Fantasie, Kreativität und geschickte Hände sind gefordert, wenn es aus Filmplakaten, Duschvorhängen, Luftpolsterfolien oder herkömmlichen Stoffen Kleider zu entwerfen gilt.

Genau diese Aufgaben hatten die Lernenden an der Schule für Mode und Gestalten des Berufsbildungszentrums BBZ zu meistern und präsentierten am Mittwoch im Rahmen einer Modeschau unter dem Motto «Color Splash» ihre Kollektionen.

«Mit der Modeschau können die Lernenden zeigen, was sie an kreativem Handwerk alles gelernt haben», sagte BBZ-Direktor Georg Berger, bevor er den Laufsteg für die jungen Leute freigab.

Diese mussten einerseits in einer sogenannten Projektarbeit aus Filmplakaten (1. Lehrjahr), Luftpolsterfolien (2. Lehrjahr) und Duschvorhängen (3. Lehrjahr) «etwas Tragbares, Lustiges, Freches und Versponnenes machen», so Atelierleiterin Andrea Cantamessi. Andererseits entwarfen die Schüler Kleidungsstücke aus «herkömmlichen» Materialien, die Eigenkreationen genannt wurden.

Mit Ausgefallenem nicht gegeizt

Über die Tragbarkeit konnte man sich streiten, ausgefallen waren die Kollektionen des Projektteils allemal: Grosses Kino boten sprichwörtlich die Lernenden des 1. Lehrjahres. Das Werbeplakat zum Film «Der Verdingbub» etwa wurde von einer Schülerin zu einem fächerförmigen Oberteil präpariert (erste Reihe, zweites Bild von links), während die Köpfe berühmter Schauspieler auf Rücken, Bauch oder Beinen anderer Lernender prangten.

Auf bunte Motive konnte das 2. Lehrjahr mit seinen farblosen Luftpolsterfolien nicht zählen – «deshalb konzentrierten wir uns hauptsächlich auf Formen», erläuterte eine Schülerin.

Mit dem Attribut bizarr könnte man die Endprodukte wohl am besten beschreiben: Ob ein Kleid mit Stacheln oder ein aufgeplusterter Rock (zweite Reihe, erstes und zweites Bild von links) – erstaunlich, was aus diesen Folien alles entstehen kann!

Nicht minder aufsehenerregend waren die Duschvorhang-Kollektionen des 3. Lehrjahrs. Einem Kleid mit Entchenmotiv (zweite Reihe, drittes Bild von links) sah man seine Badezimmer-Vergangenheit noch an; bei anderen Kleidungsstücken liess beinahe nichts mehr darauf schliessen.

Laufstegtraining gehörte dazu

Neben der Möglichkeit sich kreativ entfalten zu können, ist der Sinn und Zweck dieser alle drei Jahre stattfindenden Show pädagogischer Natur: «Die Lernenden sollen sehen, was es bedeutet, Model zu sein und den Aufwand kennen, der hinter einer solchen Show steckt», erklärte Cantamessi im Vorfeld.

Und zum Modeldasein gehört eben auch Laufstegtraining. Zusammen mit Choreograf Stephan Grossenbacher hatten sich die Lernenden darangemacht, an ihrem Auftritt im Rampenlicht zu feilen.

«Klare Gesten und eine gute Falle machen», so lautete dabei das oberste Gebot – auch bei einem allfälligen Sturz auf dem Laufsteg. «Du darfst umfallen – musst es nur gut machen», erwiderte Grossenbacher auf einen entsprechenden Einwand.

Standhaftigkeit bewiesen

Diese Sorge blieb allerdings unbegründet – an der Feuertaufe vom Mittwoch behielten alle trotz manchmal schwindelerregender Absätze das Gleichgewicht. Eine gute Figur machten die Schüler und Schülerinnen ferner bei der Präsentation der Eigenkreationen.

Für Eleganz sorgten vier Lernende mit ihren in Rottönen gehaltenen Kleidern, während der Hosenanzug einer Kollegin «Flower Power-Atmosphäre» im Stadttheater verströmte (dritte Reihe, viertes Bild von links).

Nicht so recht in eine Schublade liess sich dagegen Lukas einordnen, der eine Art Rock mit langem Schlitz trug (dritte Reihe, zweites Bild von links). «Ich musste mir Provokationen von Mitschülerinnen anhören, doch einen Jupe wie sie zu schneidern. Ich wollte es nicht bei einem Spruch bewenden lassen, sondern die Provokation kontern», schmunzelte er.

Nur eine leere Worthülse sollte auch das Motto «Color Splash» nicht bleiben: Gegen Ende stolzierten Lehrer und Kunden des BBZ deshalb mit der sogenannten Auftragsmode über den Laufsteg und erwiesen dem Motto mit ihren grünen, roten, orangen oder blauen Kleidern nochmals alle Ehre. Wenigstens ins Stadttheater war der Frühling definitiv eingezogen.