Buch
Nach langer Spurensuche: Oltner Autor veröffentlicht «Die Sünderin und der Heilige»

Vergangenes ans Licht gezerrt: Der Oltner Autor Albert T. Fischer hat Familieninterna zu einer interessanten Lebengeschichte moduliert.

Trudi Stadelmann
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Albert Fischer.

Albert Fischer.

Peter Siegrist

Der Titel des neusten Werks von Albert T. Fischer tönt zwar wie ein billiger Kitschroman: «Die Sünderin und der Heilige». Dahinter verbirgt sich aber die auch für Fischer nicht einfache Spurensuche nach der Kroatin Terezija Skringer, deren Leben durch die frühe ledige Mutterschaft und den Balkankonflikt vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt war. Geprägt war es auch durch ihren strengen katholischen Glauben und die Zusammenarbeit mit dem Kardinal Aloysius Stepinac.

Autobiografisches

Resa, wie sie genannt wurde, ist die Mutter von Fischers Onkel Pepe, der unehelich geboren wurde. Fischer führte mit Pepe unzählige Gespräche, hauptsächlich im Tessin. Dies trug sich Ende des zwanzigsten Jahrhunderts zu, als die Bauarbeiten zum neuen Gotthardtunnel begannen. Und so wie die Bauarbeiten immer wieder mit Rückschlägen fertig werden mussten, war auch die Arbeit zum Buch nicht immer einfach.

Fischer vergleicht die Recherchen und Gespräche auch mit der Arbeit am Tunnel. So schreibt er: «Und nach und nach sah ich im Tunnelbau eine Parallele zu meinen Bohrungen durch einen Berg von Wahrheiten und Legenden zum eigentlichen Leben der Terezija Skringer in einer von Fanatismus und unversöhnlichem Hass getriebenen Zeit.»

Und wie ein Tunnelbau eine Herausforderung für alle Beteiligten bedeutet, war das Schreiben dieses Werks für Fischer alles andere als einfach. Bedingt durch die Nähe zur ‹eigenen Sippe›, wie der Autor seine Familie nennt.

 Albert T. Fischer schreibt über Terezija Skringer und Kardinal Aloysius Stepinac, beide gemeinsam für die katholische Kirche in Zagreb tätig. 

Albert T. Fischer schreibt über Terezija Skringer und Kardinal Aloysius Stepinac, beide gemeinsam für die katholische Kirche in Zagreb tätig. 

Zur Verfügung gestellt

Beweise für Vaterschaft

Ins Reich der Legenden gehört wohl, dass der Vater der Protagonistin kein anderer als der österreichisch-ungarische Kaiser Franz Josef I. gewesen sein soll. Cousin Pepe hat Fischer gegenüber zwar versichert, er habe Beweise dafür in Schönbrunn gefunden, selbst gesehen hat der Oltner Autor diese aber nie.

Das Buch ist kein Roman, es ist ein Bericht über eine Frau voller Geheimnisse. Früh und ledig Mutter von zwei Buben geworden, «flüchtet» sie zu ihren Eltern. Nach deren Tod arbeitet sie für die katholische Kirche, unter anderem baut sie die kroatische Caritas auf. Während des Zweiten Weltkriegs gerät sie ins Visier der Nazis, weil sie Listen von zu ermordenden Juden verschwinden lässt. Der Kardinal indes verschliesst die Augen vor dem Genozid von Juden, Serben und Roma. Während Resa in Vergessenheit geraten ist, wurde Stepinac von Johannes Paul II seliggesprochen. Kardinal Kurt Kochs Bemühungen, dass dieser nun auch heiliggesprochen werden soll, waren denn auch ausschlaggebend, dass Fischer dieses Buch geschrieben hat. «Eine Ungerechtigkeit sondergleichen», findet er.

Zeitintensiv

Fischer hat viel Zeit gebraucht, um dieses Buch zu schreiben. Die ersten Gedanken dazu kamen ihm 1992, als er am Grab seiner «Grosstante» im Sottoceneri stand. Seit 1999 führte er Gespräche mit Pepe. Dieser war mal mehr, mal weniger begeistert. Einen ersten Text verfasste der Autor im Jahr 2003, dieser war aber nur für die Familie gedacht. Damals entstanden die ersten Pläne, ein richtiges Buch daraus zu machen.

Er und Pepe wollten, dass das Unrecht, welches diesem «bodenlosen Luder» angetan wurde, korrigiert werden sollte. Ein nicht einfaches Unterfangen: Nicht nur weil Fischers Cousin nicht immer ganz offen war, sondern auch Geheimnisse hütete. So erfuhr Fischer erst nach Pepes Tod von dessen Eheschliessung.

Immer wieder schreibt der Autor, wie schwer ihm das Aufarbeiten von Resas Geschichte fiel. Dies zeigt sich auch am Umstand, wie lange der Autor bis zur Fertigstellung brauchte. Zwanzig Jahre nach den ersten Gesprächen mit Pepe erscheint die Spurensuche endlich. Ein lesenswerter schmaler Band, in dem man auch viel über den uralten Balkankonflikt lesen kann.

Albert T. Fischer; Die Sünderin und der Heilige; Münster Verlag, 200 Seiten