Im März vergangenen Jahres musste die Bevölkerung in Kappel den Abschied von Erwin und Pia Huber auf der beliebten «Chäsi» zur Kenntnis nehmen. Mit viel Enthusiasmus und gesundem Selbstvertrauen, wie aus den KappelNews 2018 zu entnehmen ist, übernahmen ab Mai 2018 Konstan Francis mit seiner damaligen Verlobten – nun seiner Frau – Jachintha Francis das Dorflädeli unter dem Namen «Marché de la Chapelle». Kappel atmete ob des fast nahtlosen Übergangs auf; die verbreitete Befürchtung, das Dorf würde nun ohne breiteres Lebensmittelangebot dastehen, erweis sich als unbegründet. Aber: Nach nur wenigen Monaten standen die Kunden vor verschlossenen Türen der einstigen Chäsi. Die Pächter hatten aufgesteckt.

Früherer Pächter nicht erreichbar

Über die Gründe gibts von offizieller Seite keine Stellungnahme. Der einstige Betreiber des «Marché de la Chapelle», Konstan Francis, war für die Redaktion telefonisch nicht zu erreichen. Vorgänger Erwin Huber drückt sein Bedauern über die aktuelle Entwicklung auf der Chäsi aus. Er betont dabei auch, dass weder seine Frau Pia noch er etwas mit der Nachfolgeregelung in der «Chäsi» in Kappel zu tun gehabt hätten. Einer persönlichen Einschätzung möchte er sich enthalten. «Wir waren lediglich Pächter dieser Liegenschaft», sagt er. Die Entscheidung, wer zukünftiger Nachfolger der Hubers würde, lag ausschliesslich bei der Milchgenossenschaft Kappel, der Eigentümerin des Dorflädelis.

Milchgenossenschaft: begrenzter Schaden

Für den Präsidenten der Milchgenossenschaft Kappel, Roger Lack, ist die Sache natürlich auch nicht sehr angenehm, obwohl er auf Anfrage erklärt, der Schaden durch den frühzeitigen Abgang halte sich in Grenzen. Die im Voraus bezahlte Kaution des Pächters verhinderte Schlimmeres. «Wir hatten einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet», so Lack.

Klar ist für die Milchgenossenschaft mittlerweile, dass sie keinen neuen Pächter mehr sucht. In der entstehenden Überbauung Rose wird sich Voi einmieten, was eine Voi-Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung auch bestätigt. «Voraussichtlich im dritten Quartal 2020 eröffnet mit Voi-Migros Partner in Kappel an der Mittelgäustrasse ein modernes Nahversorgerkonzept.» Der Mietvertrag sei unterzeichnet, die Ladenfläche betrage 340 Quadratmeter. «Das Sortiment deckt den täglichen Bedarf ab. Zusätzlich zu den Eigenmarken sind ergänzend lokale Produkte zu finden. Insgesamt findet die Kundschaft gegen 5000 Artikel im neuen Voi», so die Pressesprecherin weiter.

«Dass Voi kommt, war für uns ein Zeichen», sagt Lack. So hat sich die Milchgenossenschaft entschieden, die Chäsi-Liegenschaft zu verkaufen. Entsprechende Abklärungen seien im Gang, so Lack. 11 Aren gross sei das Grundstück, gut gelegen, direkt an der Mittelgäustrasse und auch in gutem Zustand. «Das ist schon was wert.» Der Verhandlungspreis ist derzeit ebenfalls in der Abklärungsphase. Konkreter will sich Lack aber nicht äussern.