Ausflugsziel
Naturfreunde Olten sanieren die Rumpelweid

Das Haus der Naturfreunde Olten oberhalb der Stadt wird im Herbst saniert. Der einfache Charakter soll aber erhalten bleiben.

Noël Binetti
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Stadtpanorama: Guter Blick auf Olten.
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Die Küche in der Rumpelweid, mit neuer Abluftanlage.
Die alten Schlafstätten werden saniert.
Eine Materialtransportbahn sorgt für Trinkwassernachschub.
Seit 1942 steht das Haus der Naturfreunde auf der Rumpelweid.

Stadtpanorama: Guter Blick auf Olten.

Bruno Kissling

Im Jahr 1907 wurde im damaligen Hotel Gotthard in Olten die Sektion Naturfreunde Olten als Teil der Naturfreunde Schweiz gegründet. Auch international gibt es Verbände der Naturfreunde. Heute zählt lokale Sektion 99 Mitglieder. Deren Jahrgänge verteilen sich von 1929 bis 2018. Allerdings ist davon nur etwa ein Viertel unter 50-jährig, wie der Verein auf Anfrage schreibt. «Die lokale Vereinsmitgliedschaft wird vor allem von älteren Menschen und Junggebliebenen gesucht.»

Das Haus für Familien der Naturfreunde Olten habe sich seit der Boomzeit in den 60er-Jahren komplett gewandelt, schreibt Monika Siegrist. Zusammen mit Hannah Küffer hat sie das Co-Präsidium der Sektion Olten inne. «Heute ist das Haus ein Teil eines lokalen und sanften Tourismus.» Nicht zuletzt in der Pandemiezeit habe sich gezeigt: «Weniger ist mehr.» Das Gebäude biete Schulklassen, Joggerinnen, Bikern oder Wandergemeinschaften spontane Naherholung bei fast immer toller Aussicht. Siegrist ist seit Jahren von diesem Ort begeistert: «Von der Aussicht, von der Einfachheit, von der Nähe. Und ich schliesse hier auch Freundschaften.»

Bea Rey, Vorstandsmitglied, Co-Präsidentinnen Monika Siegrist und Hannah Küffer und Vorstandsmitglied Röbi Ackermann Wer den Aufstieg wagt, wird mit einer einzigartigen Aussicht auf Olten belohnt.

Bea Rey, Vorstandsmitglied, Co-Präsidentinnen Monika Siegrist und Hannah Küffer und Vorstandsmitglied Röbi Ackermann Wer den Aufstieg wagt, wird mit einer einzigartigen Aussicht auf Olten belohnt.

Bruno Kissling

Doch das Haus auf der Rumpelweid ist in die Jahre gekommen. Gebaut wurde es 1942, mitten im Krieg, als Ferienheim. Nun erfährt das bald 80-jährige Gebäude eine Verjüngungskur: Im Innern werden alte Elektroinstallationen, welche mit asbesthaltigen Materialen ausgeführt wurden, ersetzt. In der Küche ist bereits eine neue Abluftanlage installiert, gleichzeitig wurden ein paar Verbesserungen vorgenommen.

Weiter soll das Haus ein Ziegeldach erhalten. Dessen Tragfähigkeit soll zudem erhöht werden, so könne in Zukunft eine Solaranlage installiert werden. Start der Bauarbeiten ist im September, wobei der Betrieb der Gartenwirtschaft aufrechterhalten bleibe. Im Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen werden. Siegrist sagt: «Am 16. Oktober ist nach den Bauarbeiten ein Fest geplant.»

Keine Lust auf Stahl-Glas-Beton

Ob dieses Jahr wegen Corona besonders viele Leute herkamen, kann Siegrist nicht beantworten. Sie sagt: «Das Haus war genau zur Corona-Zeit wegen der Innensanierung geschlossen. Bei der Wiederöffnung freuten wir uns aber über viele neue Gäste, die erstmals und vielleicht Corona bedingt den Weg in die nahe Natur fanden.» Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf rund 100’000 Franken. Voraussichtlich leiste swisslos einen vierstelligen Betrag dazu. Der Rest werde aus erarbeiteten Reserven finanziert.

Angesprochen auf die zunehmende Überalterung der Mitglieder entgegnet Siegrist: Es ist nicht das Ziel der Sektion, möglichst viele Mitglieder zu haben. In erster Linie gehe es darum, «jene Mitglieder zu finden, denen wir lokal wirklich etwas anbieten können.» Der Altersmix ergebe sich aus den vorhandenen Angeboten. Es sei sinnlos auf jung zu setzen, wenn lokal Seniorensport und Seniorengesundheit gefragt seien. Auf die Frage, ob der heimelige Charakter der Rumpelweid nach der Sanierung erhalten bleibe, sagt Siegrist: «Ja, natürlich. Wir haben weder Lust noch Geld für Glas-Stahl-Beton-Ungetüme in der Natur.»

Einsatz für Natur und Zusammenhalt

Verband Naturfreunde Schweiz

Die Anfänge der Naturfreunde reichen zurück in die Arbeiterbewegung am Ende des 19. Jahrhunderts. Auch nach 115 Verbandsjahren engagieren sich die Naturfreunde Schweiz mit 13’000 Mitgliedern für ihr Anliegen: «Eine nachhaltige Entwicklung und den Erhalt natürlicher Lebensräume.» Natur- und Landschaftsschutz stehen dabei im Zentrum. In über 120 Sektionen und Kantonalverbänden organisiert, engagieren sich die Mitglieder ehrenamtlich für die Werte des Verbands. Sanfter Tourismus und die Förderung von gesellschaftlichem Zusammenhalt zählen ebenso zum Repertoire wie politische Positionierungen. Der Landesverband setzt sich beispielsweise – zusammen mit anderen Akteuren – in der Politik für den Erhalt der Insektenvielfalt ein.

Die Sektionen bewirtschaften die rund 80 Naturfreundehäuser in der ganzen Schweiz. Diese sind oft an einem Waldrand, auf einer Anhöhe, in einem Ski- und Wandergebiet oder an Gewässern zu finden. Die Gebäude stehen auch Nichtmitgliedern zur Verfügung. Wer allerdings als Naturfreunde-Mitglied in ein Naturfreunde-Haus komme, profitiere von einem günstigeren Preis, schreibt der Verband auf der Website. Für seine Mitglieder organisiert der Verband unterschiedliche Wanderungen sowie Aus- und Weiterbildungen. In Naturkursen wird Wissen zu Botanik, wilden Beeren, Pilzen, Mutterkuherden oder dem Umgang mit Herdenschutzhunden vermittelt.