Olten
Nach Vertragsende mit der Stadt: Provi-8-Verein steht auch in der Kritik

Der Trägerverein des Provisoriums 8 will Vertrag mit der Stadt Olten nicht verlängern – die Reaktionen dazu fallen unterschiedlich aus.

Fabian Muster
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Wie weiter im Provisorium 8, dem Jugendkulturhaus in Olten? Vorerst springt die Stadt nach Neujahr in die Bresche. Bruno Kissling

Wie weiter im Provisorium 8, dem Jugendkulturhaus in Olten? Vorerst springt die Stadt nach Neujahr in die Bresche. Bruno Kissling

Bruno Kissling

«Das ist eine Katastrophe!», sagt Schützi-Geschäftsführer Oli Krieg. Dass der Trägerverein Jugendkulturhaus des Provisoriums 8 von sich aus die Leistungsvereinbarung mit der Stadt per Ende Jahr auslaufen lässt, kann er wegen des konstanten Spardrucks der Stadt zwar nachvollziehen. Er befürchtet aber nun, dass die Anlässe für Teenager unter 18, welche das Provi 8 unter anderem bisher geboten hat, ganz wegfallen könnten. Und die Schützi könne da nicht eins zu eins einspringen, so Krieg.

Wer bei ihm ein Live-Konzert veranstalten will, brauche schnell einmal 3000 bis 4000 Franken für Gage und Technik. Kritisch sieht er auch, dass die Stadt ab Anfang 2017 einspringen will: «Beamte können so etwas nicht am Leben erhalten, es braucht Leute mit Herzblut.»

Doch der Schützi-Geschäftsführer nimmt auch den Verein Jugendkulturhaus nicht in Schutz: In seinen Augen hätten die Verantwortlichen des Provi 8 die Chance nützen müssen, um mit der Kündigung der Leistungsvereinbarung auch gleich neue Forderungen aufzustellen. «Jetzt wird das einfach so zur Kenntnis genommen.» Hätte man im Kreis der Jugendinstitutionen davon früher erfahren, hätte man eventuell gleich koordiniert reagieren können. Zur Erinnerung: Als die Stadt vor zwei Jahren dem Provi 8 die Finanzierung von damals 262'000 Franken jährlich streichen wollte, gab es politische Vorstösse und das Komitee «Save the Provi» wurde gegründet.

Mit Coq-d’Or-Betreiber Daniel Kissling äussert sich einer der damaligen Komiteemitglieder ebenfalls kritisch: «Strategisch ist es natürlich unklug, dass fürs Budget 2017 die Hälfte der bisherigen Subventionen der Stadt gestrichen wird.» Derzeit zahlt die Stadt jährlich noch 242'000 Franken. Es werde sehr schwer sein, das Budget für die Jugendarbeit wieder aufzustocken, so Kissling. «Umso wichtiger ist es nun, dass die Forderungen aufrecht-
erhalten werden, dass es in Olten eine Jugendarbeit braucht.» Diese hätte jetzt schon zuwenig Geld zur Verfügung.

Das Provisorium 8 sorgte am Donnerstag auch im Parlament für eine Fraktionserklärung der Grünen. Gemeinderat Michael Neuenschwander erklärte gestern auf Anfrage, dass es eine «Zumutung» sei, dass die Parlamentarier erst drei Monate später erfahren hätten, dass die Leistungsvereinbarung nicht mehr erneuern würde. Die Stadt wurde vom Trägerverein Ende Juni informiert.

Neuenschwander befürchtet nun, dass die Gemeinderäte aufgrund des zeitlichen Drucks inhaltlich nichts mehr zum neuen Konzept zu sagen hätten. «Die schleichende Entmachtung des Parlaments hat seine Grenzen.» Er fordert die Stadt nun auf, möglichst bald erste Ideen zu präsentieren, damit diese öffentlich diskutiert werden können.

Ähnlich sieht es Jugendkommissions-Präsident Leander Knapp: «Es ist befremdlich, dass die Stadt drei Monate gebraucht hat, um uns dies mitzuteilen.» Die Kommission sei eigentlich als Bindeglied gedacht zwischen den Institutionen und der Stadt. «Solange es uns noch gibt, sollte man diesen Kanal auch nutzen.»

Erklären kann die lange Informationssperre Vereinspräsidentin Nina Müller. «Die Diskussionen mit der Stadt, wie die Arbeit des Provi 8 ohne Trägerverein weitergeführt werden soll, sind erst im August angelaufen.» Schliesslich habe man sich zur gemeinsamen Kommunikation entschieden, nachdem eine vorläufige Lösung gefunden wurde.

Der Grund, wieso der Trägerverein von sich aus keine Zusammenarbeit mit der Stadt mehr eingehen wollte, sei die kürzere Laufzeit bei der Leistungsvereinbarung. Der Wechsel von früher vier- zu einjährigen Verträgen zehrte beim ehrenamtlich tätigen Vereinsvorstand an den Kräften. «Die derzeit schwierigen Bedingungen wollten wir keiner anderen Kulturinstitution zumuten», erläutert Müller den Grund, wieso nicht vorgängig das Gespräch mit anderen Institutionen in der Stadt gesucht wurde.

Stadtpräsident Martin Wey bekräftigt erneut die Absicht des Stadtrats, die Jugendarbeit bis Juni 2017 mit dem bisherigen Personal in den bisherigen Räumen am Rötzmattweg 8 weiterzuführen. Das Team um Jens Heumann soll befristet von der Stadt angestellt werden.

Kritik vonseiten der Parlamentarier, dass die Bildungsdirektion nun im stillen Kämmerlein ein Konzept ausbrüte, wehrt er entschieden ab: «Das Projekt Kinder-, Jugend- und Familienförderung ist breit abgestützt mit verschiedenen Vertretern aus allen Bereichen, selbst der Provi-8-Betriebsleiter Heumann ist in einer Projektgruppe vertreten.» Die Aufregung dazu sei fehl am Platz.