Die Anlässe, an denen er auflegte, seien zwar nicht immer gut besucht gewesen. Meist hielten sich die Gäste statt im Innern auf der Terrasse auf, wo man rauchen kann. «Ein paar Mal hatten wir dann aber doch ‹full house›, das war dann jeweils ziemlich geil», erinnert sich Ramon Bischoff an seine Auftritte in der Oltner Paraiba-Bar. Im Rahmen einer Funk-Partyreihe war der Lostorfer regelmässig als DJ in der Bar an der Mühlegasse anzutreffen. Aber auch bei wenigen Gästen auf der Tanzfläche habe immer eine gemütliche Stimmung geherrscht. «Und musikalisch hatte ich meine Freiheiten.» Dass die Paraiba-Bar nun im August den Betrieb einstellen wird, bedauert Bischoff daher. «Das ist natürlich schade.»

Grund für die bevorstehende Schliessung seien jedoch nicht die bisweilen in geringer Anzahl erschienenen Gäste, wie Samuel Rudolf von Rohr, einer der drei Co-Betreiber, sagt. «Damit reich zu werden, war nie das Ziel.» Ihnen sei es von Anfang an darum gegangen, die «coole Lokalität» am Leben zu erhalten, nachdem ihr Vorgänger vor vier Jahren seinen Rückzug angekündigt hatte. Bereits zuvor waren Rudolf von Rohr und die beiden Mitbetreiber Alexander Giger und Franz Käser involviert gewesen, sei es als Veranstalter oder Teil des Barpersonals. «Wir wollten die Bar als Ort beibehalten, wo jeder so sein darf, wie er möchte», sagt Rudolf von Rohr. Damit wollten sie auch weiterhin die Funktion der Bar als Veranstaltungsort für «junge, urbane Kultur» sicherstellen. «Dabei wollten wir finanziell einfach rauskommen, was auch immer ungefähr geklappt hat.»

Es war einfach ein «zeitintensiveres» Hobby

Rudolf von Rohr verstand sein Engagement daher auch nicht als Nebenjob, sondern als «zeitintensiveres Hobby», das er nebst seiner 100-Prozent-Stelle als Drogist betrieb. «Eigentliche Freizeit war dann unter dem Strich schon nicht mehr viel vorhanden.»

Dass ihr Engagement unter diesen Voraussetzungen nicht ewig dauern würde, sei für sie von Beginn weg klar gewesen. «Ursprünglich waren drei Jahre geplant.» Mit den vier erreichten Jahren haben sie ihr Ziel nun gar übertroffen. Dieser zeitliche Aufwand des «Hobbys Paraiba-Bar» habe sich in letzter Zeit zunehmend weniger gut vereinbaren lassen mit den beruflichen und privaten Aktivitäten der drei Betreiber. Denn diese hätten sich in den letzten vier Jahren intensiviert. Nichts zu tun habe ihr Entschluss mit Lärmklagen von Anwohnern, die es hin und wieder gegeben habe. «Bis auf einige Anzeigen war das nicht weiter problematisch.»

In den vier Jahren hätten die drei rund 500 Anlässe organisiert. «Auch wenn wir manchmal finanziell drauflegen mussten, war das immer sehr zufriedenstellend für mich.» Highlights waren für Rudolf von Rohr die Besuche namhafter Hip-Hop-Künstler wie Delinquent Habits, Manillio oder Eldorado FM. Aber auch die Auftritte von Reggae- und Dancehall-Grössen wie General Levy, Cali P oder Stereo Luchs bleiben ihm in guter Erinnerung. Solche Anlässe liessen die Besucherzahlen jeweils ansteigen. Die Show des deutschen Rappers Toni-L im vergangenen April habe beispielsweise Leute aus der ganzen Schweiz nach Olten gelockt.

Bevor die drei Betreiber ihr Engagement im August endgültig beenden, feierten sie nochmals ein paar letzte grosse Feste. Am letzten Juli-Samstag waren mit EKR, Elijah und Didi (Letzterer ist derzeit prominent in einer Grillwerbung von Coop zu sehen) drei Schweizer Szenegrössen zu Gast, um das vierjährige Betriebsjubiläum zu feiern. Am Chilbi-Wochenende folgt dann die Schlussfeier – wiederum mit Dancehall-Mann Cali P und den bekannten Schweizer Rappern Fratelli-B.

Und jetzt: Was passiert mit der Örtlichkeit?

Was danach mit den Räumlichkeiten an der Mühlegasse 12 passiert, sei derzeit noch nicht ganz klar. «Es wird aber eine Bar bleiben», so Rudolf von Rohr. Genaueres lasse sich momentan noch nicht sagen. Dass er und seine Mitbetreiber auch künftig als Kulturveranstalter in Erscheinung treten werden, schliesst Rudolf von Rohr nicht aus. «Jetzt gönnen wir uns aber erst einmal eine Pause und geniessen es, wieder etwas Freizeit zu haben.»