hochschule Bern steht in der Küche und löffelt eine Portion Kaffee in die Macchinetta; der Journalistin und dem Fotografen bietet er ein Glas Wasser an. Der Kaffee steigt, Gomm giesst sich das Getränk in eine Tasse und geht rüber ins Wohnzimmer, wo er es sich auf dem Sofa gemütlich macht.

«Der Name spielte sicher mit, aber der allein hätte nicht gereicht», meint der Sohn von SP-Regierungsrat Peter Gomm zu seiner Wahl in den Kantonsrat und nimmt einen Schluck Kaffee. Zeitgleich mit den Kantonsrats- fanden die Oltner Stadtratswahlen statt, für die Gomm ebenfalls kandidierte. «Sie beeinflussten mein Ergebnis wohl», mutmasst er. Weil er auf Nummer sicher gehen wollte, trat er auch bei den Oltner Gemeinderatswahlen an, wo er denn auch einen Sitz machte. Diesen wird er jedoch innerhalb der Partei weitervererben: «Ich halte Doppelmandate für nicht demokratisch, es gibt ja genug fähige Leute», so sein Argument (wir berichteten). Ausserdem studiere er und habe Familie, das liege zeitlich nicht drin.

Veränderung braucht langen Atem 

Gomm redet gekonnt, seine Wortwahl indes ist häufig abstrakt: Er nennt sich konstruktiv, partizipativ, basisdemokratisch. Er sei kommunikativ und gerne unter Leuten. Ob er denn auch gut zuhören könne? «Ja, aber ich erwidere auch sehr gerne», sagt er mit einem verschmitzten Grinsen. Für ihn bedeute Politik nämlich: sich auf lange Gespräche einlassen. Und Kompromisse schliessen. Wobei er selbst die Leute schon überzeugen wolle. Politik brauche Zeit, glaubt er. «Als Politiker muss man einen langen Atem haben und sich selbst zurücknehmen können, um zum grösseren Ganzen beizutragen», betont er, der Durchhaltevermögen und Geduld als persönliche Stärken nennt. Veränderung geschehe eben nicht von heute auf morgen.«Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung», schiebt er lebensklug nach.

Politisiert worden sei er quasi von Geburt weg: «In der Familie wusste ich, wie der Hase läuft.» Dennoch habe er sich lange nicht politisch engagiert. 2012 trat er der Jungen SP Region Olten bei, 2016 wurde er zu deren Co-Präsidenten gewählt. Die SP: für Gomm die einzige Partei, die konsequent gesellschaftsliberal und tolerant auftrete. «Ich möchte eine offene, solidarische Gesellschaft haben und nicht in Boxen denken», sagt er.

Seine Motivation liege im Mitgestalten. Als politischen Erfolg nennt er den grossen Mitgliederzuwachs, den die Junge SP seit Anfang 2016 habe verzeichnen können. Ausserdem habe seine Partei die Schliessung des Jugendkulturhauses Provisorium 8 vorläufig verhindern können.

Im Kantonsrat könnte sich Gomm vorstellen, sich in der Umwelt-, Bau- und Wirtschaftskommission mit Raumplanung zu befassen: «Sie sollte nicht kleinräumig, sondern auf übergeordneter Ebene angegangen werden.» Auch die Justizkommission würde ihn interessieren. Oder aber die Bildungs- und Kulturkommission. Er sei zwar noch in der Ausbildung zum Sekundarlehrer, im Bildungsbereich habe er aber sicherlich den grössten Einblick. Was ihm sonst vorschwebt: ein Einwohnerstimmrecht auf kommunaler oder auch kantonaler Ebene. «Auch Ausländer sollen mitbestimmen können, wenn sie Steuern zahlen.» Und die Steuern für Geringverdienende im Kanton Solothurn seien schweizweit die höchsten: «Wir müssen eine solidarische Gesellschaft entwickeln, die von oben nach unten mehr verteilt.»

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