Herbstjagd bedeutet auch Brauchtum. Ein Teil dieses Brauchtums ist die Weidmannssprache, welche eine der umfangreichsten deutschen Fachsprachen, mit heute über 3000 gebräuchlichen Wörtern, ist. Mit der Weidmannssprache bezeichnet der Weidmann jagd- und wildbezogene Gegenstände und Vorgänge sowie die Lebenszeichen, Körperteile und Aufenthaltsorte des Wildes und der Jagdhunde. Anstand zum Beispiel ist der Ort, wo der bewaffnete Jäger auf die Tiere wartet, Hundegeläut bedeutet das Bellen einer Hundemeute und der Schüsseltrieb ist das gemeinsame Essen nach der Jagd.

Rehwild ist nicht bedroht

Der Rehbestand ist gemäss eidgenössischer Jagdstatistik am Zunehmen. Waren es 1968 geschätzte 91 800, sind es 2012 an die 115 300 Rehe in der gesamten Schweiz. Das bedeutet eine Zunahme von knapp 26 Prozent. Zum einen hat diese Entwicklung einen Zusammenhang mit dem Wachstum unseres Waldes. Seit über 150 Jahren nimmt die Waldfläche in der Schweiz zu. Genaue Zahlen hat man seit dem ersten Landesforstinventar von 1985. Weitere Inventare gab es 1995 und 2006. Vom ersten bis zum dritten Forstinventar hat sich die Waldfläche in der Schweiz um total 98 077 ha oder 8,3 Prozent vergrössert. Der Hauptgrund dafür liegt in Änderungen der Landnutzung. Die Entwicklung ist insbesondere auf Wiesen und Weiden in Grenzertragslagen zu beobachten, die nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden. Vor allem in höheren Lagen ab 1800 m ü. M. hat der Wald stark zugenommen. Die Waldgrenze verschiebt sich nach oben, extensiv genutzte Weiden wachsen ein.

Besser Lebensbedingungen

Zum anderen sind die Lebensbedingungen für die Rehe durch den modernen Waldbau mit seinem guten Nahrungsangebot und der Möglichkeit, in Deckung zu gehen, in den letzten Jahrzehnten massiv besser geworden.

Im Kanton Solothurn beträgt die Waldfläche gemäss Landesforstinventar 31 600 Hektaren. Sie hat sich seit 1984 nicht verändert. Die Kantonsfläche ist damit zu 40 Prozent bewaldet (Schweiz 30 Prozent, AG 35 Prozent, BL/BS 38 Prozent). Ebenfalls hat sich die geschätzte Populationsdichte des Rehwildes nicht verändert und wird seit Jahren auf etwa 4000 Rehe geschätzt.

Regulation Wildtierdichte

Es ist Aufgabe der Jäger, aktiv mitzuhelfen, das Gleichgewicht in der Natur, soweit dies überhaupt noch möglich ist, zu erhalten. Ziel der Gesellschaftsjagden ist es deshalb, überhöhte Wildbestände im Rahmen der Jagdgesetzgebung auf ein dem Biotop angepasstes Mass zu reduzieren. Ohne Jagd würden sich die in unserer Region ansässigen Wildarten wie Reh, Wildsau, Fuchs und Dachs sofort sehr stark vermehren. Dies führte zu Überpopulationen und hätte folgende Auswirkungen: innerartlicher Stress, Krankheiten, Seuchen und allgemeine Degenerationserscheinungen. Damit verbunden wären Schäden am Forst und an den landwirtschaftlichen Nutzflächen. Sofort würden auch die Fallwildzahlen der Wildtiere steigen. Als Fallwild bezeichnet man Wild, das ohne jagdliche Einwirkung zu Tode gekommen ist. Der grösste Verursacher von Fallwild ist das Auto. Im Kanton Solothurn wurden letztes Jahr gut 750 jagdbare Wildtiere durch Kollisionen getötet.

Möglichst stressfrei und schonend

Die Jagdgesellschaften sind besorgt, dass die Jagden für das Wild möglichst stressfrei und für das Biotop schonend durchgeführt werden. Die Zahl der Jagdtage werden deshalb dem zu regulierenden Wildbestand und der forstlichen Situation angepasst.