Sibylle Wyss wirkt sichtlich erfreut. «Wir haben so viele Jahre gewartet, bis etwas geht», sagt die Rektorin der Kantonsschule Olten. Die zierliche Dame steht in einem Klassenzimmer im siebten Stockwerk des Betonkomplexes, und in ihrer Stimme schwingt so etwas wie Erleichterung mit. Ein Blick durchs Fenster, hinab auf die riesige Baustelle, als die sich die
Kantonsschule im Hardwald derzeit präsentiert, legt nahe: Ja, hier geht etwas.

Das Klassenzimmer, in dem Konjugationstabellen spanischer Verben und Landkarten von Südamerika und Spanien hängen, ist noch im Originalzustand von 1973: Backsteinwände, ausgebleichte grüne Holzschränke, ein stellenweise bis auf die Faser durchgescheuerter Spannteppich. Dass sich eine Instandsetzung des in die Jahre gekommenen Schulhauses aufdrängte, ist offensichtlich; dafür spricht auch die schwarze Betonfassade.

Von der Zustandsanalyse im Jahr 2004 dauerte es aber weitere zwölf Jahre, bis im Sommer 2016 der Baubeginn für die 86-Millionen-Sanierung erfolgte. Zuerst werden die Fassaden und das Hallenbad renoviert, die Innensanierung folgt ab 2018. Bis im Herbst 2022 soll alles abgeschlossen sein.

Sportunterricht auch im Kleinholz

Riesige Kräne und Absperrungen prägen die Baustelle. Massige Metall- und Betonteile liegen herum. Die Fassadenversatzstücke werden unter Hochdruck gereinigt, das Eisen gegen Rost behandelt und gegen den Regen beschichtet. Derzeit werden im kleinen Trakt der Schule neue Fenster eingesetzt.

Da die ehemals horizontale Gitterstruktur an den Fenstern weggelassen wird, werden die Räume höher und lichter wirken. Der Einsatz der neuen Fenster, der mit viel Lärm und Staub verbunden ist, wird im kleinen Schulhaustrakt Ende Frühlingsferien abgeschlossen sein. «Die lärmintensiven Arbeiten werden jeweils in den Ferien ausgeführt», erklärt Rektorin Wyss. In den Sommer- und Herbstferien wird auch der grosse Trakt mit neuen Fenstern ausgerüstet.

Im Hallenbad, das bereits diesen Herbst wieder eröffnet werden soll, kann man sich das Endresultat noch schlecht vorstellen: Das Bad befindet sich im Rohbau. Kommende Woche soll der Innenausbau starten. Anstelle der ehemaligen Abwartwohnung wird eine Cafeteria zu stehen kommen; eine weitere Neuerung wird die gesamte Badtechnik sowie die Bodenheizung in den Garderoben sein.

Auch im Hallenbad werden die Fenster ausgewechselt. «Das fehlende Hallenbad ist im Sportunterricht natürlich spürbar», sagt Wyss. Im Sommer würde man teilweise ins Kleinholz ausweichen. Der Maturjahrgang habe sich ausserdem beklagt, dass er die traditionellen Maturaveranstaltungen wie den Fussballmatch aus Platzgründen nicht wie gewohnt durchführen könne. «Aber ich habe ihnen gesagt, dass sie das Programm anpassen oder Ausweichmöglichkeiten suchen müssen», so Wyss.

Nach Reklamationen reagiert

Auch die Metalltreppe, die vom Hallenbad hinunter zur Hardwaldstrasse führt, ist derzeit gesperrt. Es sei natürlich ein grosses Risiko, während dem laufenden Schulbetrieb zu bauen, sagt Wyss. Daher wurde der Bau- und der Schulbetrieb strikt getrennt. Die Zufahrt ist für den Baubetrieb zudem nur via Meierhof durch den Wald möglich. Die Sicherheit der Schüler und Mitarbeiter stehe an erster Stelle. 

Wyss sagt, sie hätte sich diese strikte Trennung nicht vorstellen können, als nach den Sommerferien 2016 die Schule wieder begann. «Aber das hat problemlos geklappt. Ich merkte oft gar nicht, dass wir eine Baustelle haben», sagt sie. Zwar habe es Reklamationen gegeben von Lehrern, die sich in ihrem Unterricht durch den Lärm gestört fühlten. «Aber es ist jetzt ein Detailplan ausgearbeitet worden, wo alle Lehrer sehen können, wann und wo es laut werden könnte.»

So könnten sie vorausschauend planen, damit etwa Prüfungen oder Vorträge nicht durch den Geräuschpegel verunmöglicht würden. Zudem steht auf dem roten Platz vor dem Schulhausgebäude seit zwei Wochen ein Provisorium mit acht Zimmern. Es ist als flexible Ausweichmöglichkeit bei Lärm gedacht.

Riesen-Kran bei Kanti Olten wird montiert (August 2016)