Olten
Naturparadiese mit Stein-Nelken, Habermarch und Co.

Was städtische Rabatten an natürlichen Schönheiten zu präsentieren haben, ist auch an der Sportstrasse in Olten zu erleben.

Urs Huber
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An der Sportstrasse, Olten: mit Stein-Nelken, Habermarch, Wiesensalbei und Co. auf Augenhöhe und per Du.

An der Sportstrasse, Olten: mit Stein-Nelken, Habermarch, Wiesensalbei und Co. auf Augenhöhe und per Du.

Hansruedi Aeschbacher

Früher, sagen wir vor 40 Jahren, da mussten angehende Lehrkräfte sich ein Herbarium anlegen; unter Aufsicht und mit Anregungen des Dozenten, der sie alle kannte, die Blumen der Umgebung, die da auf Wiesen und Matten vor sich hin blühten. Licht- und Stein- Nelke, Braunelle, Skabiose, Wiesen Bocksbart, Scharbocks- und Habichtskraut; Esparsette, Buschwindröschen gemeine Akelei, kriechender Günsel oder Rittersporn. Die meisten Schüler wussten seinerzeit, jedenfalls diejenigen aus Olten, nichts oder nicht viel davon. Und als der Dozent meinte, man müsse eben durch Jurawiesen streifen, um die Dinger zu finden, da sackte die Motivation in den Keller. Juraweiden, die waren doch «ab dr Wäut».

Habermarch? Habermarch!

Natürlich streifte man dann doch mehr oder weniger pflichtbewusst durch die Matten, vorbei an Kühen, schlüpfte unter Zäunen hindurch und fand das Ding doch nicht, das – ähh, Habermarch. Oder wie hiess es jetzt schon wieder? Doch, stimmt: Habermarch.

Und heute: Alles, oder sagen wir – vieles – ist anders geworden. Wahrscheinlich müssen angehende Lehrkräfte kein Herbarium mehr anlegen. Eigentlich schade, jetzt wo sich die einst verschmähten Schätze zahlreich in der ganzen Stadt Olten wiederfinden lassen. «Es gehört auch zur Strategie der Stadt, Freiflächen naturnah zu gestalten», sagt Oltens oberster Stadtgärtner Fridolin Fleischli. Auf der Römermatte, rund um die Schulhäuser, bei der Voliere, im Stadtgarten und droben bei den Sportanlagen präsentieren sich die wunderbarsten Wildblumenwiesen. Die Bodenbeschaffenheit zeigt sich heterogen. «Das sieht man gut. Dort wo das Pflanzengrün dicht ist und in die Höhe schiesst, ist der Boden nährstoffreich», sagt Fleischli. Aber da diesem nichts hinzugefügt wird – es gibt keine Bewässerung und keine zusätzlichen Nährstoffe –, wird sich das im Laufe der Zeit von selbst ergeben. Zweimal jährlich werden die Magerwiesen gemäht: Mitte, Ende Juni und im Spätherbst. Mit dem Balkenmäher übrigens, der schonendsten Art des Mähens.

Das Schnittgut wird dann ein paar Tage liegen gelassen, damit die Samen der Pflanzen nicht verloren gehen, wie Fleischli erklärt. Magerwiesen würden eigentlich während der ganzen Vegetationsperiode immer andere Blumengattungen hervorbringen. «Das ist sicher auch für den Betrachter interessant. Speziell hier an der Sportstrasse, wo doch viele Leute zu Fuss unterwegs sind, gibt es gute Gelegenheiten, die Pflanzen mal etwas aus der Nähe wahrzunehmen.»

Es gefällt

Die Naturwiesenmischung, welche die Stadtgärtnerei ausgebracht hat, trägt Früchte. «Die Leute reagieren sehr positiv darauf», weiss Fleischli. Erst hatte man Bedenken, der drohenden grünen Unordnung wegen. «Klar, hin und wieder wächst etwas gar augenfällig in den Gehbereich hinein», stellt er fest und blickt auf eine ausufernde «Siedlung» von Wiesensalbei. «Die werden wir halt etwas zurücknehmen später», sagt er dann. Dass an der Sportstrasse die Magerwiesen immer wieder von Lavendelpartien aufgelockert werden, hat mit der seinerzeitigen Planung zu tun, die eigentlich Strauchwerk vorsah. Dass Naturwiesen pflegeleichter sind und erst noch eine lichte und leichte Atmosphäre vermitteln, wird jetzt augenfällig. «Das war auch eines unserer Ziele», verrät Fleischli. Mit dem Resultat jedenfalls ist er ganz zufrieden.