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Nach Fusion dreier Abteilungen: Was ist die Pfadi Olten heute?

Um die neue Generation von Pfadern zu begeistern, braucht es den Spagat zwischen Tradition und Aktualität - davon ist der Leiter der Pfadi Olten überzeugt. Nach einer Fusion und mit einem neuen Programm wächst seit 2014 die Mitgliederzahl.

Deborah Onnis
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Abteilungsleiter Mischa Kaspar v/o Monti (links), Pfadistufe-Leiterin Vanessa Orlando v/o Stracciatella und Elias Niklaus, Präsident Pfadi Olten und Pfadi Kt. Solothurn, vor dem Pfadiheim in der Rötzmatt mit Plakat zum Pfadi-Schnuppertag vom 12. März 2016.

Abteilungsleiter Mischa Kaspar v/o Monti (links), Pfadistufe-Leiterin Vanessa Orlando v/o Stracciatella und Elias Niklaus, Präsident Pfadi Olten und Pfadi Kt. Solothurn, vor dem Pfadiheim in der Rötzmatt mit Plakat zum Pfadi-Schnuppertag vom 12. März 2016.

Deborah Onnis

Es ist wie vor dem Cornflakes-Regal im Supermarkt: Beim Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche besteht die Qual der Wahl. Eine der vielen Möglichkeiten ist die Pfadi. Sie stand in den letzten Jahren jedoch weit hinten im Regal.

Im Kanton Solothurn sanken bis vor 2014 die Mitgliederzahlen kontinuierlich. «Es ist halt für viele sexier, den Eltern zu erzählen, dass man am Samstagsmatch drei Goals gemacht hat, anstatt ‹ich habe den ganzen Samstagnachmittag mit all meinen Sinnen die Natur entdeckt›», sagt der 32-jährige Elias Niklaus v/o Tiki, Präsident Pfadi Olten und Pfadi Kanton Solothurn.

Neuer Schwung durch Fusion

Bis vor zwei Jahren gab es in Olten drei Pfadi-Abteilungen: die Oltner Pfadfinderinnen, Pfadi Froburg und Pfadi Stadt Olten. Die Bestände waren aber in allen drei Abteilungen schwach. Um zu überleben, fusionierten die Abteilungen zur Pfadi Olten. Mit aktuell 114 Mitgliedern ist sie nun die grösste Pfadi im Kanton. «Die Fusion hat uns neuen Schwung und neue Motivation verliehen», sagt der 24-jährige Mischa Kaspar v/o Monti, Abteilungsleiter der Pfadi Olten.

Jede Abteilung hat ihre beliebtesten Traditionen, wie zum Beispiel den Weihnachtsbazar und den Skitag, ins neue Programm mitgenommen. Dafür wurden weniger beliebte Aktivitäten aus dem Programm gestrichen. Während vorher nur 5 bis 10 Kinder am Samstagsprogramm teilnahmen, sind es heute bis 30 auf einmal. «So macht es mehr Spass. Und der Aufwand bei der Vorbereitung lohnt sich auch mehr.» Dass unter solchen Bedingungen ein besseres Programm entsteht, liegt auf der Hand. Unter anderem führe genau dieses zum aktuellen Erfolg: In den letzten zwei Jahren stieg die Zahl der Mitglieder um gut zehn Prozent.

Nerv der Zeit getroffen mit Stufe für Kindergärtner

«Wir wollen nicht ins Unendliche wachsen», sagt Mischa Kaspar. Das Ziel sei, stabil zu bleiben. Die Fluktuation ist in der Pfadi relativ hoch: Rund 10 Mitglieder im Jahr verlassen die Abteilung. «Einige wollen etwas anderes ausprobieren, andere beginnen die Lehre oder die Uni und können die Zeit nicht mehr aufbringen», berichtet die 21-jährige Pfadistufe-Leiterin Vanessa Orlando v/o Stracciatella. Vor allem die Pfadistufe mit Jugendlichen im jungen Teenager-Alter sei geprägt von Abgängen.

Nationaler Pfadi-Schnuppertag 2016

Die Pfadi Olten organisiert im Rahmen des nationalen Pfadi-Schnuppertag am 12. März 2016 in Olten auf der Kirchgasse (beim Brunnen), von 14–16.30 Uhr, eine Schnupper-Aktivität für 5- bis 14-Jährige.

Weitere Infos: www.pfadiolten.ch

Um diese zu kompensieren, wurde die neue Stufe «Biber» eingeführt, für Mitglieder im Kindergartenalter. «Damit haben wir offenbar den Nerv der Zeit getroffen», sagt Elias Niklaus. Das Angebot habe sehr schnell Anklang gefunden. Mit der Nachwuchsrekrutierung wird heute also noch früher begonnen. Damit ist es aber noch nicht getan. «Wir dürfen nicht in alte Muster verfallen», sagt Mischa Kaspar. Immer wieder wird das Programm ausgewertet, diskutiert, weiterentwickelt.

Tradition vs. Aktualität

«Was ist noch zeitgemäss und welche Tradition müssen wir aber beibehalten, damit wir immer noch die Pfadi sind?» Solche Fragen stellen laut den Pfadern eine der grössten Herausforderungen bei der Programmplanung dar. «Es ist eine Gratwanderung», sagt die 21-Jährige Vanessa Orlando. Schliesslich seien ihre Mitglieder ganz normale Jugendliche, die genauso wie ihre Nicht-Pfader-Gspändli Smartphones bei sich tragen und ein Facebook-Profil besitzen. «Einfach nur Seiltechnik würde die Jugendlichen langweilen.» Deshalb sei umso mehr Kreativität gefragt.

Um den Bezug zur Aktualität zu erhalten, gibt ein Abteilungsleiter in der Regel mit zirka 25 Jahren die Leitung ab an den nächsten Pfader, der mehr Verantwortung übernehmen möchte. «Genau darum geht es uns ja: Dass Jugendliche und junge Erwachsene immer mehr Verantwortung übernehmen und sich persönlich weiterentwickeln können», so der Präsident der Pfadi Olten. Wenn das nicht ein Schnäppchen ist?

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